Friedhofs-Kunst

Das künstlerisch Anregende der Waruga hatte ich schon bei meinem 1.Besuch in Nordsulawesi in den 80ern gesehen, und in meinem 1.Ölgemälde der Indonesien-Phase wagte ich mich tastend an das Motiv eines der Steine. Warum zündet das hier nich? Die Antwort darauf iss relativ einfach: Die Wilden haben kindliche Angst vor allem, was mit Tod zusammenhängt. Daran hat auch das Christentum nix geändert. Und frag mal in D rum, wieviele Leute sich einen Grabstein überm Sofa wünschen. Hielt mich jedoch nich davon ab, es trotzdem zu malen. Selbst als ich es kurz vor meiner Abdampfung noch übermalte und u.a. 1 Ikea- und 1 richtigen Tiger dazufügte, wollte es keiner kaufen. Ich hab es dann entweder verbrannt oder verschenkt. Weiß nich mal mehr an wen. Und ich besitze nur noch diese jämmerlichen Abbildungen.

Ja, und dann war da dieses Waruga-Promotion-Festival. Das Übliche: 1 Std. beten, dann bisken singen und rumtanzen, nochmal beten, und wenn man Glück hat, gips zwischen 14 und 15Uhr magenverätzendes Mittagessen. Laut Programm-Heft verlief das Ende der Veranstaltung so: Der Pope segnete die Gemeinde, denn es war nichts anderes als ein protestantischer Gottesdienst mit Show- und Dialekt-Einlagen, und die Gemeinde antwortete „Amin… Amin… Amin… Amin… Amin…“. Keine Spur von irgendeinem christlichen Bezug in der Waruga-Kunst, doch bastelt die Propaganda-Maschinerie den alten „opo“ einfach zu „Yesus Kristus“ um. So lähmen sie sich selbst mit ihrem fanatischen, langweiligen Christentum, stellen ihre christlichen Monstersymbole auf und glauben, alle kämen angefahren, um sich den Kitsch reinzuziehen. Eigentlich sind sie ständig nur mit sich selbst und ihrem Vergnügen an Krach und Überbevölkerung beschäftigt, völlig unfähig zu erkennen, was Touristen suchen. Und deshalb läuft es nich so richtig mit dem Tourismus. Ich war der einzige Weiße dort und kein Tourist. Wahrscheinlich ist das ganze Dorf Sawangan christlich, und Moslems werden gar nicht erst reingelassen. Dabei sind die Minahasa empört, wenn die Moslems auf Java genauso vorgehen.

mit-Kreuz

So verduftete ich schon, bevor es überhaupt losging – nicht ohne noch einen Blick auf einige „Souvenir“-Stände zu werfen: Da gab es ein Zelt mit einer doppelbett-großen Nachbildung des ganzen Waruga-Parks, fein umzäunt mit Kaninchendraht und einzelnen, etwas über handphone-großen Nachbildungen der 144 Steine. Konnte man die noch handlichen Dinger vielleicht kaufen?
„Nur als Set!“
„Die ganze Anlage? Wer kauft denn SOWAS?“
„Vielleicht Hotels?“
Die junge Frau machte den Eindruck, als ob sie noch nie eins betreten hatte. Dies drollige Konglomerat ließe sich allenfalls in lutsch- und beißfester Plastik-Ausführung an Kindergärten verscherbeln.
„Da drüben gibt’s sie auch einzeln“, half die Frau mir weiter.
DONNERWETTER! Tatsächlich! Da standen und saßen sie rum, in verschiedenen Größen, Nachbildungen der Grabsteine und deren Dekorfiguren, mit Deckeln versehene Waruga-Kistchen, in denen man sein Gebiß aufbewahren könnte – und Schlüsselanhänger. Doch 3, ~40cm hohe Sitzfiguren, 40EUR/Stck, hatten es mir angetan, und sie befinden sich jetzt im Lorong Jerman. Ob der Künstler mir auch größere anfertigen könne? Könne er. Für Geld machen die Wilden alles.
Das riecht nach einem „Waruga-Projekt“ – ein weiterer Plan, der aus Altersgründen und purer Faulheit wahrscheinlich nicht verwirklicht wird. Ersma ne Weile setzen lassen.

sitzend

Ein Gedanke zu „Friedhofs-Kunst

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