Eigentum der Männer

indische-Tourismus-Werbung

„This is one of the most important films that I have ever experienced … It is so well made that I did not know that this was a low budget film until I read it somewhere online.” Dieser sich so begeistert äußernde „American Muslim film geek of Arab descent” unterliegt einem Mißverständnis: Es ist der Inhalt des Films „Land Gold Women“, der außerordentlich und schockierend ist. Ästhetisch und schauspielerisch erscheint dieser vielfach prämierte Film simpel bis dilettantisch. Die Figuren weitgehend ohne Infrastruktur meist vor sich hinstarrend, die wenigen Action-Szenen fast lächerlich unbeholfen. Eine offensichtliche Fehlbesetzung die deutlich zu alte Darstellerin einer 17jährigen, die von ihrem Vater umgebracht wird, einem 45jährigen Professor für Geschichte an der Universität in Birmingham. Auch da stellen sich Fragen nach der Authentizität der Story, deren Wirklichkeitsbezug nicht nachgewiesen wird. Der Vater ist entweder ein kompletter Psychopath oder Professor indischer Abstammung. Beides geht nicht zusammen, auch wenn das rational-westliche Anschauung ist. Da nicht alle indischen Väter ihre Töchter umbringen, nur weil sie eine nicht genehmigte Beziehung zu einem Mann haben, müßte ein weiteres Moment hinzukommen, welches der Film nicht ausarbeitet. Daß in Indien Töchter aus Gründen der Familienehre ermordet werden, ist bekannt. Irgendetwas stimmt also nicht mit dem touristischen Bild Indiens, und der Film verdirbt den Appetit auf reale Erfahrung („splendours of a glorious land“).

Das Leben zum Film gleich am nächsten Tag. Hat schon mal jemand über die Wertigkeit von Frauen in Indonesien gebloggt? Ach, all diese netten, illusionären Berichte über die reiche Kultur, das großartige Essen und die liebenswürdigen Bewohner des Landes. Ich glaube nicht, daß ich mich zufällig an einer extremen Stelle befinde, sondern allein die Häufigkeit und Konstanz von gewalttätigen Auseinandersetzungen und Mißhandlungen von Frauen zeigen ein eher normal-atavistisches Verhalten, das erheblich von Tourismus-Präsentationen abweicht.
Einer moslemischen Jungfrau nachzusagen, sie habe einen Knutschfleck am Hals, ist ein schwerer Angriff auf die Familienehre. Kein Wunder also, daß Ike (15), 2. Tochter unseres Vorarbeiters Mad, den verheirateten Nachbarn Holmes deswegen zur Rede stellt, ihn anschreit und beleidigt. Moslem Holmes schlägt sie daraufhin nieder – in Sichtweite ihrer Mutter. Mad trägt die Ohnmächtige mit geplatzter Lippe und geschwollener Wange nach Hause und kommt mit seinem Haumesser zurück. Da ist dann wieder meine Frau gefragt, die empfiehlt, die Angelegenheit der Polizei zu übergeben. Zwar versuchen die Arbeiter immer wieder, uns zu betrügen und Vorgänge zu verheimlichen, haben sie ihre Karre jedoch gründlich in den Schlamm gefahren, dürfen wir eingreifen. Da die Polente mit solchen Nebensächlichkeiten nur Unkosten hat, muß den Beamten bei der Bearbeitung „geholfen“ werden, in dem man ihnen „pulsa“ für ihre Handphones schickt. Unseren schwarmdummen Arbeitern zu raten: „Scheißt auf das Gerede!“ nützt leider nichts, denn sozialer Status ist in der indonesischen Gesellschaft überwältigend wichtig. Und das ist einer der Punkte, wo ich nicht zur Anpassung bereit bin, sondern ihnen westliche Ethik durchaus als Vorbild nenne. „Talk directly, not secretively!“ (Neues Motto in Libyen)

Heutzutage gibt es ja in D keine Männer mehr, die glauben, Tochter oder Ehefrau seien ihr persönliches Eigentum, aber Anfang der 70er hab ich solche Arschlöcher noch erlebt.

2 Gedanken zu „Eigentum der Männer

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