3. & 4. Gebot der Entwicklungspolitik

sehr-freie-Tankstelle

3. Gebot:
Baue die Subventionen ab und höre auf, die Bauern dadurch zu bestrafen, daß Du die Städter bevorzugst. Hohe Nahrungsmittelpreise sind der einzige Anreiz für Produktionssteigerungen. Wenn es deshalb Unruhen gibt, leg Dein Amt nieder, denn dann hast Du versagt. Das Volk ist nicht zu Opfern bereit, wenn es glaubt, daß es sie allein leisten muß und die Regierenden sich darum drücken.

Normalbezin wird subventioniert, Super ist doppelt so teuer. Da es immer mehr Autos gibt, wird dadurch die Staatskasse immer stärker belastet. Deshalb appelliert die Regierung an die Besitzer der größeren Wagen (Beamte, Dienstwagen), Super zu tanken, was diese Wagen eigentlich brauchen. Das bewirkt jedoch nichts, und eine Streichung der Subvention droht Inflation und Revolten anzuheizen. Gleichzeitig verknappt sich das Normalbenzin auf rätselhafte Weise, und es entstehen überall „freie" Tankstellen (s.o.), die nicht an den festgesetzen Preis gebunden sind und kleine Mengen in Cola-Flaschen teurer verkaufen als die regulären. Der Vorteil liegt für die Auto- und hauptsächlich für Motorradbesitzer allenfalls in geringer Wartezeit, denn an den offiziellen Tankstellen kommt es neuerdings zu stundenlangem Warten auf den nächsten Tankwagen. Dabei stauen sich die Fahrzeuge in die Straßen zurück, und der Verkehr bricht zusammen. Die Tankstellen-Besitzer behaupten, sie bekämen zu wenig Benzin von der Regierung, die Regierung behauptet, die gleiche Menge würde geliefert, aber von den Tankstellen an die „Freien" weiterverkauft, was eigentlich verboten ist. Das ergibt alles nur Sinn, wenn geheime Geldströme von den „Freien" an die Tankstellen fließen. Damit erklärt sich in Indonesien ALLES.

Tankwart Imelda

4. Gebot:
Verzichte auf die Kontrolle des Staates zugunsten wirtschaftlicher Freizügigkeit. Vertraue auf Dein Volk. Wenn es seine Fesseln los ist, wird es die Ärmel hochkrempeln und produzieren. Eine lebendige und produktive Bevölkerung setzt Entwicklung in Gang.

Staatliche Kontrolle industrieller Produktion ist notwendig. Die Tempe/Tahu-Fabrik eines javanischen Paars in Airmadidi produziert stinkende Abwässer, die ungeregelt abgeleitet werden. Ein Anlieger regt sich darüber auf und macht extremen Krawall. Das unsichere Paar begreift viel zu spät, daß der Mann verrückt ist. Zwar hat er in der Sache recht, man tritt aber nicht mit einer umgehängten Ausrüstung von mehreren Hieb- und Stichwaffen auf. Daraufhin verlangt die örtliche Lingkungan Hidup-Behörde (Umweltschutz) den Bau eines Klärsystems. Wenn solche Vorgänge den Vorschriften entsprechend abgeschlossen sind, erscheinen die Behörden-Vertreter zur Endabnahme. Meist als auffällig große Gruppe. Obwohl sich die Beamten am gleichen Ort befinden, verlangen sie, daß Essen und Couverts mit Geld, gestaffelt nach Rang, für jeden vorbereitet werden. Für dieses mafiose Standardverhalten interessiert sich inzwischen zunehmend die Presse, die für viele die einzige Möglichkeit des Widerstands gegen die korrupte Beamtenschaft ist. Deren erpresserische Forderungen können so ruinös für Unternehmer sein, daß sie aufgeben. Weil das javanische Paar diesen Vorgängen völlig hilflos gegenübersteht, wendet es sich immer wieder ratsuchend an meine Frau.

4 Gedanken zu „3. & 4. Gebot der Entwicklungspolitik

  1. 4. Gebot: Verzichte auf die Kontrolle des Staates zugunsten wirtschaftlicher Freizügigkeit. Vertraue auf Dein Volk. Wenn es seine Fesseln los ist, wird es die Ärmel hochkrempeln und produzieren. Eine lebendige und produktive Bevölkerung setzt Entwicklung in Gang.
    3. Gebot: Das Volk ist nicht zu Opfern bereit, wenn es glaubt, daß es sie allein leisten muß und die Regierenden sich darum drücken.
    Glaubst Du an wirtschaftlicher Freizügigkeit, oder das das Volk zu Opfern bereit ist?

  2. Nachdem die Monopole des Suharto-Clans wegfielen und die Regionen stärkere Autonomie bekamen, zeigte sich ein deutlicher wirtschaftlicher Aufschwung – leider auch anarchistische Tendenzen (wie aktuell auf Ambon). Aber natürlich kümmert sich dabei niemand um Umweltschutz, Raumordnung und andere übergeordnete Ziele. Insofern landet man immer bei einer irgendwie gearteten sozialen, gesteuerten Marktwirtschaft. Und gerade Singapore ist ja im kleinen Maßstab ein Beispiel wie der Staat recht erfolgreich fast alles reguliert hat. Nur braucht man dazu eine funktionierende Exekutive, und die muß sich hier erst entwickeln. Im Kommentar zum 7. Gebot von Mahbubani gehe ich darauf noch näher ein.

  3. Wee Kim Wee (黄金辉, Huáng Jīnhuī; * 4. November 1915; † 2. Mai 2005) Präsident von Singapur.
    Ein Staat kan man erst umbilden wenn man den Bürger bildet! ( nur so geht es )
    Funktionierende Exekutive, man einigt sich auf Grundsätze und Regeln in Unkenntnis der Tatsachen.
    In Wirklichkeit gibt es vielmehr 1 multidimensionale Geselschaft, in der nebst vielem anderen zwar auch das Wirtschaften wichtig ist.
    Es ist aber nicht das einzige was Menschen beschäftigt und bewegt. Rationalität & Irrationales ist wie 1 Kernspaltung!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s