Totale Väter

Wenn ich die inhaltlichen Schwerpunkte all der amerikanischen Filme zusammenfassen müßte, die ich sah, so würde ich u.a. diese als dominant aufzählen: Amerikaner machen gern Autos kaputt, sind ständig in Sorge um korrekte Sexualität, und es fehlt oder fällt häufig ein Elternteil aus, der schließlich tränenreich reintegriert wird.
Ganz offensichtlich fördert gestörtes Familienleben asoziales Verhalten bei Jugendlichen. Der Film „Courageous“ demonstriert die Lösung: 4 Polizisten und 1 mexikanischer Einwanderer unterschreiben im Anzug mit Schlips und Popen-Sermon eine Resolution, in der sie sich verpflichten, die volle Verantwortung als Superväter zu übernehmen. Die Filmidee, so durchgeknallt, daß sie sich für eine Komödie eignen würde, ist leider ernst gemeint. “While the filmmaking is fairly competent, Courageous is overall worthless to anybody who doesn’t subscribe to its dogmatic agenda.” (Kritik)
Die sterilen 4 erschießen auch keine Neger, sondern fangen sie persönlich ein und beraten sie danach seelsorgerisch. Zu Sex-Szenen kommt es bei den Mexikanern wegen Mundgeruchs nicht, die Polizisten sind ohnehin zu sehr mit Fernsehen, Beten und Heulen beschäftigt. Mütter sind in alttestamentarischer Weise nicht bei der geistigen Führung der Familie gefragt, ihre Aufgabe ist das Bejubeln ihrer verantwortungsvollen Ehemänner. Einer der 4, ein Neger, entwickelt eine ganz eigene Erotik, in dem er seiner Tochter im feinen Restaurant (die Mutter ist nicht anwesend) einen Ring ansteckt und sie dabei verpflichtet, seine totale Kontrolle ihres entstehenden Sex-Lebens zu akzeptieren: “A father giving his daughter a ring is weird enough. It kind of has an incestuous meaning behind it … until God shows us the man for you then you’re married to me, is basically the same perverted way of looking at it. You mean to tell me that if she gets engaged, she can’t replace it then? I’ve never understood that whole ‘no dating until the wedding ring’ deal that some Christians believe in, … Should or should not you date someone, THEN get engaged, THEN get married? It’s not meet and then marry … Who is the father (or parents for that matter) to decide who is right for their little girl? … Yes it’s one thing if he treats her like garbage. But I think the daughter, who spends much more time around the boy, knows him much better than a father would … No daughter I know would be that willing to agree to a deal like that.” (Kritik)
Der Film endet da, wohin er von Anfang an zielt: In einer Gemeindeversammlung und erweist sich mit persönlichem Bekenntnis als baptistisches Propagandawerk. Die vielverzweigte, calvinistisch inspirierte Sekte der Baptisten (griech. Täufer) verwirft ebenso wie die Adventisten die Kindertaufe und vollzieht sie durch Untertauchen nur an wirklich „wiedergeborenen“ Erwachsenen, weshalb sie sauberes Wasser brauchen. Das erweist sich bei den Minahasa als schwierig, da jene Flüsse zur Müllabfuhr benutzen. Auch würde es schon reichen, wenn sie sich die 10 Gebote an die Wand nagelten. „Die Baptisten, die ich bis jetzt kennengelernt habe, predigen strengste Abstinenz bis zur Ehe. In Konflikt mit staatlichen Schulen kommen sie damit zumindest in Mississippi nicht, denn Lehrerverbände und andere Schulinstitutionen sind so sehr durchsetzt und unterwandert von Religion, daß sie gar nicht auf die Idee kommen, so etwas wie Sexualkunde oder Drogenprävention zu lehren … Ich besuche seit ungefähr einem Jahr eine Baptistenkirche in Mississippi, wo wir 3 Mal die Woche Bibellesungen, Vorträge, Diskussionen etc. haben. Wenn dabei aber eins nicht vorhanden ist, dann ist dies Glaubensfreiheit. Es wird öffentlich gegen Muslime gehetzt (O-Ton: Jeder Muslim will uns nur töten), genauso wie gegen jede andere Religion. Dies ist auch nicht nur auf eine einzelne Kirche begrenzt. Jede Baptistengemeinde, die ich bis jetzt besucht habe, sieht Andersgläubige (Juden, Atheisten, Muslime) als minderwertige Menschen an, die sowieso nur in der Hölle landen und von denen sich jeder gute Christ fernhalten soll. Desweiteren wird die Bibel als wortwörtlich wahr betrachtet, was dazu führt, daß bestimmte Stellen als Aufforderung zur Missionierung, im schlimmsten Fall Ausschließung von Andersgläubigen verstanden werden.“ (Kritik)

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