Höhlenleben

Goa-Jepang-Kawangkoan

Da ich mich sowieso schon todesmutig in den Spuckbereich des Soputan begab, konnte ich mich ja auch gleich noch in einer der Höhlen verirren, die japanische Soldaten in den Lehmbergen Nordsulawesis 1943 während des 2. Weltkriegs angelegt haben. Wie oft hatte ich die Öffnungen schon passiert und jedesmal gedacht: man müßte doch mal hinein … diesmal also.

Hoehle-Tonsea-Lama

Schon nach wenigen Schritten erhebt sich die Frage: rechts oda links? Zu dunkel isses in jedem Fall, Lichtschalter gips nich, und ich habe keine Taschenlampe. Also ein anderes Mal mit Lampe wiederkommen.

Goa-Jepang

Nur in den Gängen parallel zur Straße gips einen Lichtblick – den des nächsten Eingangs. Dazwischen 50m Dunkelheit. Kann man das riskieren? Vielleicht eine Kobra auf dem Boden oder gakein Boden? Ich probier’s ma. RATSCH-KRATSCH! Anscheinend bin ich auf eine morsche Bambus-Stange getreten. Mit sowas markiert man hier Löcher. Wahlweise zusätzlich mit einer Cola-Dose und/oder einer gebrauchten Gummisandale. Erkennen kann ich nich ma meine Füße. Nee, das laß ich lieba.

Goa--Kawangkoan

Eine Rille in der Wand wahrscheinlich als Vertiefung für ein Tor. Die Lehm-Wände weisen eine sehr gleichmäßige Bearbeitungs-Textur auf. Wie gekämmt. Unwahrscheinlich, daß die von den hier gebräuchlichen Hacken stammt.

Hoehle-Kawangkoan

Luftschutztunnel-Tokio

Auf einem alten Foto, das die Entstehung eines Luftschutz-Tunnels unter Tokio zeigt, finde ich das mögliche Werkzeug: eine kurze, dreizinkige Hacke. Unmittelbar nach der Aufnahme blieb der Arbeiter wahrscheinlich am Kabel hängen und ZAPP! wurde alles duster. Was sich in solchen Höhlen-Systemen abgespielt hat, zeigt sehr anschaulich Clint Eastwoods Film „Letters from Iwo Jima„. Durch unterirdische Schutzräume, Höhlen und Bunker war die Insel in ein gigantisches Verteidigungs-Labyrinth verwandelt worden.

Souvenir

Leider keine Chance, ein Souvenir wie jenes zu finden. Dazu sind die Höhlen zu bekannt. Das Foto wurde während des Inselspringens in „Time“ veröffentlicht und zeigt die Frau eines amerikanischen Soldaten, der ihr den signierten Schädel eines Japaners geschickt hatte. Das Sammeln japanischer Goldzähne war auch sehr beliebt. Gefangene wurden ungern gemacht, denn man erlebte die japanische Soldateska als brutal, sadistisch, unzivilisiert und durch Samurai-Mythos und Shintoismus selbstmörderisch ferngesteuert. Da sie auf den Außeninseln ihres größenwahnsinnigen Imperiums zudem schlecht versorgt wurde – besonders nachdem die amerikanische Marine den Nachschub unterbrechen konnte, war Kannibalismus nichts Ungewöhnliches. Darauf stand zwar die Todesstrafe, aber nur wenn Japaner auf der Speisekarte standen. Auf Neu-Guinea wurden jene von den Papuas gefressen. Weiß nich, warum die Papuas mich imma so komisch ansehn. Alle Wilden beobachten mich, aba die Papuas besonders.

http://insellos.wordpress.com/2012/08/29/residue-of-wwii/

Ein Gedanke zu „Höhlenleben

  1. Dein Artikel gefällt mit gut, aber ich bin leider zu müde, um noch etwas Sinnvolles dazu zu schreiben. Das hole ich vielleicht noch nach, falls ich heute Nacht nicht in ein ungesichertes Loch falle.

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