Der ideale Arbeitnehmer

Mas-spritzt-Duenger

Der ideale Arbeitnehmer hat keine privaten Bedürfnisse. Er schläft irgendwo auf einer Pritsche. Verwandschaftliche Abhängigkeiten, die ihn strangulieren und auspressen, kennt er nicht. Eigentlich existiert er gar nicht als Persönlichkeit. Seinen geringen Lohn spart er, um irgendwann eine Familie gründen zu können. Ansonsten kann ihn nichts von der sorgfältigen Ausführung seiner Aufgaben ablenken – wie hier Mas, der gerade (ohne Maske) unsere Reisfelder düngt. Und wenn er nich Feierabend hat, arbeitet er immer noch …
So oder ähnlich dachte sich das Mad, unser Vorarbeiter, als er fragte, ob der Javaner Mas mit auf seinem/unserem Grundstück in der Hütte seines Schwiegervaters wohnen könne, der sich auch eingeschlichen hat und neuerdings unsere Papayas klaut. Mas wäre ein so fleißiger und genügsamer Arbeiter. Na gut, nur deuchtete mir, daß auch dieser junge Mann seine natürlichen Bedürfnisse habe, die schon irgendwann mal die Idylle beschädigen und Mads Begeisterung dämpfen würden. Das trat schneller als erwartet ein.
Edi, der sich inzwischen in den ewigen Zaubergründen befindet, hatte Mas zwar aufgenommen und geholfen, aber wie einen Sklaven ausgenutzt. Edis Söhne schnorrten nicht nur seinen Lohn, den er oft gar nicht oder nur unvollständig ausgezahlt bekam, sondern noch dessen Zigaretten und das bißchen Nudelsuppe, das er zu sich nahm, weil sie genau wußten, daß Mas sich nicht beschweren konnte. Dagegen fühlt er sich bei Mad zum 1.Mal gut behandelt. Seinen Lohn, der sich nun ansammelt, will er jedoch lieber nich zur Bank bringen, denn er besitzt kaum Papiere. Den Geburtsnachweis – wie alt er wirklich ist, weiß er nich – den er für die Beantragung eines Personalausweises benötigte, hat ein hiesiger Blockwart gegen unverschämt viel Geld gefälscht. Untereinander sind sie die schlimmsten Wölfe.
Doch nun zeigt sich, daß Mas verrückt nach Motorrädern ist. Ohne Papiere – Führerschein ist immer noch nicht vorhanden – kann er nur auf den Namen eines anderen kaufen, und wenn die Prüfer der Kredit-Vergabe feststellen, daß er irgendwo im Reisfeld in einer Bambushütte lebt, wird das nichts. Deshalb mußte Mad einspringen, der aber so dumm war, dem Verkäufer zu erzählen, daß er nur seinen Namen gäbe. Mit Ratenzahlung über 3 Jahre kostet 1 Motorrad das Doppelte, und was will Mas damit eigentlich, wenn er jeden Tag auf unseren Reisfeldern arbeitet? Mad ist jedenfalls schon sauer, und hat ihm vorgeschlagen, das Geld lieber erstmal auf das Bankkonto zu zahlen, das Mad noch besitzt.
„Wieviel ist denn da drauf?“ fragt meine Frau.
„100.000Rupiah (~8EUR)“, antwortet Mad.
Wenn die noch drauf sind!“
„Wieso?“
„Die Bank zieht jährlich (~70Cent) Kontoführungs-Gebühren ab.“
Das wußte Mad noch nicht. Er zahlt dort normalerweise nichts ein, sondern investiert lieber im Ziegen-Business – mit unserer Hilfe. Einige der günstig erstandenen Ziegen verkauft er gleich wieder, um seine Schulden bei uns teilweise zurückzuzahlen, und mit dem Nachwuchs wird er dann immer reicher – wenn nix dazwischenkommt.
Mas ist jedoch so verrückt nach Motorradfahren, daß er Epins gebrauchte Maschine zum Neupreis kaufte, die er 2 Jahre lang abzahlen sollte (Die Fahrzeug-Papiere behielt Epin.). Um sie in die Nähe seines Schlafplatzes zu bringen, mußte er sie durch den Bach des Canyons tragen, wo bei starken Regenfällen ein wilder Fluß rauscht. Da Epin jedoch auch keine Papiere besitzt, ist seine Tante Eigentümerin, die jedoch mit dem Verkauf nich einverstanden war. Also mußte Mas die Maschine zurückgeben, ohne den vollen Kaufpreis zurückzubekommen. Jetzt will er wieder ein neues Motorrad auf Kredit zum doppelten Preis kaufen, hat aba nich mehr genuch Geld. Deshalb wollte er den Rest von uns leihen. Wolln wa aba nich. Morgen wird Epin vielleicht seine Tante zum Neupreis verkaufen, und Mas wird auf ihr zwischen unseren Reisfeldern rumfahrn. Oda Epin, die Tante und Mas werden zu dritt auf 1 Motorrad mit einem LKW kollidieren, und Epin und die Tante werden tot sein, so daß Mas das Motorrad doch noch kaufen kann – wenn es nich auch tot iss. Perpetuum mobile.

3 Gedanken zu „Der ideale Arbeitnehmer

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