Grenzen des Karate

„Streß – das ist das, was entsteht, wenn der Geist das Bedürfnis des Körpers übergeht, jemandem in den Arsch zu treten, der es gerechterweise verdient hat." (amerikanischer Button aus der Finanzbranche)

Als wir aus Manado zurückkamen, zeigte sich uns auf Tante Ernas Grundstück dieses Bild: Obwohl Karate-Lehrer Lipus, ein kleiner, dicklicher Mann, vorher von meiner Frau ausdrücklich verwarnt worden war, sich nicht gegen Bezahlung an ungesetzlichen Aktionen zu beteiligen, hatte er einen sehr ordentlichen Zaun aus dünnen Ästen und gespaltenem Bambus angefertigt. Jul, die fröhlich auf der Grenzmauer saß, hatte die Stämmchen in den Boden rammen müssen – Lipus wollte nich allein schuldig werden.
Ich ging direkt auf ihn los, unterschritt seine Fluchtdistanz und fauchte ihn auf Nasenlänge an, was er hier mache. Normalerweise hätte man ihn ein bißchen angehackt oder ihm wenigstens die leuchtend grüne Mütze vom Kopp gehaun, aba das iss mir leider verwehrt. Als tpischer Minahasa war er gleich beleidigt. Jeder Kriminelle hat hier seinen Stolz. Er muffelte rum, worauf ich ihn laut und deutlich vom Grundstück wies – Jul hatte sich inzwischen schon auf die Straße zurückgezogen – während meine Frau Lipus erklärte, daß er ja wohl auch keinen umbringen würde, wenn man ihn dafür Bezahlung anböte (Lipus wohl nich, andere schon.). Dann zog er ab. Ein Mann wie ein Ochse.

Die als herrisch und aufbrausend bekannte Jul, die mir noch siegessicher zuwinkte („Haaaloo!"), als ich sie fotografierte, hatte selbst entschieden, wieviel ihr von unserem Grundstück zustehe, und wenn man sie gewähren ließe, würde die neue Grenze das Haus durchteilen. Sowas kenne ich sonst nur aus Berlin. Auf der Polizeiwache verdeutlichte man ihr dann die Rechtslage, worauf sie sich als krank und vernehmungsunfähig erklärte. Karate-Lehrer Lipus bekam es richtich mit der Angst und fragte den Beamten, was er denn jetzt tun solle. HII-YAAAH!
Den Zaun aber haute meine Frau einfach um: KRACH! und warf ihn Jul vor’s Haus, worauf einige Dorfdamen fluchtartig deren Veranda verließen.

2 Gedanken zu „Grenzen des Karate

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