Mutta aller Edelsteine

Ich mein, wenn alle korrupt sind, kann man doch wohl von den Ärzten nichts anderes erwarten. Aber welche Alternative hatte ich? Im staatlichen kranken Haus Manado isses lebensgefährlich, und im modernen der Adventisten interessieren sich diese Fanatiker nicht wirklich für den lebendigen Menschen, sondern sind permanent auf Seelen-Fischzug. Man muß dort mit besonders aggressiv-missionarischer Zudringlichkeit rechnen. Außerdem liegt es an einer stark befahrenen Straße. Also blieben nur Singapore, Jakarta oder das kleine, aber brandneue „Permata Bunda“ (Mutter aller Edelsteine), welches uns mein neuer Urologe „empfohlen“ hatte.
Von außen der übliche weitgehend geschmackfreie Kitsch-Klops im barock-neokolonialen Protzstil mit viel Simserei, schmiedeeisernen Geländern, sinnlos überdimensionierten Hallen und Balkon-Plateaus. Im pompös verglasten Treppenhaus der Blick nach oben gegen eine bläulich bewölkte Kuppeldecke, an der sich auch ein kleiner, beflügelter Bengel rumtreibt. Am Fahrstuhl dann ein Zettel: „Bei Stromausfall iss zwar ein Generator da, der Fahrstuhl geht aba nich“. Anstatt sofort umzudrehn, habe ich – immer noch nich Pessimist genug – mich tatsächlich mit demselben zu meinem „VIP-Utama“-Raum, also einem „außerordentlichen“ VIP-Zimmer der höchsten Klasse begeben. Dabei nahm ich latürnich an, daß das Stromausfall-Problem nicht etwa auch meine Operation beeinflussen könnte. Dies sollte sich als Irrtum erweisen.

Wenn mir vorher jemand erzählt hätte, daß im „Permata Bunda“ die Türen auch im VIP-Bereich von verpackten Ziegelsteinen aufgehalten werden, hätte mich das nachdenklich gestimmt. Zwar ist dieser sehr hygienisch mit Plastikfolie und Paket-Klebeband eingewickelt, vorher sorgfältig abgekocht und zur nahegelegenen Moschee zur halal-Prüfung gebracht worden, doch irgendwie will sich da nich das rechte VIP-Gefühl einstellen. Auch wirkte der übrige Raum eher wie ein Doppelzimmer einer mitteleuropäischen Vollzugsanstalt. Die VIP-Räume der untersten Kategorie (insgesamt gibt es 3 Stufen), würde man in D zur Aufbewahrung von Putzmitteln verwenden.

Da war der in Zeitungspapier eingewickelte Backstein, der die Eingangstür aufhalten sollte, schon sehenswerter (aber weniger hygienisch!). So hatte man imma was zu lesen. Das Problem mit der Eingangstür war allerdings, daß jene meist ganich erst aufging, weil sie klemmte. Die reinwollten wußten deshalb oft nicht, ob ich abgeschlossen hatte, oder sie nur zu schwach waren, die Tür mit Gewalt zu öffnen. Später hab ich das dann genossen, weil auch so manche spritzenbewehrte Schwester frustriert aufgab. Ich wartete nur darauf, daß mal jemand mit der ganzen Tür ins Zimmer fallen würde, aba man kann ja nich alles haben, und ich war nich zum Vergnügen da.

2 Gedanken zu „Mutta aller Edelsteine

  1. hm. da haste ja einiges durchmachen müssen. aber wie du selbst schon erkannt hast: Das war nich zum Vergnügen da.

    ich denk mal, kulturell isses auch nicht immer einfach zu verstehen. Trotzdem oder gerade deswegen: Gute Besserung

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