Finanzgenies

Paketboot-Aktie

„Ich kann die Bewegungen von Körpern messen, aber ich kann nicht die menschlich Dummheit messen", sagte Sir Isaac Newton und verlor 20.000₤ während der „South Sea Bubble".

Als man die Wilden der Molukken um ihre Gewürze erleichtern und ihnen dafür das Christentum bringen wollte, war das für die holländischen Räuber ein riskantes Unterfangen, denn es gab unterwegs nicht nur Stürme sondern auch andere Piraten wie die Portugiesen, die die gleiche Idee hatten. Also gründeten 6 holländische Städte 1602 die „Ostindien Kompagnie" (VOC) und verteilten so mittels Anteilscheinen das Risiko auf viele. Da diese Gesellschaft erstmalig ohne zeitliche Begrenzung bestehen sollte, war damit die Aktie in ihrer modernen Form geboren. Wenige Tage danach wurden die Papiere in Amsterdam schon mit 15% Aufgeld gehandelt. Als 1604 die ersten Schiffe in Richtung Ostindien absegelten, lag der Kurs 30-40% höher als bei Emission. Die seinerzeit unter den Anlegern herrschende Stimmung beschrieb ein Spanier unter dem Titel „Confusion de confusiones". In den ersten 80 Jahren zahlte die Gesellschaft Durchschnittsdividenden von ~19%. Dazu kamen hohe Kursgewinne. Es waren u.a. die Erfolge der Ostindien Kompagnie, die Holland im 17.Jahrhundert zur stärksten Finanzmacht der Welt machten.

Die Köpfe der 1711 in England gegründeten „South Sea Company" hießen Robert Harley, Graf von Oxford, und sein Schreiber John Blunt. Die Idee war, das Problem der schon damals bestehenden Staatsverschuldung durch Übernahme zu 6% Zinsen zu lösen und dafür das Rechtsmonopol auf Handel und Verkehr im gesamten von England beanspruchten Raum zu erhalten – inklusive des Sklavenhandels, für den die Briten eine besondere Befähigung besaßen. Zwar hatte die Konstruktion den erheblichen Schönheitsfehler der Interessenüberschneidung mit den Spaniern, doch wurde der Erfolg der Aktienemission auch durch Aktiengeschenke an Minister sichergestellt. Mehrere Direktoren der South Sea Company saßen im Parlament und bedachten sich im übrigen großzügig selbst mit Aktien. Der Boom brachte solch eine Fülle von nachahmenden Geschäftsideen, wie z.B. ein subtiles Maschinengewehr, das runde Munition gegen Christen und eckige (größere Löcher) gegen Moslems verschießen konnte, oder ein Vorhaben „von großem Vorzug, den aber niemand kennt", daß die Regierung sich 1720 zum „Bubble Act" genötigt sah, was aber lediglich zur Sicherung des spekulativen Monopols der South Sea Company geschah. Infolge der durch Spanien auf 1 pro Jahr reduzierten Handelsfahrten und gezielter Gewinnmitnahmen von Insidern stürzte der Kurs im selben Jahr ins Bodenlose. Obwohl man sich kaum ein von vornherein fragwürdigeres kommerzielles Vorhaben vorstellen kann, wurden damals wie heute nur die Direktoren verantwortlich gemacht: „… sie hätten schließlich die Nation an den Rand des Ruins gebracht. Niemand schien auf den Gedanken zu kommen, daß die Nation selbst genauso zu tadeln war wie die Company. Niemand prangerte Leichtgläubigkeit und Habsucht der Leute an, ihre würdelose Profitgier … oder ihre Verblendung, die sie mit hemmungsloser Ungeduld in das Netz hatte rennen lassen, das die Betrüger für sie aufgespannt hatten. Davon sprach niemand. Man sah sich als einfaches, ehrliches, hart arbeitendes Volk, ausgeplündert von einer Räuberbande, die ohne Erbarmen gehängt, zu Tode geschleift, gevierteilt gehörte." (Charles Mackay Roß).

Quellen:
Peter N. Martin, „Die großen Spekulationen der Geschichte", 1982
John Kenneth Galbraith (1908-2006), „Finanzgenies", 1992

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