Hoffnungslos

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Dieser postkoloniale Behübschungs-Stil ist aktuell der dominante in Nordsulawesi, wobei das Foto noch eins der harmlosesten Beispiele darstellt: Säulen (oft extrem funktionslos überdimensioniert), Freistil-Gesimse, Repräsentations-Balkone, Chrom-Gitter, Fenster mit einbruchhemmenden Ziergittern oder Mosaiken, transparente Plexi-Vordächer und ganzjährige Weihnachts-Dekoration über der Tür. Meistens befindet sich noch irgendwo ein mehr oder weniger verrottetes Kreuz (leuchtend, blinkend, aus Glasbausteinen, Holz oder Plastik-Behältern). Die modernen Minahasa vergreifen sich dagegen am sich seuchenartig ausbreitenden Ripple-Style, und ich weiß nicht, was fürchterlicher und unpassender ist. Jedenfalls haben wir hier eine zauberhafte Landschaft, die durch völlig geschmacklose Bebauung komplett ruiniert wird. Wer indonesische Natur in vollendeter Harmonie mit Kultur erleben will, fährt nach Bali.

Grossmodell

Selbst die traditionelle Holzarchitektur, die ich in diesem massiven Großmodell im Eingangsbereich der Ruine eines Bürgermeisteramts in Tombasian fand, ist nur noch in Anklängen wirklich ur-malayisch vielmehr holländisch beeinflußt, was man schon an der westlichen „Sitz"-Proportion der Balkon-Geländer erkennt. Trotzdem in den wenigen Resten immer noch ein angenehm unaufdringlicher Anblick. Auch wenn solche rumah adat meist durch steinerne Anbauten (Küche, Bad) und die vor sich hinrostende Wellblechbedeckung verunziert sind. Neben veränderten Wohnbedürfnissen ist der Hauptgrund, weshalb man diese Bauweise langsam aufgibt, der Mangel und der daraus resultierende hohe Preis von hartem Holz. Die Wälder Sulawesis befinden sich jetzt u.a. in Japan.

rumah-Tombasian Um so angenehmer war ich überrascht, in Tombasian auf ein weiteres Zentrum für Holzhäuser-Produktion (neben Woloan) zu stoßen. Ungestrichen wie dieses (aus Cempaka-Holz) wirken sie am schönsten. Im Endzustand sind sie in verschiedenen glänzenden „Holzbraun"-Tönen angemalt. Aufgrund des Holzmangels werden die ursprünglich massiven Ständer immer dünner, dafür der Leisten-Schmuck an Fenstern und Geländern verspielter. Ungünstig die Raumnutzung mit 2 kleinen Räumen und 2 sehr steilen Genickbruch-Außentreppen. Abgesehen von der dünnen Schalung und dem qualitativ miserablen Fußboden, würde ich solch ein Haus zum verhandelbaren Preis von ~4.900€ schon deshalb nicht kaufen, weil ich kaum einen Bauteil fand, der nicht von verschiedenartigen Holzwürmern befallen war. Da sind Ziegel und Beton zwar teurer, langfristig jedoch wirtschaftlicher. Noch billiger wohnt man so:

Laden-Tombasian

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