Stinkfrucht

Durian-im-AC-Bus

„Du sollst nicht stehlen." 2.Buch Mose 20, 15
„Das Leben der Wildtiere ist ein Kampf ums Dasein. Die volle Anstrengung aller ihrer Fähigkeiten und all ihrer Energien wird für den Erhalt ihres eigenen Daseins und ihrer Nachkommen benötigt. Die Möglichkeit der Nahrungsbeschaffung während der ungünstigsten Jahreszeiten und das Entkommen vor den Angriffen ihrer gefährlichsten Feinde sind die grundlegenden Bedingungen, die sowohl das Dasein von Individuen als auch von ganzen Arten bestimmen." Alfred Russel Wallace

Neulich roch es im Haus wieder penetrant nach Ankis Schweinen. Vor dem Hoftor fand ich dann das Schwein: 1 kleine, vor sich hinstinkende Durian (Durio zibethinus aus der Familie der Bombacaceae). Bombich isse, wennse einem aufen Kopp fällt, und zibetto angeblich italienisch (= strenger Geruch). Das iss stark untertrieben, denn sie riecht wie Sau. Die Wilden sind aba weder so geräusch- noch so geruchsempfindlich wie ich. Güllegeruch, bei dem ich gleich Zollstock, Wasserwaage und Spaten zücken würde, macht ihnen auch nix aus. Selbst an sich so relativ vernünftige Leute wie Russel Wallace waren der Ansicht: „The sensation of eating durians is worth a voyage to the East." Und so gehört zu jeder Beschreibung des Durianbaums, daß die Frucht „umstritten" sei. Für die Wilden übahaupt nich. Sie sind so wild auf das cremich, weiße Fruchtfleisch, daß man unta seinem Baum schlafen muß (Nur mit Helm und Gasmaske!), wenn man was ernten will. Da muß etwas im Gestank dieser Mißgeburten der Natur sein, was Teile des Gehirns lahmlegt. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene dringen wie Heuschrecken in den Garten ein, reißen Löcher in den Zaun und stehlen die Früchte. Krähen und Ratten verhalten sich so. Die nackte Gier. Und David, der lange Zeit unser Fahrer war, sich auf Dauer jedoch nirgendwo lange hält, schickt sogar seinen Sohn los, um bei uns Durian zu klauen. Eigenartich iss, daß dieser Sohn nich nur dick sondern auch irgendwie bröselich iss, so daß er sich, wenn er umfällt, imma was bricht. Na und dreimal darfste raten, an wen sich David dann wegen der Arztkosten wendet. Richtich, ans Sozialamt.

Für jeden Quadratmeter dieses Grundstücks haben wir ~6EUR bezahlt (inkl. der Kosten, die wir beim Kauf wegen der verbeamteten notorischen Betrügerin Erni Rotty hatten, deren 3 große Osterkreuze noch immer auf ihrem Grundstück stehen – zur Straße gerichtet!). Für hiesige Verhältnisse nich billich, und das Geld wächst weder auf den Bäumen, noch stinkt es in der Gegend rum. Das zählt jedoch alles nich für die Diebe und Schnorrer, wenn sie etwas unbedingt brauchen, was sie nich besitzen. Dafür beten sie dann aber auch reichlich, sogar vor dem Essen. Also muß man den Bock zum Gärtner machen: Mads Töchter Nr. 3 und 4, die auch klauen, was sie kriegen können, werden angestellt, die Durian-Bäume zu bewachen. Zusammen mit ihrem Vater ernten und verkaufen sie die Früchte auf dem Markt, und wir bekommen unseren Anteil am Erlös. So sind alle glücklich – nur David nich in seinem Kampf ums Dasein, in dem die schwächsten und am wenigsten vollkommen organisierten imma unterliegen müssen. Dem stinkt das, und deshalb schickt er nicht nur seine Kinder immer wieder zum Klauen, er kommt auch persönlich – ebenso wie Yos, Weli, Jonny und all die Unerkannten. Eine Handvoll Glück haben die, daß hier keine syaria angewandt wird.

Das Tollste aber haben sich mal wieda einige dieser korrupten Beamten geleistet. Sie machten zu viert eine als „Zensus" getarnte Razzia bei den moslemischen Landarbeitern, weil einer der wichtigsten geistigen Drahtzieher des Bali-Attentats von 2002, Abu Bakar Ba’asyir, jetzt endlich zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, und man Racheakte erwartete. Dabei rochen sie unsere Durians in Mads Haus, denn Durian kann man nich verstecken, und wollten gleich welche haben. Diese Schweine, die regelmäßig Gehalt und gerade eine großzügige Erhöhung bekommen haben, beuten skrupelos die Armen aus, von denen sie genau wissen, daß jene sich nich trauen, gegenüber Uniformierten „nein" zu sagen. Sowas stinkt mir noch mehr als diese asozialen Früchte.
Und nach dem gleichen Muster verlief die darauf folgende Belagerung durch einen Chef der Verkehrspolizei, der uns in Uniform (wahrscheinlich neue) Antiquitäten verkaufen wollte, und sich, da er keinen Einlaß fand, eine Weile bei Mad einquartierte, wo er auch seine Visitenkarte hinterließ. Unsere Adresse hatte er von Karel, dessen sonderbare Geschäftsmethoden ich schon beschrieben habe. In der Polizeiwache unseres Dorfes arbeitete mal einer als Holzhändler, was nur logisch iss, denn die Polizei konfisziert illegal gefälltes Holz.
Im Indonesischen gibt es die Vokabel „serakah" für (auf ungerechte Weise) habgierig und gefräßig wie ein Soa-soa (Waran) auf Kükenjagd.

Antiquitaeten-Haendler

Cartoon von Benny Rachmadi (*1969)

2 Gedanken zu „Stinkfrucht

  1. Pingback: Moderattfahn | Flaschenpost

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