Unfollow

Ach, da haben sie wieder gemurkst, die Happiness-engineers von WordPress. Daß nich mehr gefettet wird, liegt offensichtlich am Wechsel des Designs. Die von Live-Spaces übernommenen Posts enthalten noch fett Markiertes. Auch „Modularity lite“ konnte das. „Twenty Eleven“ zeigt es nur im Dashboard, jedoch nicht im Blog. Sehr originell! Diese 7,2Punkt-Mikroschriften-Meister stehen irgendwie unter einem manischen Zwang der Verschlimmbesserung. Denken sich jede Woche was Neues aus – und empfehlen die Produkte der Konkurrenz. So auch mit dem „Follow“-Button. Man bekommt jetzt für jeden neuen Post 1 Email. Will ich aba nich. Man stelle sich vor: 50 sinnlose Mails am Tag, allein 2 von mir. Kann doch keiner aushalten. Deshalb wird nich mehr gefollowed.

Schon 1994 bemerkte Prof. Dr. Klaus Backhaus, Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Anlagen und Systemtechnologien der Universität Münster, daß die Verkürzung der Entwicklungs- und Produktlebenszeiten an ihre ökonomische Grenzen stoße. Beim PKW- oder PC-Kauf wisse niemand mehr, welches das neuste Produkt sei. Auch veraltere das erworbene Wissen „immer schneller, und jeder muß immer schneller lernen. Bald sind wir soweit, daß nur noch eine immer kleiner werdende Anzahl von Menschen in der Lage ist, im Innovationswettlauf mitzuhalten … Nur ganz wenige Unternehmer haben gelernt, Dinge bis zu Ende zu denken.“ Zeitfenster zwischen immer schneller wechselnden Moden reichten am Markt nicht mehr aus, um die Entwicklungs-Kosten hereinzuspielen. In der Mode finde der Sommerschlußverkauf schon statt, bevor der Sommer angefangen habe. Diesen wahnwitzigen Prozeß könne nur ein „Verlangsamungskartell der Schnellsten“ ohne Positionsverluste stoppen.

Sieht man sich an, was für eine Konfusion WordPress gerade in seinem Tag-System angerichtet hat, bestätigt sich diese Kritik: Sie können mit ihren eigenen Innovationen nicht Schritt halten, und sie denken nicht bis zu Ende.

Quelle: Backhaus/Bonus „Die Beschleunigungsfalle oder der Triumph der Schildkröte“
Foto aus „Killers“ (Kutcher/Heigl)

Ein Gedanke zu „Unfollow

  1. Pingback: Occupy WordPress | Flaschenpost

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