Zwischen Kreuz und Kris

Waruga-Schwiegervater-11.11

Dies ist das Grab meines Schwiegervaters Hendrik Pangemanan (1918-1993) auf dem alten Dorffriedhof. Wie sehr der Mann noch in der animistischen Tradition verwurzelt war, zeigt die Waruga-Form – hier nur in der Funktion als Grabstein, der von meiner Frau in Auftrag gegeben wurde.

Hendrik-Pangemanan

Ganz in der Nähe befindet sich das „Waruga“-Grab seines Freundes Petrus Rarung, der 1958 von Sukarnos Regierungstruppen ermordet wurde. Die Geschichte habe ich in „Unter Hundefressern – IV. Wie man das Fürchten lernt“ beschrieben, und ich nahm an, ich hätte sie hier schon veröffentlicht. Find ich aba nich (war wohl in diesem Chaotenladen „Yahoo 360“). Deshalb hole ich das im Anschluß an diesen Post nach.

Neben seinem „Porträt“, dessen einziger Wirklichkeitsbezug die Schulterklappen seiner Bürgermeister-Uniform sind, befinden sich auf dem Dach Kreuz und Kris in Reliefform. Den Kris hatte er immer dabei. Damit schabte er das Zauberpulver, das meine Frau, in ihrer Inkarnation als kleines Mädchen, von der Verstopfung heilte. Den Geschichten gelauscht, die meine Frau erzählte, und sie aufgeschrieben, hatte ich in D – als es noch keine Blogs gab. Weil ich gerade in meinem „Waldschrat“ das Jahr 1993 bearbeite, in dem Schwiegervater starb, wollte ich mir mal den aktuellen Zustand seines Grabes ansehen. Dabei zeigte mir meine Frau auch das Grab des ehemaligen Bürgermeisters aus der Zeit des Aufstandes gegen die Zentralregierung. So vernetzt sich alles, und die Kreise schließen sich – ganz ohne Google – ermöglicht durch die neuen Medien.

Petrus-Rarung

3 Gedanken zu „Zwischen Kreuz und Kris

  1. In dem Waruga relief-4.jpg …von Dir abgelichtet, werden die Toten sitztend – geknickt mit Schüssel unten & oben reingesetzt & zugemauert. Ist das richtig? Wie lange dauerte es den bis so ein Leichnam beerdigt wird, sind ja Christen & keine Moslems die innerhalb von 24 Std.unter die Erde gebracht werden sollen. Das muss ja schnell gehen, sonst ist der Leichnam doch kalt. Wie bringt man den Toten sitzend in so einen Sarkophag, wenn es von der Zeit her nicht klappt?

  2. Das Erstaunliche ist hier, daß man immer Antworten bekommt, obwohl keiner was weiß. In „Auf der Pirsch“ habe ich ja schon erwähnt, wie zumindest bis 2007 beklagt wird, wie wenig erforscht ist. Ich vermute, das ist eine Folge der Distanz, die die Minahasa vordergründig zwischen ihrem Animismus und ihrem zunehmend fanatischer vorgetragenen Christentum aufgebaut haben. Ich vermute auch, daß man einiges mehr in holländischer Sprache finden kann – was mir nicht zugänglich ist. Man könnte zwar eine Leiche nach der Phase der Totenstarre wieder falten, aber da man damals kein Formalin zur Verfügung hatte, mußten die Toten innerhalb von 24Std. bestattet werden – was bei den Moslems selbstverständlich ist. Das klappt immer, weil der Tod bis heute eine Emergency-Situation für’s ganze Dorf ist. Trotzdem bleibt ein Widerspruch, denn man kann ja einen Waruga nicht so schnell meißeln. Anscheinend wurden die Toten zuerst beerdigt, dann wieder ausgegraben und vielleicht nur die Knochen in den Waruga gepackt. So ergibt auch die Information Sinn, daß mehrere hineingetan wurden (Familiengrab). Dann stimmt aber die Relief-Darstellung in Sawangan nicht. Bei den Papuas gab es die Sitte, die Leiche hockend zusammenzubinden und zu trocknen. So kann man sie bei späteren Feiern auf einen Stuhl setzen. Gemauert wurde früher nicht, Behälter und Dach sind jeweils aus 1 Stück gemeißelt, das schwere Dach ist nur aufgesetzt. Wann der Waruga-Stil aufgegeben wurde, weiß ich auch nicht. Jedenfalls liegt mein Schwiegervater in christlicher Weise UNTER dem gemauerten „Stein“. Petrus Rarung sicher auch. Auf jeden Fall muß ich nochmal nach Sawangan.

  3. Pingback: Tod des Schwiegervaters | Memoiren eines Waldschrats

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