Anti-Anti-Aufklärung

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Ich war mal der Ansicht, intelligente Leute würden sich gar nicht mehr mit Astrologie beschäftigen, weil jene längst widerlegt und als geschäftsmäßig betriebener Unsinn erkannt sei. Das stimmt leider nicht. Besonders in kulturell unterentwickelten Gesellschaften wie der indonesischen kann jeder Unsinn Konjunktur haben. Dabei ist Astrologie schon zu anspruchsvoll, der gemeine Wilde hält es lieber mit anschaulicherer Magie – wie z.B. auf den boomenden KKR-Festivals.

Von den Argumenten gegen den Astrologie-Schwindel seien hier (nach Prokop/Wimmer, „Der moderne Okkultismus", 1987) nur einige aufgeführt:
Astrologen beziehen sich seit 2000 Jahren auf Sternpositionen, die sich durch Präzession längst verschoben haben. Dabei wird nur einigen Sternen willkürlich Bedeutung zugeteilt.
Die Zuordnung von Charaktermerkmalen zu Tierkreiszeichen läßt sich einfach widerlegen, wenn man in die Geschichte schaut: Z.B. müßten Cecil Rhodes und Graf Zeppelin unentschlossen, weiblich und ohne Ausdauer, Robespierre, Kant und Hitler dagegen Menschen mit großem Familiensinn gewesen sein.
Besonders unsinnig ist auch die Betonung des Geburts- anstelle des Zeugungs-Zeitpunkts.

Prokop/Wimmer kommen deshalb zu dem Schluß: „Astrologen, insbesondere die, die für die einzelnen Tage vorgedruckte Horoskope ausgeben, sind entweder Oligophrene oder minderbegabte fanatische Psychopathen oder letztlich betrügerische Geschäftemacher. Die Astrologie ist daher nicht einmal wegen der ihr angeblich innewohnenden Gemütswerte, die in Kreisen von Halbgebildeten in sie hineinprojiziert werden, akzeptabel und kann ohne Not aus unserer Kultur entfernt werden, soweit sie nicht sogar Gegenstand strafrechtlicher Erhebungen sein muß (Betrug)."

Neu war mir jedoch, daß die Skepsis gegenüber magischer Erkenntnis anscheinend so alt ist, wie jene selbst, denn schon Cicero zitierte die Worte Catos, es sei verwunderlich, daß ein Opferbeschauer, wenn er einen anderen sehe, nicht lache. Und auch Augustinus (354-430) wurde in seinen „Bekenntnissen" deutlich:
„So zog ich denn jene Art von Betrügern, die man Astrologen nennt, unbedenklich immer wieder zu Rate, in der Erwägung, daß es ja bei ihnen so gut wie keine Opfer gebe und keine Gebete an irgendeinen Geist zum Zwecke der Wahrsagung gerichtet würden." Und er beschreibt den scharfsinnigen Vindicianus, welcher trotz weiser Ermahnungen, nicht Mühe und Arbeit „auf so nichtiges Zeug zu verwenden", sich der Astrologie zuneigte und zur Quelle seines Lebensunterhalts machte, sich schließlich jedoch auf die ärztliche Kunst verlegte, „einzig deshalb, weil er jener andern völligen Ungrund erkannt und als ernsthafter Mann doch nicht von der Irreführung der Mitmenschen habe leben wollen … eine wirkliche Kunst der Vorschau in die Zukunft gebe es überhaupt nicht, es handle sich um rein menschliche Mutmaßungen, bei denen oft der Zufall die Rolle des Orakels spiele, und wer vieles sage, sage allerlei, was hinterher eintreffe, nicht, als hätten die Aussagenden ein Wissen darum, sondern weil sie im Dahinschwatzen auch auf Richtiges kämen."

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