Mimbar-Mumpitz

Gebrauchsgut

Der Nachteil iss, wenn man sich einen Retro-TV gekauft hat, weil er so geil aussieht, daß man dann den ganzen Müll der Außenwelt ins Haus kricht, denn inzwischen hab ich auch eine Yogi-Antenne installiert. Mein Sohn hat mir in einem Email-Fernlehrgang dabei geholfen, wobei er behauptete, das sei eine Yagi-Antenne. Meine nich!
Und so kam ich neulich in die unangenehme Situation, das Angebot eines örtlichen Senders zu empfangen, der anscheinend von Katholiken unter- oder überwandert iss. Zuerst sangen 5 Frauen von der nördlichen Insel Sangihe ein Lied über Gott. Ich habe noch die Zeit erlebt, wo man hier auch Lieder weltlichen Inhalts sang, doch kam das im Zuge der christlichen Gleichschaltung weitgehend abhanden. 4 der Frauen sahen sich dabei ziemlich ähnlich, was man nich nur als Phänomen auf den Außen-Inseln beobachten kann. Während sie sangen, tauchte immer wieder ein transparenter mitteleuropäischer Jesus auf, der sich aba – anders als der nach dem Lied – nich bewegte. Als das Lied ausgesungen war, trat Jesus wirklich auf. Es handelte sich um den tonlosen Ausschnitt eines Spielfilms, und so weiß ich nich, was er gesacht hat (wahrscheinlich auf englisch; der kann ja alle Sprachen). Das war jedoch noch nich das Schlimmste, denn als Jesus fertich war, begann eine Talkshow zum Thema der katholischen Exorzismus-Praxis, geleitet von einem dicken Mann, der so seriös wie ein Gebrauchtwagen-Händler wirkte. Zusammen mit einem schokoladenbraunen, negroiden Priester in weiß-schwuchtelicher Robe. Das Thema iss hier besonders wichtich, weil immer wieder junge Mädchen vom Teufel befallen werden und dabei – nach Zeugenaussagen – u.a. Reißzähne zeigen. Die seh ich zwar auch ohne Befall in manchem Gebiß – na ja, die Wilden sind halt noch mehr oder weniger naturnah – aba meine Schwiegermutter hatte keine! Jedenfalls begannen die 2 Talker die Show mit einem Gebet. Auch das eine Folge der totalen Erfassung des öffentlichen und privaten Lebens durch das Christentum. Es läuft nix mehr ohne Gebet. Daraus zu folgern, dies wäre eine von entwickelter Ethik geprägte Gesellschaft, führt direkt in die Hölle, denn jeder Kriminelle tarnt sich hier mit demonstrativ vorgetragener Religiosität. Deshalb gibt es auch einen Markt für den Kram, den man dazu braucht. Der Supermarkt für „christliches Wachstum“ bietet u.a. verschiedene Kanzel- und Redepultmodelle (mimbar) an, die man tatsächlich auf privaten Veranden zur Straße gerichtet stehen sieht: Das multifunktionale „Salvation“ läßt sich auch für Siegerehrungen verwenden (z.B. nach christlichem Wettlauf), das klotzige „Majesty“ und das dynamische „Victorious“ überzeugen durch Einheit von Form und Inhalt. Dagegen iss mir das Modell „Devotion“ nich ausdrucksstark genuch. Hier mein alternativer Vorschlag:

wahre-Ergebenheit

5 Gedanken zu „Mimbar-Mumpitz

  1. Bei der Mimbar 2 ist das Kreuz frömmelnd & der Prediger kann die Bibel nicht niederlegen. Die “ Offering Box “ würde ich als Prediger sympathischer finden!

  2. Stimmt! Das hab ich nich bedacht. Aba da man jetz Beamer in den Kirchen benutzt, könnte man 1 Touch-Screen in die Fläche einbauen und brauch keine Bibel mehr. Außerdem kann man mit meinem Modell nich mehr so leicht nach vorn von der Kanzel fallen.

  3. Ach, „charismatisch“ heisst dieser neue internationale Wahnsinn? Na, wolln ma sehn, wie ihn später die Historiker einstufen.

  4. Charismatisch, werden sie diese Psychopathologie einstufen. Nein, Historiker sind besser sie greifen auf Millionen von Jahren vor dieser Zeit zurück. So wird es bleiben, die Geschichte spiegelt die Zukunft. – Mimbar Victorious – klingt wie „Heil dir, Caesar, die Todgeweihten begrüßen dich!“

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