Confessiones

voller Geist

„So kam nun auch die Stunde, da er das Bekenntnis seines Glaubens sprechen sollte … ihm aber sei es lieber gewesen, im Angesicht der frommen Menge sich zu seinem Heile zu bekennen … Um wieviel weniger durfte er sich vor Deiner sanften Herde scheuen, wenn er Dein Wort aussprach, er, der keine Scheu getragen hat, mit dem eigenen Wort vor einen unweisen Haufen hinzutreten! Und als er nun hinaufstieg, das Bekenntnis abzulegen, da murmelten sie einander, sobald sie ihn erkannt hatten … in einem Freudenmurmeln seinen Namen zu. Und von Mund zu Mund ging es durch die ganze Gemeinschaft der Frohbewegten … Mit einem Male erhoben sie ein helles Frohlocken, weil sie ihn sahen, und mit einem Male verstummten sie vor Spannung ihn zu hören. Er aber sprach den Glauben, den wahren, mit strahlender Zuversicht. Da war’s, als wollten sie alle den Mann zu sich reißen, in ihr Herz hinein. Ja, ein Reißen war es, wie sie da liebten und sich freuten: das eben waren die Hände der Reißenden zu seiner Umarmung."
Augustinus, „Bekenntnisse"

Als wir seinerzeit vergeblich Juls Kandidatur zur Bürgermeisterin unterstützten, taten wir das nicht, weil wir glaubten, sie habe irgendwelche Fähigkeiten für jenes Amt. Sie war lediglich das kleinere Übel. U.a. ist sie Predigerin in der Ekstase-SekteKegerahkan Roh Kudus" („Bewegung des hl. Geistes", auch „Roh Suci"), eine Baptisten-Gruppe, deren Pope ein solch notorischer Schreihals ist, daß man ihn wegen Gefährdung der Kranken nich in kranken Häusern einsetzen kann – eigentlich schade, denn Gebete helfen ja bekanntlich gegen alles, und bald wird man in Indonesien keine Ärzte mehr brauchen. Erfahrung mit Illegalität hat sie schon 10 Jahren lang in Japan gesammelt. Ihr Bruder Paul ist auch sehr religiös (aber bei der protestantischen Konkurrenz) und nervt als zertifizierter „Evangelist" das Dorf jeden Freitag Abend mit KKR-Erweckungsdiscos (Kebaktian Kebangunan Rohani = Gottesdienst für seelischen Aufbau). Als er noch Regierungspräsident (bupati) war, schleuste er illegale Arbeiter nach Japan. Während das Symbol des Evangelisten Markus ein Löwe, des Lukas ein Stier, des Johannes ein Adler ist, müßte Pauls Symbol ein Bus sein. Schon der Zustand seiner schrottigen Busflotte gibt einen Eindruck seines christlichen Verantwortungs-Gefühls gegenüber Gesellschaft. Bei Regen brauchte ich auch im Bus einen Schirm. Noch eindrucksvoller die Geschichte, die Ni, die Frau des verwandten Deki, erzählt: Deki arbeitete lange als routinierter Busfahrer für Paul. Als Deki nachts Teilnehmer einer KKR-Veranstaltung nach Hause brachte, fuhr er einen ihm ohne Licht entgegenkommenden, betrunkenen Motorradfahrer tot. Zwar werden geringe Löhne gezahlt, traditionell sehen treue Arbeitnehmer den Boß aber als Not-Versicherung. Bei fahrlässiger Tötung ist man immer schuld und wird wegen erwarteter Lynchjustiz sicherheitshalber gleich eingebuchtet. Dann beginnen die Entschädigungs-Verhandlungen, während deren Ni immer dünner wurde, weil sie nicht mehr schlafen konnte. Paul sagte zu, die erheblichen Kosten, z.B. der Beerdigungsfeiern (mindestens 3 Mega-Feste), zu übernehmen. Als Ni mit den Hinterbliebenen alles klar hatte, ging sie wieder zu Paul, um das Geld zu holen. Der bezahlte gerade Wahlhelfer für seine erneute, letztlich erfolglose bupati-Kandidatur, danach hatte er kein Geld mehr für Ni und meinte, daß es besser wäre, wenn Deki erstmal ins Gefängnis ginge, wo er sicher sei. Da wäre Ni fast schreiend auf den Boden gefallen. Deki bekam 3 Jahre, seine Frau verblieb mit 4 Kindern ohne Ernährer. Na und rate mal, wer dann geholfen hat!
Jul aber habe, nach der 1. Belehrung auf der Polizeiwache, bei einem Gottesdienst in ihrem Haus öffentlichen gebeichtet, daß ihr Fehler unterlaufen seien. Das Leben wäre so voller Versuchungen (percobaan). Das stimmt auch nich, Jul. Das Böse ist bereits innen, nich nur außen. Denn nachdem du, stellvertretende Sprecherin der Ökumene, deine Selbstkritik auf der Wache unterschrieben hattest, und dir dort 3 Std. lang erklärt wurde, daß du zwar den Rechtsweg gegen die Erben beschreiten könntest, doch mit mehr Kosten und wenig Aussicht auf Erfolg, hast du noch den Beamten nach mir befragt, der ich mit der Sache überhaupt nichts zu tun habe: Wie das denn mit meiner Aufenthaltsgenehmigung sei. Und dabei ist die christliche Maske endgültig gefallen. Rache der Primitiven. Wenn man sich nich durchsetzen kann, dem anderen wenigstens irgendwie schaden. Augustinus war sogar der Ansicht, daß die Sünde schon dem Kinde vererbt wäre, „das nur einen Tag lang auf der Welt ist", giere es doch plärrend nach den Brüsten. Aber damit es keine ökumenischen Mißverständnisse gibt, schreien die Protestanten jetzt nich mehr täglich „Gott" sondern „Jesus iss der Größte!" in die Mikrofone. Sie haben schon Ärger gekricht, weil sie ihren selbstgebastelten Gott auch „Allah" nennen, denn das iss nu mal die islamische Vokabel.

Übrigens gips auch intelligentes KKR in Indonesien: Komisi Kebenaran Rekonsiliasi (Komission zur Wahrheitsfindung und deren Wiederherstellung), die sich mit Menschenrechtsverletzungen während der Suharto-Zeit beschäftigt. Die Schwierigkeiten dieser Arbeit bestehen u.a. darin, daß Betroffene wie zugenäht schweigen, und wie man sie dazu bringt, ihre Meinung zu sagen. Ferner sind die Täter meist nicht einsichtig, sondern haben eine andere Vorstellung von Wahrheit, und die Untersuchenden erfahren oft persönlichen Terror.

http://freethinker.co.uk/2009/06/15/loopy-evangelical-tracts-land-singapore-couple-in-jail/

Ein Gedanke zu „Confessiones

  1. Pingback: Totale Väter | Flaschenpost

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