Auf der Pirsch

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Iss ja nich leicht, hier was zu finden – ich meine, kulturell! Müll gips haufenweise, doch seit die Minahasa von ihren Schlafplattformen heruntergestiegen sind und den Animismus gegen die Rationalität des Glaubens an 1 alten Mann, dessen vorbestraften Sohn und 1 Taube eingetauscht ham, ging das bißchen Kultur, das hier mal existiert haben soll, den Tondano-Fluß runter – zusammen mit den 1-Weg-Plastik-Trinkbechern (weswegen spätere Archäologen unsere Zeit als die Plastikzeit einstufen werden). Zumal die Missionare kein Geschäft mit Artefakten wie bei den Papuas machen konnten, wo sie durchaus einige Augen zudrücken, weil Geld zwar stinkt aba nich heidnisch iss.
Die Landschaft wirkt imma noch bezaubernd, wurde von den Wilden jedoch nich erfunden sondern nur umgestaltet, weswegen sie sich schon so weitgehend verändert hat, daß man nich imma weiß, wo auf der Welt man sich gerade befindet – wenn der charakteristische Krach nich wär. Blieb noch das international geschätzte Tauchgebiet in der Bucht vor Manado. Ich sehe mich gezwungen, hier die Vergangenheitsform zu wählen, denn der Müll Manados muß ja irgendwo hinschwimmen – bevor er taucht. Und deshalb mehren sich die Stimmen, die proklamieren: Da fahre ich nich nochma hin! Ferner gips die japanischen Höhlen – ich bemerkte auf der Fahrt zum „Waruga-Festival“ wieder einige, die völlig verwahrlost wirken, obwohl sie Potential zur Touristen-Attraktion hätten. Aber vielleicht geht wegen der Erdbeben keiner gerne rein. Bleiben nur noch die Waruga. Aus Anlaß des 800. Jahrestags des Dorfes Sawangan, wo sich die größte Deponie dieser Grabsteine befindet, besuchte ich das „Festival“. Auf Besichtigungs-Tour zwischen den Steinen begrüßte mich sogar wieder der Oberstleutnant, der ähnliches von seiner Heimat Sumatra kennen müßte.

Waruga-Relief-1

Besonders schlimm wird es, wenn der Minahasa etwas behübschen will. Der rechts und links mit Mauern begrenzte Weg zu den Steinen zeigt Reliefs, die Herstellung und Gebrauch der Behälter demonstrieren. Während man dafür auf Bali kunstvoll gemeißelte Sand- oder Vulkanstein-Platten herstellen würde, zeugen hier Zement-Panschereien vom begrenzten künstlerischen Engagement. An eingen Stellen wurde geflickt, dort mehr Wasser benutzt, und zwischendurch war auch mal Feierabend.

Waruga-Relief-2

Das tonnenschwere, massive Steindach und den änhnlich schweren Kasten so zu tragen und dabei noch zu fischen, soll wohl die magischen Kräfte der Vorfahren symbolisieren. Davon iss nix geblieben, sondern die Wilden brauchen heutzutage mindestens das 3fache an Personal – verglichen mit mitteleuropäischen Gebräuchen.

Waruga-Relief-3

Interessant das Holzhaus mit Weichdach, das aber schon europäisch beeinflußt ist, denn die Ur-Häuser hatten deutlich andere Proportionen, wie man auf der folgenden Skizze sehen kann. Und genau daher scheint die Dachform der Deckel zu stammen. Der Mann bereitet vielleicht Grabbeigaben vor.

Tondano-Haeuser

In dieser Weise wurden die Toten hockend bestattet, vielleicht entwickelt als einzig beständiger Schutz gegen Tiere und andere Umwelteinflüsse – was Ameisen übahaupt nich beeindruckt. Man sollte nun meinen, das sei alles gründlich erforscht und publiziert. Pustekuchen! „Yang belum mendapat penelitian adalah budaya peti kubur batu Waruga …“, schrieb Jessy Wenas noch 2007 („Sejarah & Kebudayaan Minahasa”), und wenn man mit einer verheiratet iss, weiß man latürnich gleich, daß jenes bedeutet, daß man so gut wie nix weiß. Sogar ausbuddeln mußte man manche dieser praktischen Särge. Auch über die Ursprungszeit gips verschiedene Angaben. Der älteste Waruga stammt angeblich aus dem 13./14.Jahrhundert.

Waruga-Relief-4

5 Gedanken zu „Auf der Pirsch

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