The Tree of Life

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… ist ein Film, den ich für das rafinierteste christliche Propagandawerk halte, das ich bisher gesehen habe. Ich bin dafür deshalb sensibilisiert, weil ich ständig deren gröbsten Formen ausgesetzt bin, so daß mich die aktuellen Attentate moslemischer Fanatiker auf indonesische Kirchen nicht überraschen.
Daß Brad Pitt jeden Mist mitmacht, ist bekannt, schade finde ich, wie sich auch Sean Penn für diesen seifig aufgeblasenen Mystizismus hergegeben hat, in dem er nur als weitgehend sprachloses Stand-in fungiert.
Anfangs fragte ich mich, wann der Film losgeht, gegen Ende, ob er bald aufhöre, im mittleren Teil, ob man wiklich so offensichtlich Kubrick und andere kopieren kann, bzw. ob der Regisseur eigentlich für „National Geographic" produzieren wollte. Erstaunlich, wie stereotyp-kataloghaft inzwischen schon das mediale Zelebrieren von Naturschönheit geworden ist.
Wesentliche Teile der Story blieben mir rätselhaft. Eltern scheinen flüsternd um die Bewältigung des Todes eines ihrer 3 Kinder zu ringen, und als Gott dabei zu Hilfe kommt, wird die Tendenz klar. Ich brauchte 2 Tage um zu begreifen, wer wobei gestorben war. Der Pope weiß das anscheinend auch nich so genau.
Father Haynes: „He is in God’s hands, now."
Mrs. O’Brien: „He was in God’s hands the whole time. Wasn’t he?"
Immerhin spielt die Evolution im Film eine große ästhetische Rolle, so daß man es hier mit einer bemerkenswert subtilen christlichen Gehirnwäsche zu tun hat. Nachdem die Story anfangs und auch besonders im Endteil in weichgezeichnetem Zeitlupen-Ballett untergeht, fängt sie zwischendurch doch an, die pubertären Entwicklungsprobleme eines Kindes als Thema zu verfestigen. Diese werden mit der Harmoniebedürftigkeit Walt Disneys wie und auch tatsächlich durch Schleier gefilmt, was den Film durchaus für Sechsjährige zugänglich macht, die sich allerdings fürchterlich langweilen würden. Klinisch reiner bis zur Sterilität läßt sich das Leben einer texanischen Familie in den 50er Jahren filmisch nicht mehr darbieten. Konsequenterweise hätte man es gleich als Ballett versuchen sollen.
Mrs. O’Brien: [voice over] „The nuns taught us that no one who loves the way of grace ever comes to a bad end."
Dieser Film schon. Ein Produkt amerikanischen Zeitgeists?

2 Gedanken zu „The Tree of Life

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