Perversion

Kriegermoench

„Why didn’t we have the religion of the Japanese, who regard sacrifice for the Fatherland as the highest good?“
Adolf Hitler, quoted in „Inside The Third Reich“ by Albert Speer

Meine Auseinandersetzung mit „erinnye“ über ihren Verriß von Ernst Jünger machte mich erneut nachdenklich über die Forschungsrichtung des amerikanischen Professors Brian Victoria. Jener veröffentlichte 1999 das auch in D erschienene Buch „Zen at War“, und zufällig kam ich mit ihm in der Online-community „Tricycle“ in Kontakt. Dort hatte ein Bewunderer des weltberühmten Zen-Publizisten D.T. Suzuki den Fehler gemacht, eine Diskussion über Victorias angeblich mangelnde Wissenschaftlichkeit loszutreten, um damit sein Idol von dem Vorwurf freizuwaschen, nicht nur in den japanischen sondern auch in den deutschen Totalitarismus verwickelt gewesen zu sein. Da ich der einzige Deutsche war, der auf Victorias Buch reagiert hatte, kam es im Folgenden zu einer fruchtbaren Research- und Übersetzung-Zusammenarbeit, bei der ich einige mir völlig neue Fakten über die Nazi-Vergangenheit der größten deutschen Zen-Propagandisten Herrigel und von Dürckheim erfuhr, die mir den Buddhismus überhaupt in neuem Licht darstellten. Das jener – wie alle anderen organisierten Wahnvorstellungen auch – pervertiert wird, ist an sich nichts Neues. Schließlich traf ich unter den Buddhisten von „Tricycle“ nicht nur die nettesten sondern auch die asozialsten Typen meiner gesamten Internet-Karriere. Doch ist die Art schon erstaunlich und auch erschreckend, wie die Verbindung von Zen und Samurai-Mythos mit dem Totalitarismus in Japan und Deutschland so lange verschwiegen und verschleiert werden konnte. Vielleicht einfach deshalb, weil viele moderne Sinnsucher meinen, irgendwo müsse es doch die nur gute Weltanschauung geben.

Victoria: „Finally, it should be pointed out that Handa Shin, the editor of Bushido no Shinzui, made the following statement in his introduction to Suzuki’s article: ‚Dr. Suzuki’s writings are said to have strongly influenced the military spirit of Nazi Germany.’… Clearly, Handa Shin believed Suzuki’s writings had influenced the Nazis though I certainly regret that he didn’t provide evidence to support his claim. That said, I readily admit to having been fascinated with this question ever since, and, with the assistance of German colleagues, have invested considerable time and effort to discover what links there might have been between Suzuki and the Nazis.“

Da war Prof. Victoria also in einen „heiligen Krieg“ verwickelt – wie ihm Kritiker vorwarfen – und er suchte mit größter Hartnäckigkeit nach Beweisen, die Suzukis Affinitäten als unheilig und vor allem unerleuchtet erscheinen lassen sollten, verglichen mit international üblichem Opportunismus.
Und so muß ich mich aktuell fragen: Bin ich – trotz des Zufalls der späten Geburt – mit meiner Bewunderung für japanische Kultur auch wieder reingefallen, wie schon die Generation meiner Eltern? Da werden heute massenhaft Produkte japanischer Kultur konsumiert, deren historische Bezüge nicht weniger düster sind, als jüngste deutsche Geschichte, und die in ihrer Wahnhaftigkeit die Welt bis heute belästigt. Eine unglaubliche Menge von Samurai-Filmen (wie 13 Assassins) ist nichts Edleres als ästhetisierter Sadismus, mit allenfalls kathartischer Funktion. Das Nicht-Töten bleibt jedoch ein wesentlicher Bestandteil des Buddhismus, und würde man die Dialoge von Schauspielern als Helden in deutschen Uniformen sprechen lassen, ginge ein Aufschrei um die Welt. Oba – The Last Samurai schwelgt geradezu im Selbstaufopferungs-Mythos, und auch hier würden SS-Uniformen die Absurdität offenbar werden lassen. Verschwiegen wird, daß sich die Bevölkerung nur dann beim Erscheinen der Amerikaner selbst umbrachte, wenn Militär anwesend war. Dafür zeigt der Film die Seppuku light-Version für Generäle: Sie stechen sich nur mit ihrem Schwert in den Bauch – ohne lange darin umzurühren – und werden sofort von ihren Adjudanten, die traditionell den Kopf abschlagen, von hinten erschossen.

Die Abbildung zeigt einen Verteidiger des Hongonji-Tempels in Osaka, einen der Kriegermönche, die im 16.Jahrhundert den Tod im Kampf als einen Weg zur Erlösung ansahen. Kommt uns das bekannt vor?

http://apjjf.org/2016/12/Bieber.html

2 Gedanken zu „Perversion

  1. Pingback: Feuer frei! | Flaschenpost

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