Am Pranger

Bank Pranger

Um Deutschland zu einigen, mußte Bismarck die Vorherrschaft der Österreicher beseitigen. Dabei bekamen zuerst die Hannoveraner eins auf den Hut. Dem 1866 entthronten König Georg V. wurde eine Entschädigung von ~48Millionen Mark gewährt, angelegt in preußischen Staatspapieren. Die Zinsen zahlte man dem verjagten König aus. Da jener aber zusammen mit seinem Vorgänger Ernst August I., einem Erzreaktionär, der in Hannover immer noch vor dem Hauptbahnhof reitet, die „Welfenlegion“ gründete, die ihm sein Königreich zurückerobern sollte, beschlagnahmte Bismark 1869 die Zinsen des Welfenfonds und nutzte sie als Dispositionsfonds. Da er auf diese Weise „bösartige Reptilien bis in ihre Höhlen verfolgen wollte“, wurde der Fonds auch „Reptilienfonds“ genannt. Genutzt hat er die Gelder zur Pressekorruption, um die restlichen Märchen-Könige zu kaufen (z.B. den durchgeknallten Ludwig II. von Bayern, der allein 20.000Mark für Friseur und Zahnarzt benötigte), besonders aber für sich selbst. Was übrig blieb, nahm er bei seiner Entlassung mit.
So funktioniert das in Nordsulawesi immer noch. Mit von der Regierung unterstützten Fonds werden Kooperativen gebildet, in denen z.B. 1 Elektriker, der noch nie 1 Fisch gefangen hat, eine Gruppe Fischer überwacht. Die Teilnehmer geben u.a. ihre Grundstückspapiere der auszahlenden Bank als Kedit-Sicherheit. Der Leiter der Kooperative versorgt sich zuerst selbst, es ensteht kein wirtschaftlicher Erfolg, und die Schuldner werden durch selbstsüchtige Reptilien ruiniert. Da es die Gläubiger nur noch mehr kostet – mit ungewissem Ausgang – Betrüger vor korrupte Richter zu bringen, muß man beim Geldeintreiben erfinderisch sein.
Manche Fotos sind formal unbefriedigend, inhaltlich jedoch ein exquisiter Genuß. So auch dieser Aushang einer Bank, der Personen vorstellt, die mindestens 3 Monate keine Kreditrückzahlungen mehr geleistet haben (penunggak). In gleicher Weise werden mit Lohn-Vorauszahlungen verschwundene Arbeitnehmer der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf dem Blatt sind es 4 Beamte der Kreisdirektion, die man in der Bank bewundern kann.
Nr.1: Ernny Rotty, meine Lieblings-Betrügerin. In D säße die Frau wegen Kredit-, Scheckbetrugs und Urkundenfälschung längst hinter Gittern und wäre aus dem Beamten-Verhältnis entlassen worden – zusammen mit ihrem Ehemann, der nicht nur Beamter sondern auch Bauunternehmer ist (In manchen Behörden befinden sich 85% der Beamten normalerweise nicht an ihrem Arbeitsplatz.). Doch nicht so in Indonesien, wo das Risiko für Betrüger nur sehr langsam größer wird. Einen kleinen Teil ihrer Schulden haben wir durch die Polizei eintreiben lassen, doch fehlen seit 3 Jahren immer noch 3.000EUR. Und nicht nur uns!
Nr.2: der Sekretär des Kreisdirektors
Nr.3: die Frau des Imams, die anscheinend schnell gezahlt hat, denn ihr Name ist durchgestrichen und das Paßfoto entfernt.
Nr.4: meine Nachbarin, eine studierte Juristin, über deren Methoden ich gern ausführlicher berichten würde; leider ohne Foto.
Nr.1 und 4 fallen auch besonders durch ihr demonstrativ ausgeübtes Christentum auf.

Sollte man für solch ein Verhalten wieder die alten chinesischen Methoden („1911 Revolution“ von und mit Jackie Chan) einführen? Unbedingt! Diese Leute sind keine Armen, sondern sie pflegen ein Verhalten, das man als „gengsi“ bezeichnet: Um jeden Preis andere übertrumpfen und zeigen, daß man groß ist – auch wenn man dazu das Vertrauen seiner Mitmenschen mißbraucht und jene rücksichtlos schädigt. Eine weit verbreitete und geradezu typische Minahasa-Attitüde.

5 Gedanken zu „Am Pranger

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