Sendepause mit Testbild

Selbstzerstoerung

Indonesien ohne Alptraum, das gibt es für mich leider nicht. Da sind zuerst die Verkehrsstaus vor den Tankstellen als Folge der Aufhebung der Benzin-Subventionierung. Benzin ist knapp geworden, wartende Autos stauen sich in die Straßen zurück und blockieren jene kilometerweit.
Wenn man dann schließlich das moderne Ärztehaus erreicht hat, wo überlastete Ärzte ab 19:00 Sprechstunden anbieten, erscheinen sie vielleicht gegen 20:00, denn sie müssen tagsüber in Krankenhäusern arbeiten – auch sonnabends. 3 Stunden Wartezeit sind Minimum. Die Patienten kommen zum Teil mit dem Schiff von den Inseln im Norden oder mühselig über schlechte Straßen aus den westlichen Provinzen, um dann eventuell festzustellen, daß der Arzt nicht anwesend ist – trotz Terminvereinbarung.
Das Labor befindet sich an einer anderen Stelle Manados. Immerhin braucht man die Ergebnisse dem Arzt nicht mehr selber zu überbringen. Wenn man aus dem dortigen Klo wieder direkt in den Warteraum tritt, stellt man seine Urinprobe in 2 Aktenkörbe auf einem Regal gleich neben den Sitzreihen. Ein Schild weist darauf hin, daß hier der Platz für die Pisse- und Scheiße-Proben sei, wobei unklar bleibt, ob die 2 Aktenkörbe noch dementsprechend differenziert sind. Der Abstellplatz befindet sich auch im Griffbereich der überall herumtobenden, dabei schrille Töne absondernden, nicht erzogenen Kinder, und man kann froh sein, wenn jene nicht die Urin-Proben austrinken.
In einer 3. Tour dann zur eigentlichen Praxis des Arztes, wo sich dessen Geräte befinden. Dort trifft man neue Freunde wieder, die man auf seiner Odyssee durch die unterschiedlichsten Warteräume kennengelernt hat. Der öffentliche Austausch über Glaubensbekenntnis, Sexualverhalten und Krankengeschichte ist Standard.
„Was hat er denn?“ wird meine Frau gefragt.
„Prostata-Operation.“
„Aber es geht doch noch? Oder?“
WAS geht noch?

Dort traf ich auch wieder auf Cardillac, der alt geworden und noch stärker in sich zurückgezogen und zerstreut wirkte. Er erkannte mich nicht, und wahrscheinlich muß man ihn zu seinen Patienten führen, damit er sie nicht vergißt. Seine Praxis sei so schmutzig, urteilte der junge Dr. Wirawan, mein neuer Schlachter, über ihn. Wobei das noch vorsichtig ausgedrückt war, denn man hatte dort das Gefühl, mit mehr Krankheiten raus- als reinzukommen. All diese versifften Arztpraxen Manados. Unbegreiflich! Diese heruntergekommene Art Déco-Villa jenes griesgrämigen Haut-Professors, die Joost Swarte gezeichnet haben könnte, mit ihrem verfaulten Karteischrank, wie ein Sarg mit Karteileichen einer glanzvolleren kolonialen Ära, halb im Freien wie in Afrika. Und der Mann ist Vorsitzender der Ärzteschaft.

Wen 3 Operationen in Manado nicht umgebracht haben, den kann auch die 4. in 11 Jahren nicht schaffen. Obwohl diese Intervalle nicht gerade auf eine rosige Zukunft verweisen, sondern daß mich etwas angeblich Gutartiges auf bösartige Weise umzubringen versucht. Falls ich also wider Erwarten hier nicht mehr erscheine, ist was schiefgelaufen.

Ein Gedanke zu „Sendepause mit Testbild

  1. Mann interessiert sich für die Prostata, wenn sie Probleme macht. Dabei hat sie jahrelang ganz unbeachtet so viel Spaß bereitet.
    Das ist Kunst ? ( wenn Testbild stimmt – was bei Dir künstlich & textlich immer stimmt ) bist Du ein realistischer Autist ! ( Kompliment )
    Hans Moser

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