Virtuelle Wirklichkeit

Tropico-4

„Ich hatte keine 3000 Paar Schuhe. Ich hatte 1060.“ Imelda Marcos
„Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus. – Im Kommunismus ist es genau umgekehrt.“ John Kenneth Galbraith (Zitate aus „Tropico“)

Gießt es Güsse, wimmelt der Schimmel, filzt der Hautpilz, dann isses Zeit „Tropico“ zu spielen bis die Festplatte glüht. Ich baue und gestalte ja gern, und in „Tropico“ kann ich das in einem größeren Umfange als hier in meiner Freiluftsauna. Besonders interessant finde ich an dem Spiel, daß es so realistisch iss, und der junge Mensch kann dabei lernen, was die Welt – nicht nur in den Tropen – wirklich bewegt: Geld. Natürlich cheate ich immer um genuch zu haben („muchopesos“). Dann kann man zum Bleistift überall Pflanzen pflanzen, was eine meiner Liblingsbeschäftigungen iss. Viel zu kucken gips auch im Bordellwesen, was ja nicht nur zur touristischen Infrastruktur gehört (Sogar einen Popen hab ich schon mal drin erwischt!). Man kann die einzelnen Nutten anklicken, um zu hören, was sie auf dem Herzen haben.
Insofern löste die Veröffentlichung von „Tropico 2″ bei mir noch mehr Begeisterung aus, denn es iss ein Spiel für Südsee-Piraten, was das Bordell- und Saufwesen noch bedeutsamer werden ließ. Sehr entäuschend war aber dann doch, daß sich die Keilereien nur auf Listen abspielten. Da vermißte ich die knackigen Seeschlachten anderer Spiele. Das war also keine überzeugende Fortentwicklung der Idee.
Dann folgte „Tropico 3″ mit verbesserter Optik, ohne besonders weiterführende Features als das ursprüngliche Spiel. Und das Nachtleben war weitgehend bereinigt. Nanu! Da machte sich schnell Langeweile breit.
Und was sollte da „Tropico 4″ noch bringen? Wirbelstürme und JESUS!
Iss das Zeitgeist? Zwar jubelt Pfarrer Esteban immer, wenn ich die erste Kneipe auf der Insel „Santa Teresa“ baue. Und wenn ich die Kirche fertich hab, muß er da rausgeholt werden. Und die Umweltschützerin Sunny Flowers fordert mich erst auf, eine Mülldeponie zu errichten (die richtich giftich-grün dampft) und wird dann hysterisch, weil ich sie auf ihrer „Lieblingswiese“ gebaut hab (ganz egal, wo). Dann jammert sie, daß dabei ein „süßes Häschen“ umkam: „Klopfer, ich vermisse dich so!“
Auch diese Version iss also durchaus wirklichkeitsnah, sogar überwirklich minahasa-artich, weshalb ich das ja nich auch noch spielen muß. Genau wie hier hat der Pope die Vision (Nach dem Barbesuch? „Gott hat zu mir gesprochen, mein Sohn!“) eine „große Statue von Jesus Christus“ zu errichten, die „Tropico zu einer beliebten Pilgerstätte für alle (sic!) religiösen Menschen“ werden ließe. Aba wände ma präzise reinklickst, kannste feststellen, daß der junge Bischof Nacho Duranda (23) nich nur mit Eva Duranda (20) zusammenwohnt, sondern jene iss auch Mutter! Und Nacho iss optisch eindeutig katholisch. So realistisch iss das Spiel.
Ich wollte „Santa Teresa“ gern mit diesen Monsterstatuen vollmüllen, aba das geht leida nur 1x. Dafür kann man jede Menge Kirchen bauen. Fühlt man sich doch gleich wie zu Hause. Zum Trost arbeiten im Cabaret wenigstens einige Showgirls wie Aurora Ortiz, die angeblich 47 (???) iss und in einer Baracke wohnt. Im Gegensatz zu ihrem Outfit wirkt ihre Gedankenwelt sehr keusch: „Der Priester sagt, tägliche Gebete erlösen mich von meinen Sünden.“

Aurora-&-Priester

3 Gedanken zu „Virtuelle Wirklichkeit

  1. ja, ich denk auch, dass jeder das Spiel bevorzugt, worin er bzw sie sich wiederfindet. Tropico hatte ich auch mal auf der Festplatte. Zurzeit beschäftige ich mich aber fast nur noch mit World of Warcraft. Das mag vielerlei Gründe haben, aber eigentlich gefällts mir. Grafisch wie auch vom Storyboard. (H)

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