Dorfgericht (pengadilan kampung)

„Doch das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns. Wir müssen die Reise um die Welt machen und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist." 
Heinrich von Kleist, „Über das Marionettentheater" (1810)

Bauerntheater ist angesagt. Aufgeführt wird Kleists „Der zerbrochene Krug". Unser Bürgermeister spielt den listig, derben, verlogen-naiven Dorfrichter Adam, zugleich als Staatsanwalt und Verteidiger der Klägerin Jul – die richtiger als Beklagte auftreten müßte – dabei beständig das Gesicht wechselnd, weil seine Zuckerkrankheit sein Erinnerungsvermögen vermust, und der sich doch endlich im eigenen Netz verfängt. Und so (1) sieht die Bühne aus:

subtile-Verhaeltnisse

Eigentlich müßte sie wie 2 aussehen: Dann wäre es eine Anhörung. Aber es ist von vornherein als Gerichtsverfahren angelegt. Angeklagt ist meine Frau (AA). Bürgermeister Adam verkörpert das gesamte Justizwesen inklusive Exekutive. Der Dorfsekretär (Sekretaris Desa) protokolliert, und 1 Blockwart (Pala) fungiert als Zeuge. Verhältnis 4 gegen 1. Sähe von vornherein schlecht aus – wenn da nicht die grenzenlose Ignoranz der Angreifer wäre. Adam tut so, als ob dies ein Zusammenführen von Streithennen mit dem Ziel von musyawarah sei. Mauschelwara ist eine der sozialen Krankheiten Indonesiens. Nichts wird gelöst. Um vorgerichtlich einen oberflächlichen Frieden herzustellen, alles unter den Teppich gekehrt, notfalls unter völliger Verdrehung und Korrumpierung von Gesetz und Ordnung. Dabei hat meine Frau längst Jul wegen Hausfriedensbruch angezeigt. Und sie ist auch für den Betrug von Tante Erna gegenüber Jul nicht verantwortlich. Schon deshalb folgte sie der 1. Aufforderung Adams nicht, im Bürgermeister-Büro zu erscheinen. Überbracht hat die ohne Kuvert zusammengetackerte pangilan menghadap (Vorladung), jemand habe sich über Unstimmigkeiten beim Kauf eines Grundstücks beschwert", der Küster der Protestanten, der meistens blau und auch sonst voller nicht seltener Eigenarten ist. Dazu kletterte er über unser verschlossenes Tor und hinterließ das Blatt unter einem Stein auf dem Tisch in der pendopo. Wieder eine ungesetzliche Prozedur, für die er von Adam fast geschlagen wird. Daß Häuptlinge ihre Untergebenen schlagen, ist nicht ungewöhnlich. In dieser Weise vorladen können aber nur Polizei und Gericht, Undangan (Einladung) wäre die angemessene Bezeichnung gewesen. Solcher Art Feinfühligkeit ist Choleriker Adam nicht fähig, der schon deshalb auf meine Frau sauer ist, weil sie ihm noch keinen Laptop geschenkt hat. Und so macht er sie, die hier im Dorf geborene, u.a. darauf aufmerksam, daß sie in Indonesien und nicht in D lebe. Das geht mal wieder gegen mich, der schon deshalb gar nicht anwesend ist. So läuft das eben hier: Tust du als Ausländer nicht, was der Wilde erhofft, erlebst du ihn in seiner ganzen xenophoben Häßlichkeit. Aber auch daß Jul wie ein chinesisches Marktweib zu kreischen anfängt, als die geballten Attacken der 4 Schrumpfköpfe von meiner Frau souverän als an die falsche Adresse gerichtet zurückgewiesen und deren Rechtsverständnis als hukum rimba (Gesetz des Dschungels) eingestuft wird, nützt nichts. Meine Frau lehnt jegliche Ansprüche anderer auf das von ihr mit Brief und Siegel erworbene Grundstück ab. Kreischend fängt Jul daraufhin an, ihr Handphone zu bearbeiten, dabei überlaut verkündend, sie würde gerade Baustoffe bestellen, mit denen sie die Grenze so zumauere – „GAANZ HOCH!" – daß das Waschwasser von unserem Grundstück nicht mehr über das ihre laufen könne. Will sie die Bewohner dort ersäufen? Absolut kindische Trotzreaktion. Und wenn sie nicht damit gedroht hätte, wäre meiner Frau nicht aufgefallen, daß sich eine von Juls Hausmauern teilweise 10cm zu weit auf unserem Grundstück befindet. Ganz zu schweigen von ihrer Traufe, die deren Wassermassen auch bei uns ablädt.
Und weil sich Adam, der auch Pentakosta-Prediger ist, so viel Mühe gegeben, aba dafür von uns imma noch nich mit dem hartnäckich erbettelten Laptop bedacht wurde – u.a. kassiert er nicht nur einen willkürlichen Anteil der reinkommenden Etat-Gelder sondern auch von der Entlohnung seiner Mitarbeiter in der Dorfverwaltung – möchte ich ihm wenigsten einen Rechner schenken, den ich beim Reinigen der Wassergräben im Schlamm gefunden hab.

Bestechung

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