Schädliche Hilfe

Hotel-Singapore

Peter Lattemann über Siegfried Kohlhammer „Auf Kosten der 3.Welt“ (Göttingen, 1993):

Ernnüchtern will Siegfried Kohlhammer alle, die glaubten, mit ihrer Arbeit und durch ihr Engagement einen Beitrag zum Abbau von Ungleichgewichten oder Ungerechtigkeiten im Nord-Süd-Verhältnis geleistet zu haben. Als „edle Seelen“ sind sie der „moralische(n) Einschüchterung“ erlegen, „die Bitt- und Forderungsgemeinschaft des Südens“ hat bei ihnen „Schuldgefühle erzeugt und dadurch Gelder lockergemacht“. Entwicklungshilfe also nur Marketing und Fund-raising, eine geschickte Werbeansprache für und durch die 3.Welt, vor allem durch Protagonisten wie z.B. Julius Nyerere, der die 3.Welt als „Opfer der Weltwirtschaft“ verkauft?
Der Autor will falsche Vorstellungen und Mythen, was die Opferrolle der 3.Welt betrifft, beseitigen. Seine These: Es gibt keine Ausbeutung! Die Produktion von Cashcrops, der Handel und das Sinken der terms of trade oder der Rohstoffpreise können nicht als ausreichende Belege dafür gelten. Armut, folgt man dem Autor, sei nur „Resultat unterschiedlicher historischer Entwicklung und Produktivität“. Natürlich bemerkt er Ungleichheiten, aber keine Ungerechtigkeiten.
…Man kann ihm zustimmen, wenn er die internen Strukturen der Länder in ihrer Bedeutung für die Misere herausstellt, z.B. die Verzerrungen von Produktionsbedingungen und Preisen durch politische Entscheidungen oder schlicht durch Korruption. Auch daß Nahrungsmittelkrisen weitgehend durch Distributions- und Kaufkraftprobleme verursacht seien, ist nachvollziehbar … Er geht weder mit den „Helfern“ noch mit den Entwicklungstheoretikern freundlich um.
Die Schwellenländer (wie Hongkong, Taiwan, Singapur) hätten gezeigt: Entwicklung ist machbar. Nur die „edlen Seelen“ orientierten sich nicht an diesen Ländern („bei gelungener Entwicklung entfällt der kulturelle Artenschutz“).
Zentrale Aussage seines Buches: „Die Fortführung entwicklungsfeindlicher Politik angesichts überwältigender Beweise für deren Schädlichkeit ist nicht auf Armut, Informationsmangel oder wohlmeinende ideologische Verbohrtheit zurückzuführen, sondern stellt eine wohlinformierte und überlegte, eine rationale und kompetente Politik der Verfolgung partikulärer Interessen dar“.
Entwicklungshilfe sei kontraproduktiv, da sie die Macht dieser Regierungen vermehre, zu Verteilungskämpfen führe und Energien vom ökonomischen Sektor abziehe. Sie habe einen zutiefst schädlichen Einfluß auf das Wirtschaftsleben Afrikas gehabt.
Er schlußfolgert, daß sich die Entwicklungsländer ändern müßten. Selbst am Dogma der gerechten Verteilung der Güter der Welt rüttelt er. …

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