Thierse & die Armee kommen!

Eugenio-Castillo

5. Oktober, „Tag der Armee“. 1000 Soldaten schwärmen in unserem Dorf aus und bauen Straßen, Latrinen und Betonfußböden in den Hütten der Armen. Unser Vorarbeiter besitzt schon einen, weil er das einmalige Glück hatte, mich kennenzulernen. Der Kommandant der Region nimmt die Gelegenheit wahr, die Ausländer aufzusuchen, die er nicht nur schützen sondern auch überwachen muß. Zwar behauptet er, er hätte mich vorladen können, aber er will die Leute lieber in ihrem privaten Umfeld treffen. Tatsächlich habe ich mit der Armee und deren Erkennungsdienst überhaupt nix zu tun. Zuständig ist für mich die Imigrasi, und wenn ich wieder was anstelle, die Polizei. Doch dauert es wohl noch etwas, bis die Exekutive ihre Rollenverteilung in der neuen Demokratie begriffen hat. Unter Suharto zog das Militär an allen Fäden, und ein Polizist hätte sich nicht so ohne weiteres an einen Soldaten herangewagt. Immerhin haben schon die öffentlich ausgetragenen Schlachten zwischen Polizei und Militär aufgehört.

Zuerst erscheint der Adjudant (in Dschungeltarn), der dann telefonisch den befehlshabenden Oberstleutnant herandirigiert. Das macht mich gleich sauer, denn ich habe niemanden eingeladen und bin mitten dabei, eine Innenwand zu verglasen. Diese Arbeit beende ich auch und gehe dann so verschwitzt und dreckig wie ich bin raus zur pendopo.
Dort sitzt bereits ein freundlicher Offizier mittleren Alters in Dschungeltarn und Kampfstiefeln (ohne Rangabzeichen, Pistole und Stock) im Gespräch mit meiner Frau. Er ist Bataker aus Sumatra und hat seinen Dienst schon auf verschiedenen Inseln geleistet. So weiß er, daß die Bewohner Ostindonesiens einen besonderen karakter haben, der deutlich von dem der restlichen Indonesiern abweicht. Deshalb warnt er mich, nach 23Uhr noch rauszugehen und schon gar nicht allein. Wenn er schlafen wolle, und jemand mache Krach, schicke er 3 im Nahkampf erfahrene Soldaten um das Fest zu beenden. Das Gehirn der Leute funktioniere einfach nicht mehr, wenn sie besoffen sind. Aber er sei eben Teil des aparat, deshalb könne er sich wehren. Außerdem würde er immer wieder versetzt und passe sich für die kurze Zeit einfach den Gegebenheiten an – was er auch mir empfiehlt, denn natürlich hat er schon von meinen Widerstands-Aktionen erfahren. Ich wäre zwar groß, aber diese Burschen greifen meist zu mehreren an, und was hätte ich gewonnen, wenn ich dabei umkäme? Kommunikation, das Gespräch solle ich suchen, mich nicht ausschließen sondern teilnehmen. Die Gemeinschaft – ja natürlich, das ewig und überall nicht funktionierende indonesische Allheilmittel. Einer unser sehr gemeinschaftsbewußten Nachbarn saß gerade 1 Woche hinter Gittern, weil er einen blutiggeschlagen hat.
Ich deute dem Offizier kurz an, daß ich genau das anfangs probiert habe, und wieviel ich für das Dorf bereits geleistet hätte. Doch was leisten die Dorfbewohner für mich?
„Sie schlagen Sie“, antwortet der Adjudant.
Das wäre keine Gemeinschaft, erkläre ich, das sei Gruppen-Egoismus, wenn z.B. 10 Besoffene noch nach 24Uhr das ganze Dorf mit Musik-Lärm versorgen, und die Betroffenen beklagen sich nur bei uns.
Es sei wirklich schwierig, stimmt mir der Oberstleutnant zu.

Um ihrer Wettleidenschaft zu frönen, haben sich die Wilden was Neues ausgedacht, denn Hahnenkampf und Motorradrennen auf öffentlichen Straßen sind streng verboten: Sie setzen ihr Geld nun u.a. auf um die Wette rennende Kinder.
Soll ich da vielleicht mitmachen?

Das mit dem Vizekanzler war wieder so eine typische Latrinen-Parole, aber Vize stimmte: Wolfgang Thierse, angeblich stellvertretender Präsident des Bundestages, kommt nächste Woche nach Manado und will unbedingt den Bischof sprechen. Wieso? Stimmt was nicht, Wolfgang? Der Trouble ist weiter östlich auf Ambon (Das kommt davon, wenn man meinen Blog nich liest!). Vielleicht hat ihn ja sein katholisches Zentralkomitee geschickt, um die Christen zu retten – wenn es mit den Grundwerten „für eine gerechte Weltordnung“ so pauschal nicht vorangeht. Da keiner weiß, was Wolfgang hier hertreibt, wurde schon der Verdacht aus sehr gut unterrichteten Kreisen laut, er sei der Empfehlung einiger Bundestagsabgeordneter gefolgt und wolle gut getarnten Urlaub auf Staatskosten in einem nahegelegenen Resort machen. Allerdings sind mit An- und Abreise dafür nur 3 Tage geplant. Deshalb halte ich es für wahrscheinlicher, daß Wolfgang mit seinen 20 Begleitern unterwegs iss, um die Welt zu retten.

Screenshot aus „Tropico 4″

5 Gedanken zu „Thierse & die Armee kommen!

  1. scheint sehr interessant zu sein, Dein Blog, muss ich mir mal abbonnieren, damit ich immer was neu ist, direkt bekomme.
    hab ich jetzt auch gemacht. Nein ich bin keine Polizeibeamtin, Beamtin bin ich wohl, aber nicht bei der Polizei, das hab ich geschrieben
    um ihn, den Verfolger zu ärgern. ich weiß dass er alles durchklickt was er finden kann
    nur eins, ich hab Probleme weiß auf Schwarz zu lesen

  2. Pingback: Sozialisasi « Flaschenpost

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