Voll digitale Hochzeit

Rizal-&-Helty

In der Einladung gab es 6 Fotos des Brautpaars, auf denen es jeweils unterschiedlich aussah: mal breit, mal schlank – der PC hatte sie dem Layout angepaßt. Vor Ort konnte ich mich davon überzeugen, daß die Breitversionen die zutreffendsten darstellten. Und so mußte ich dieses Foto etwas von oben pressen – so eine Art WeddingPress.

Da fand also die Beamer-Hochzeit von Helthy Junita und Rizal Leonardo in Tombasian statt, zu der uns Rizals Vater Dolof eingeladen hatte, obwohl er ganich sein Vater iss, sondern Deki iss sein Vater (nich Busfahrer-Deki sondern Kleptomanen-Deki), und die Großmutter Rizals iss Cousine meiner Frau und Schwester von Tommy, der schon tot iss. Zwar etwas unübasichtlich, besitzt jedoch innere Ordnung.

Ich erinnere mich noch, wie wir 1983 bei Dekis Verlobung auf dem Vorhof des alten Hauses des damaligen Bürgermeisters um Deki und Min herumsaßen. Damals hatten uns Hanri und Nikolin, die Eltern von Deki, eingeladen. Das Paar hockte ernst und bewegungslos in der Mitte, während die Reden gehalten wurden. Vorher hatte der Bürgermeister, der noch wirklich auf adat Wert legte, die Cola-Flaschen, die damals als Zeichen für Wohlstand galten, von den Eßtischen entfernen lassen. Min war mit dem Hukum Tua verwandt, auch mit unserem jetzigen, weil jene Stiefschwestern heirateten. Min arbeitete als Haushaltshilfe und lebte auch im Hause des Bürgermeisters. Später peitschte der Hukum Tua ihrem Ehemann aus, weil Deki das Stehlen nich lassen konnte. Dann band er ihn an seinen Wagen und fuhr ihn durchs Dorf. Sowas fehlt heute. Die japanischen Besatzer banden Delinquenten einen großen Wok auf den Rücken und klopften drauf, während sie ihn durchs Dorf trieben. Deki setzte sich dann nach Irian ab, wo er weiter Unfug trieb, und schließlich zeugte er auf Java 6 Kinder mit einer anderen Frau. Und so nahm Dolof Rizal mit 3 Jahren als Sohn an. Eine Woche vor dessen Hochzeit starb sein leiblicher Vater an Herzinfarkt, zu dem Rizal nur telephonisch Kontakt hatte, und während der Hochzeitsfeierlichkeiten wurde Deki nich erwähnt.

Hochzeitsbuehne

Man sagt, die Wilden in den Bergen, denn dort liegt Tombasian, seien noch sehr konservativ auf adat bedacht. Akustisch kann ich das nich bestätigen. Hier war es das erste Mal, daß ich eine Rede mit elektronischer Echohall-Verstärkung hörte, ohne daß gejodelt wurde. Die Crew, die die Mikrofon-Anlage einstellt, macht normalerweise 1 Stunde lang Sound-Check des Mischpults in maximaler Lautstärke. Danach ist das Ergebnis völlige Verzerrung der Wiedergabe mit gelegentlichen Rückkoppelungen, was man auch ohne Sound-Check erreichen kann. Aber die Wilden spielen eben gern. Und so geht ein Doktorandus Soundso zu Jazz-Musik ans Mikrofon – eigentlich müßte er hintänzeln – weil man halt alles ausprobieren möchte, was in solch einem programmierten Keyboard drin iss. Dabei wird per Laptop und Beamer Lasergeflimmer an die Baldachindecke projiziert. Ferner leuchten Dioden im „Random„-Rhythmus im Plastikblumen-Bouquet am Bühnenrand. Meine erste voll digitale Hochzeit. Das ist historisch bemerkenswert, befinde ich mich doch mitten in einem rasanten Kulturwandel. Jawoll!

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