Was nun?

kranker-Stuhl

Ich weiß nich, wie das nun weitergeht. Sicher ist, daß auch mein neuer Urologe, der anfangs blindlings auf Nierensteine tippte, keine Leuchte iss, und das indonesische Gesundheits-System immer noch chaotisch herumwuselt. Zwar mußten wir diesmal nicht mehr 4 Blutspender mitbringen und das Verbrauchsmaterial selbst besorgen, aber vorausbezahlen schon. Und wieder standen Kartons mit Schläuchen, Tropfbeuteln, Spritzen und Medikamenten in meinem Zimmer. Was da nich drin war, konnte nich angewendet werden. Meine Krankenakte befand sich immer irgendwo, nur nich, wo sie gebraucht wurde. Da alle Ärzte tagsüber im staatlichen kranken Haus arbeiten müssen, erscheinen sie zur Visite eventuell nach 22:00, wenn sie ihre eigene Praxis beendet haben, oder schicken in einem ausgeklügelten System ihre Assistenten.
Werden Kranke angeliefert, quillt aus dem Bus zusätzlich ein Troß von Verwandschaft, der sich mit Plastiktüten voller Nahrung, Geschirr, Bettzeug und allem, was der Wilde noch so braucht, im Krankenzimmer häuslich einrichtet. Dort betreut er den Kranken mit dem geballten Engagement seiner medizinischen Ignoranz und verwandelt das kranke Haus in einen Jahrmarkt. Deshalb machen die Tensis, die sich für Pflege nich zuständig fühlen, auch nie das Bett oder leeren regelmäßig den Pißbeutel, sondern lassen den Urin in offene Wannen tropfen, und die Küchenmamsell bringt keinen Löffel. Der furcht- aber hilflose Weiße, der es allein im Zimmer aushält, paßt da nicht ins System.

Warum es zu einer „gutartigen" Wucherung des Prostatagewebes (BPH) kommt, ist nicht geklärt. Ganz offensichtlich muß ich alle 2 Jahre damit rechnen. Eine Fülle von Wundermitteln und -heilern werden angeboten, und die weltweit riesige Gemeinde geplagter Männer ist empfänglich für jede obskure Idee. Normale Vollwertkost kann das 20fache an Wirkstoffen pflanzlicher Medikamente (Phytopharmaka) enthalten. „In den USA wurde 1990 der Verkauf rezeptfrei erhältlicher Phytopharmaka verboten, um den Patienten nicht in falscher Sicherheit zu wiegen oder eine weitere Abklärung zu verzögern." Eingriffe in den Hormonhaushalt sind sehr problematisch, weil sie immer mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden sind. Entwickelt sich ein Prostata-Karzinom, droht bei Operation Verletzung des Harnblasen-Schließmuskels. Am Ende lauern Windel oder Dauer-Katheter. Spätestens das wäre für mich ein Endpunkt, wo die Bilanz nich mehr stimmt, und ich mich nich an ein trostloses Restleben klammern würde.
Mit der Vorbeugung ist es eigentlich ganz einfach: vernünftige Ernährung, viel trinken (kein Bier!), kein Übergewicht, nicht rauchen und viel körperliche Arbeit. Dann erkrankt man trotzdem. Würde ich nich unter Wirren leben und nach deutschen Qualitäts-Standards behandelt, wären die Operationen kaum lebensgefährlich oder traumatisch sondern allenfalls lästig und erheblich teurer.
Aber so bleibt nur noch – wie Pascal es tat – immer 2 Gedanken auf einmal zu denken.

2 Gedanken zu „Was nun?

  1. Was ich hier knapp zusammengefaßt habe, ist der wissenschaftliche Stand der Dinge – nich nur in dem sehr guten Wikipaedia-Artikel. Trotzdem findet man jede Menge Tipps (z.B. Kokosnuss-Wasser trinken), die alle sinnlos sind. Und vor Ort wird mir weder gute Beratung noch funktionierende Betreuung geboten. Dazu müßte ich auswandern.🙂

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