Thierse im Niemandsland

Thierse war hier, begleitet von 7 Vertretern aus SPD, CDU, FDP und Deutscher Botschaft Jakarta („Alle sehr religiös!“). Noch nicht mal am Flughafen zum Empfang anwesend – unsere Regierung. Der Gouverneur hatte das Treffen kurzfristig abgesagt („Heidrun, was machen wir denn nun?“). Doch was wartete dort am Ausgang? Fähnchen-schwingende Schüler mit „Wir lieben Deutsch“-Tshirts? Was für ein herziger Empfang! Thierse war begeistert. So deutschfreundlich die Menschen hier! Das hatte er auf Java nicht erlebt.
Wie mir aus sehr gut unterrichteten Kreisen erzählt wurde – und ich habe lange nicht mehr so viel gelacht – bestand die kleine Empfangsgruppe aus Teilnehmern des Deutschwttbewerb und war in bester DDR-Manier völlig privat aufgestellt worden. Dagegen hatte die Deutsche Botschaft – der Informationsdienst für Deutsche im Lande scheint inzwischen endgültig verendet zu sein – ALLES organisiert, auch einen Bus mit dem kaputtesten knalpot Nordsulawesis. Thierse fand ihn ZU LAUT! Dann tauchte sogar 1 Männlein der Regierung auf und bat die Gruppe in eine nahegelegene Empfangshalle, wobei unklar blieb, WIE nah. 50m, 100m? Zu Fuß in DER Hitze? Also fuhr man mit dem kaputten Bus hin. Dort wurde die Gruppe zwar militärisch gegrüßt, aber von Beamten, die nicht wußten, was sie mit der Delegation anfangen sollten. So fuhr man schließlich ins Hotel.

Doch die katholische Gemeinde Manados war bereit: Ein glänzender Empfang in der mit Schülern voll besetzten Aula eines katholischen Gymnasiums und ein riesiges Begrüßungs-Transparent (s. arsip „Manado Post“ vom 15. Oktober, S.9). Nur der Bischof war nicht da. Dafür wurde die deutsche Gruppe vom Direktor des Gymnasiums, Herrn Drs. Robot empfangen. Ansonsten lief das Programm ab, was ich auch schon während des „Deutschwttbewerb“ erlitten hatte: Nach soo viel Jahren endlich mal wieder „Sääämann, Deine Heimat ist das Määr“ zu hören, wie schön war das für die Delegierten, und der Schnaps schmeckte auch sehr gut.
Dann tauchte ein Fahrzeug des Gouverneurs auf, begleitet von Polizei-Motorrad-Eskorte – und es kam zu einer sehr gespannten Situation: Ein Beamter forderte, die Gruppe umgehend zum Gouverneur zu bringen. Thierse dagegen, der als schwierig und unflexibel gilt – wobei letzteres im Vergleich mit der Gummi-Gesellschaft Indonesiens eher auf Charakterstärke schließen läßt – Thierse also war sauer und weigerte sich die aufwendige Veranstaltung der in Indonesien bedeutungslosen Katholiken, dieser Minderheit (~3%) in der Minderheit der Christen, zu verlassen. Später fuhr man im Bus sogar an der Residenz des Gouverneurs vorbei, doch – obwohl sich jener den ganzen nächsten Tag um ein Treffen bemühte – wollte Thierse nicht mal mehr dessen Namen erwähnt hören. Früher 1 Kriegsgrund, und man hätte mich bis zum Eintreffen der Kanonenboote interniert, oder ich wäre sogar wie Max Dauthendey in der Haft gestorben. Jedenfalls haben als politisches Ergebnis des Besuchs die Deutsch-Sulawesischen-Beziehungen einen historischen Tiefpunkt erreicht.
Thierse war jedoch bei den Katholiken so glücklich, daß er sogar das vereinbarte Treffen mit der Moslem-Partei (86,1% Moslems von 237,6Millonen Indonesiern) ausfallen ließ. Dabei schwitzte der unsportliche Mann so stark, daß zeitweise ensthafte Befürchtungen um seinen Gesundheitszustand aufkamen.

Thierse und die Delegation wissen nun über Nordsulawesi, daß die Menschen dort nicht nur besonders freundlich sondern besonders deutschfreundlich sind, es so viele hübsche Kirchen gibt (Ein durchreisender Engländer hat mit seiner Tochter kürzlich die Kirchen und die Hunde um die Wette gezählt. Die Tochter hat mit den Hunden gewonnen.), überhaupt ist Manado eine ordentliche Stadt, und auch in Katrins Resort hat es ihnen so gut gefallen, daß sie gern noch länger geblieben wären. Nur die Regierung taugt nichts, und die Batik-Hemden kleben am Körper.
Und ich habe jetzt den Begriff „Potemkinsches Dorf“ für 0-Erkenntnis durch „Thierse-Syndrom“ appgedätet.
Zum Glück war alles nicht so schlimm wie 1966 bei den Beatles in Manila.

10 Gedanken zu „Thierse im Niemandsland

  1. Der Thierse ist dick geworden?? Weiß nur, dass der früher einen Bart hatte. Aber ich glaub, der is ab. oder??

    Auch der Seitenhintegrund wirkt bedrohlich. Was sind denn das für Viren??

    Mobnas Mitra Paling Mewah????

  2. Dick mit Bart.
    Der Hintergrund gefällt mir auch noch nich. Ich arbeite dran.
    Du musst im epaper Manado Post erst rechts oben im Archiv = arsip die Ausgabe vom 15. anklicken, dann auf Seite 9.

  3. Ich habe „dick“ durch „unsportlich“ ersetzt. Der neue Bart soll sein Gesicht wahrscheinlich schlanker wirken lassen.

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