Die Katholiken

Dom

Die Katholiken Minahasas mag ich am liebsten, weil sie am wenigsten Krach machen. Unbeeindruckt vom ekstatischen Geschrei und Rumgehampel der Protestanten ruhen sie fest in ihrer portugiesisch-italienischen Tradition, und sie haben sich in Manado die teuerste und geschmackvollste Kirche Nordsulawesis gebaut. Die Kathedrale „Hati Tersuci Maria“ (unbeflecktes Herz), eine verkleinerte Kopie einer neogotischen Hallenkirche, der Beton außen mit voll abwaschbaren Terrazzo-Platten verkleidet, mit Kuppel über dem Altarbereich und klotzigen Säulen mit kreuzverzierten römischen Komposit-Kapitellen ist termewah (= Superlativ von luxuriös), wie sie der Regierungspräsident bezeichnete, der uns zur Hochzeit seines Sohnes eingeladen hatte.

Dom-innen

Das 1.Mal, daß ich einem katholischen Gottesdienst beiwohnte, und so sah ich verschiedene mirakulös-zauberhafte Vorführungen. Mützen hatten innen nur 2 auf: Ein älterer Fotograph, der wirkte als sei er gerade von seinem Fischkutter an Land gegangen, und der Bischof, dem es mal zu warm und dann wieder zu zugig war, denn er setzte seine Doppelspitz-Mütze, die mich an das rote Maul meines Holzkrokodils erinnerte, mit dem ich als Kind spielte, zwischendurch ab und dann wieder auf. Ebenso unentschieden wirkte auch die Reglung des Sitzens, sollten wir doch wiederholt aufstehen und uns dann wieder hinsetzen. Bei dieser Gelegenheit kann man aber seinen schweißfeuchten Hosenboden auslüften, was vielleicht die Idee ist. In der Reihe vor uns 5 Nonnen, die gleich eine praktische Kniebank ausklappten, die sie dann entsprechend benutzten (Haben Katholiken Hornhaut an den Knien?). Auch erschienen zwischendurch kleine Mädchen in Nachthemden, und knieten sich auf den kostbar mit Marmormosaiken verzierten Mittelgang, wobei man ihre schmutzigen nackten Füße sehen konnte, als sie den Boden wie Moslems mit dem Kopf berührten. Zeitweise durften sogar Frauen was sagen.

flach

Doch blieb selbst meiner, die nur zufällig keine Katholikin geworden ist, vieles rätselhaft („Werden die richtig naßgespritzt?“). Irgendwann während der Zeremonie trat einer der Angestellten im Nachthemd in den Mittelgang und verteilte Kekse an die erstaunlich gesittet im Gänsemarsch und Gebetshaltung heranSCHREITENDEN Gläubigen. Wirklich erstaunlich (Ich würde „erstaunlich“ hier sogar fett markieren, wenn WordPress das zuließe!), weil ich sie sonst nur als wild rennende Hühner kenne, wenn es was umsonst gibt. Auch die Nonnen schienen eher zu schweben. Gemessen ging alles seinen magischen Gang, der nur vom Handphone des Bischofs gestört wurde, denn es klingelte ab und zu. Auch hatten die Angestellten Schwierigkeiten mit den Weinresten. Anscheinend wurde er nur an bevorzugte Personen ausgeschenkt. Danach fuchtelten sie wie Barkeeper auf dem Altar herum und fanden anscheinend nicht gleich die richtigen Deckel für die goldigen Kelche. Schließlich stellten sie den Rest in ein goldiges Schränkchen – vermutlich ein Kühlschrank – damit der Bischof ihn am Feierabend austrinken konnte.
Sehr edel mit zum Teil klassischen Darbietungen ein Live-Chor („Küürie-eleisohhn. Ammen, ammen, ammen!“), nur etwas zu laut, so daß die Decken-Lautsprecher vor sich hinschepperten. Sound-Anlagen einzustellen, kriegen die Wilden einfach nich hin, obwohl das eigentlich ganz einfach iss, braucht man doch nur die Lautstärke zu reduzieren. Da sollte mal ein UNESCO-Hilfsprogramm gestartet werden. Doch wirkte die Musik nicht schmerzhaft wie sonst, sondern das ganze Theater fand in netter, relativ geschmackvoller Atmosphäre statt, und eine ganz reizende, anrührende Geste am Ende des Gottesdienstes: Alle gaben sich die Hand, wir der Bankreihe vor und hinter uns, und so hab ich 4 der 5 Nonnen gaanz vorsichtich die Hand getätschelt (man quetscht hier nich), was sie sicher nie vergessen werden (Die eine junge hat mich STARK angelächelt!). Sowas kenne ich sonst nur von den Moslems, und es gehörte – zusammen mit dem Lächeln – zu den verführerischen Gruppen-Erlebnissen, die mich früher fälschlicherweise annehmen ließen, es handele sich bei den Minahasa um eine besonders warmherzige, gesittete Gemeinschaft.
Doch so richtich umsonst war die Darbietung eigentlich nicht, denn das Wichtigste hätte ich fast vergessen – das Geldsammeln. Diesmal wurden dafür kleine Kescher mit Drahtbügeln verteilt, wie ich sie früher zum Wasserflöhe-Fangen benutzt hab. Da sollten sich die Katholiken aber wirklich mal das Angebot von „Gethsemane“ ansehen, denn Geld iss ja offensichtlich genuch da.
Na, jedenfalls hätte Herr Thierse seinen Spaß gehabt, und nächstes Mal laß ich mir auch so einen Keks geben.

Alleluia

5 Gedanken zu „Die Katholiken

  1. gut beschrieben wie das so zugeht bei den katholen bei euch, genau wie hier „kyrieeleeeyson😆

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