Was tun?

Koepfchen

Ich begann, über 1 Jahrzehnt lang Kurse zu beobachten, Tests und kritische Berichte systematisch zu sammeln. Dabei wurde mir deutlich, wie falsch meine Anfangsvorstellung war, meine Versorgung von anderen verwalten zu lassen. Aktien kamen nicht infrage. Stattdessen wollte ich auf klassische Weise Geld verleihen und von Zinsen leben, ohne mich um Kurse kümmern zu müssen, auch wenn Anleihen als Bekenntnis zu anhaltender Armut eingestuft werden. Da ich andererseits die Auswahl von Rententiteln als Daueranlage, deren Rating nach Aussage von Vertretern der größten Rating-Agenturen nur „Meinungen" darstellen, nicht selbst entscheiden kann, schienen Anleihen-Fonds die ideale Lösung zu sein. Also analysierte ich die Angebote seriöser Fondsgesellschaften mit internationalen Staatsanleihen, internationalen Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus den Emerging Markets. Das wichtigste Kriterium war dabei eine dem Risiko-Profil entsprechende hohe jährliche Ausschüttung, denn da gibt es erhebliche Unterschiede. Auf einer Anleger-Messe in Bremen erklärte ich dem Vertreter des DIT, damals eine Firma der Dresdner Bank, die später von der Allianz gefressen wurde, daß deren „Internationaler Rentenfonds" immer 1% weniger ausschütte als der „Inter-Renta" der Konkurrenzfirma DWS, dafür aber im Kurs 1% höher liege (was mich nicht interessiert). Darauf reagierte der Mann nur mit einem zarten Lächeln.

Da ich Kursinformationen im wesentlichen aus dem „Handelsblatt" bezog, in dem nicht alle Rentenfonds gelistet waren, besuchte ich eines Tages das neue „Börsenzentrum" der Kreissparkasse. Der dortige Leiter holte eine Ausgabe des „Handelsblatt" und schob seinen dicken Zeigefinger vergeblich die Listen rauf und runter.

Die Investmentfirma Fidelity („Mehr einfach machen.") ist stolz auf ihre Größe und wirbt mit besonderer Internationalität. Wo geworben werden muß, bestehen offensichtlich Defizite. Nachdem ich 8 Jahre bei Fidelity Kunde gewesen war, setzte mich die Firma mit der Begründung vor die Tür: „Gemäß aufsichtsrechtlicher Beschränkungen und geschäftspolitischer Entscheidungen ist es uns leider nicht mehr möglich, weitere Einzahlungen und Folgeanlagen von Kunden anzunehmen, die ihren Wohnsitz in Ihrem derzeitigen Aufenthaltsland haben." Z.Z. versucht Fidelity den Kunden Rentenfonds als angebliche Inovation anzudrehen, die alle Anleihe-Arten in einem Fonds vereinen. Mehr Rendite durch mehr Risiko. Alles in einer Hand, und wenn es schiefgeht, entschuldigt Allianz-Fondsmanager Thomas Kressin die miserable Performance (die Ausschüttung seines Fonds war 2010 nur halb so groß wie im vergleichbaren Umfeld) mit fehlerhaftem Satzbau nicht damit, daß er versagt hat: „In diesem Marktumfeld mußte der Fonds im Einklang mit dem von ihm abgebildeten Marktsegment einen Wertverlust hinnehmen, wobei er insbesondere die Dollar-Schwäche im September zum schlechten Ergebnis beitrug."

Die schweizerische UBS ist groß und schillernd, mit Zero-Beziehung zum Einzelkunden und immer mal wieder in Skandale verwickelt.

Templeton ist besonders gut im Emerging Markets-Bereich. Als eigentümliches Kennzeichen erlebt man dort einen auffälligen Wechsel von Firmen-, Fondsnamen und Ausschüttungs-Intervallen. Zur Zeit heißt die Firma Franklin Templeton. Gut sind Ertrag und Information, nur klappt es mit dem Rechnungswesen nicht so ganz. Kontoauszüge verschwinden und sind manchmal unvollständig, was nicht nur Problem der indonesischen Post sein kann.

Bis zum Anfang dieses Jahres hätte ich die altbewährte – offensichtlich überalterte Firma DWS empfohlen. Ihr war nach 4 Jahren aufgefallen, daß es „Produktüberschneidungen" zwischen 2 Rentenfonds gab, die sie fusionierte und dabei die Ausschüttung einfach ausfallen ließ. Das war so, als ob mir mein früherer Arbeitgeber ohne Vorankündigung 2 Monate kein Gehalt gezahlt hätte. Aber DWS-Mitarbeiter Dirk Ellinger trieb meinen Blutdruck noch damit hoch, daß er behauptete, es gäbe „betraglich keinen Unterschied zwischen Ausschüttung und Thesaurierung". Das war schon allein deshalb empörend, weil er als Beweis Zahlen aus 2010 nannte und nicht den aktuellen zunehmenden Kursverlust von 6,5%. Sicher hätte ich durch Verkauf von Anteilen die ausfallende Ausschüttung kompensieren können – wenn ich rechtzeitig, wie Templeton das tut, informiert worden wäre, und wenn sich der Kurs nicht gerade im freien Fall befunden hätte. Der Gipfel war aber die Aussage (in falschem Deutsch): „Hinsichtlich der Ausschüttung möchten wir gern anmerken, daß sich dessen Höhe möglichst an den steuerpflichtigen Erträgen im Privatvermögen orientieren." Das stimmt! Zero-Erträge sind steueroptimiert. Auch zu weiteren Änderungen im Ausschüttungsverhalten von Fonds gab es keine Vorab-Information sondern nur einen coolen Hinweis auf die Web-Seite der DWS. Wiederholt wurden meine Anweisungen per Fax registriert, sogar bestätigt – und vergessen. Noch auffälliger, die sich in letzter Zeit häufenden Rechnungsfehler, die bisher von der DWS (hoffentlich alle) selbst bemerkt und korrigiert wurden. „Allerdings steht in unserem Hause die Überarbeitung der Abrechnungen und Jahresdepotaufstellungen an. Ihre Anmerkungen zur Ausschüttungsabrechnung haben wir weitergegeben." Immerhin, aber diese Firma befindet sich offensichtlich in der Krise. Eine Lehre aus dem Vorfall ist, daß Zahlungsausfall nicht nur durch globalen Crash erfolgen kann, sondern durch willkürlich administrative Maßnahmen des Instituts.

Was soll also der tun, der seine Versorgung selbst organisieren will? Das weiß ich nich! Jeder muß selbst herausfinden, was für ihn richtig ist, und dann das kleinste Übel wählen. Zwar funktioniert mein System, doch gegen mehr oder weniger legalen Betrug der Finanzinstitute, gegen Zero-Zinsen, Inflation und einen totalen Zusammenbruch der Geldwirtschaft bin ich nicht versichert. Notfalls kann ich immer noch das neue Böckchen von Äzige verkaufen. Es ist ganz schwarz mit einer einzigen weißen Linie auf der linken Seite. Ganz ungewöhnlich – wie eine Operationsnarbe. Die erhöht den Verkaufspreis. Magic!

Strichbock

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