Indische Polizisten

Sehrlautsprecher

Sehrlautsprecher, wichtigste zivilisatorische Errungenschaft der Minahasa

Es hämmert wieder draußen in der Nacht, und falsch singen tut es auch. So ab 22:00 wird es dann nich leiser sondern erst richtich laut, und wenn man Glück hat, hört es gegen 1:30 auf. Normalerweise benötigen Krachfeste mit Keyboard eine polizeiliche, kostenpflichtige Genehmigung, die bis 23:00 befristet ist. Über die Frist gibt es unterschiedliche Meinungen – auch bei der Polizei. Da sowas Geld kostet, vermeidet man die Genehmigung, und selbst wer sie besitzt, hat normalerweise nich die Absicht, sich an die Frist zu halten. Natürliches Ende ist der Ruf des Muezzin gegen 4:00 morgens. Falls es ein früheres Ende gibt, wird jenes mit einem 30-60min Finale in extremer Lautstärke betont. Ein sozialverträgliches Limit für Lautstärke existiert nicht, angeblich nichtmal ein Ruhestörungs-Paragraph. Also ruft keiner bei der Dorfwache an, die das eigentlich auch hören müßte – sofern sie nich gerade selbst singt. Meine Frau versucht es um 22:30 trotzdem:

Indischer Polizist: „Wo ist denn das?“
„Das müssen SIE doch wissen, SIE haben doch die Genehmigung ausgestellt!“
I.P.: „Schon, Ibu, aber die ist in der Akte, und da kommen wir nicht ran.“
„Ja und? Sie müssen doch für die Einhaltung der Auflagen sorgen!“
I.P.: „Ja, aber ich komme in den Raum nicht rein. Und außerdem regnet es doch gerade.“
„Soll ich Ihnen vielleicht noch einen Wagen stellen?“
I.P.: „…“
Was nun?“
I.P.: „Aber es regnet doch noch so doll.“

Der Begriff „indische Polizisten“ stammt von einem Minahasa-Anwalt.

 

Und dann geht’s wieder los. Diesmal mitten im Reisfeld kein km entfernt. Von 17:00 bis 1:30, wobei die letzte Morgenstunde aus der gewohnten Disco-Ekstase besteht.

I.P.: „Aber wir sind doch nur 2 hier auf der Wache!“

Dem neuen Polizeichef ist das Problem klar. Er arbeitet dran. Leider gibt es wegen turnusmäßiger Rotation keine Kontinuität.
Disco mit japanischer Yamaha sei doch schon Minahasa-Brauchtum, meinen die indischen Polizisten, das eigentliche Problem sei der Deutsche. Und es führe keine Straße zur Lärmquelle (was auch nicht stimmt), verteidigen sie sich, daß sie nicht dort waren. Da läuft der Polizeichef Amok und zerhaut einen Tisch in der Wache, worauf die Beamten, aus Angst geschlagen zu werden, fluchtartig nach draußen rennen. Wie die Kinder.

„Taub? Kein Wunder bei dem Lärm.“ (sprach Prinz Philip von England eine Gruppe gehörloser Kinder bei einem Konzert an)

Polizei-Clown

Ein Gedanke zu „Indische Polizisten

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