Wie man sein Geld verliert

Deviseneide

Der Film „Inside Job", der die globale Wirtschaftskrise von 2008 untersucht, die 10Millionen Menschen um ihre Ersparnisse, Häuser und Jobs brachte, ist der einzige Horrorfilm, den ich empfehlen kann.
Das Szenario beginnt mit der Deregulierung der Wirtschaft Islands. Dortige Finanzinstitute begannen in großem Umfange Geld zu leihen und eine auf Schulden basierende ökonomische Blase zu produzieren, die von den großen Rating-Agenturen mit dem besten Rating AAA bewertet und von korrupten amerikanischen Professoren in Gutachten (für z.B. 142.000USD) abgesegnet wurde. Eine entscheidene Rolle spielten dabei Derivate, die man besonders für den amerikanischen Immobilien-Markt entwickelte: Spekulation mit Hypotheken-Versicherungen. Normalerweise kann man nur versichern, was existiert, und die Rückzahlung einer Hypothek ist ein längerer Prozeß. Hier jedoch spezialisierte sich die AIG (American International Group) darauf, Versicherungen als Derivate an die wenigen großen, marktbeherrschenden Investmentfirmen zu verkaufen, die ihre Kunden in diese Produkte investieren ließen. So gab es pro Immobilienobjekt nicht mehr nur 1 Bank als Gläubiger sondern ein ganzes System. Der Schaden bei Zahlungsausfall potenzierte sich, ohne daß ein Gegenwert vorhanden war. Trotzdem gab es genug Fachleute, die Derivate als Mittel zur Absicherung von Finanztransaktionen einstuften. „Creating something out of nothing" war so verführerisch wie Kokain-Rausch, der sich in den gleichen Hirnbereichen abspielt.
Charles Keating von Citigroup war einer der ersten und wenigen, der wegen seiner Aktionen (Geldwäsche, Betrug, Korruption, falsche Buchführung) verhaftet wurde, sein Mitarbeiter Alan Greenspan, der eifrigste und einflußreichste Kämpfer für die Deregulierung des Derivate-Marktes, die unter Reagan begonnen hatte, unter Clinton seinen Höhepunkt, unter Bush den Zusammenbruch und unter Obama die Fortsetzung erlebte. Warner bezeichneten die neuen Derivate als „weapons of mass-destruction". Doch Greenspan verhinderte, daß den verhängnisvollen globalen Spielen einiger Investment-Monopolisten (u.a. die Deutsche Bank), deren Mitarbeiter sich per Bonus-System auf Kosten der Anleger schamlos bereicherten, seriöse Grenzen gesetzt wurden. Wer eine Bank für seine Einlagen sucht, müßte sich eigentlich über deren Leverage Ratio informieren, also das Verhältnis von verwaltetem Kunden-Kapital zum Umfang der von der Bank unternommenen Spekulationen. 1:5 wird als solide angesehen, 1:15 als besorgniserregend, weil die Bank im Krisenfall schnell zahlungsunfähig wird. Während der Blase gab es Verhältnisse von 1:33. Trozdem wurden die Investmentgesellschaften und deren Produkte von den großen Rating-Agenturen wie Standard & Poor’s und Moody’s noch bis unmittelbar vor dem großen Crash mit AAA und AA bewertet, also mit der Ratingstufe amerikanischer Regierungsanleihen, die wegen der extremen Staatsverschuldung heutzutage dieses Rating gar nicht mehr besitzen dürften. Finanzinstitute spekulierten sogar auf den Ausfall der Hypotheken oder mit Papieren, die die Banken selbst als „Junk" einstuften. So konnte Goldman Sachs auch um so mehr gewinnen, je mehr die Versicherung AIG verlor.
Da alle Kredite bekamen, ließ der Boom im Immobiliensektor Preise in unrealistische Höhen schnellen, die wiederum als reale Werte beliehen und versichert wurden. Als die Konsumenten dem schließlich nicht mehr folgen konnten, brach das ganze System zusammen, Zelt-Camps entstanden für Amerikaner, die ihre Häuser verloren, das Rentensystem des Staates Missouri, das von Goldman Sachs verwaltet wurde, folgte seiner Investment-Firma in die Pleite.
Obwohl es bereits seit 2004 Warnungen vor leichtsinnigen und betrügerischen Machenschaften nicht nur vom FBI sondern auch anderer, von der Wall-Street-Mafia unabhängig analysierender Fachleute gegeben hatte, gingen die Köpfe des Systems (wie Henry Paulson) aus dem Crash mit prall gefüllten Taschen oder sind wie Ben Bernanke bruchlos noch unter Obama tätig. An dem europäischen Projekt, die Selbstbereicherung der Broker zu regulieren, beteiligte sich die amerikanische Regierung nicht.

Vor einem früheren Platzen der Schuldenblase im Jahre 1857 war amerikanischen Banken staatlich vorgeschrieben, für einen Teil ihrer umlaufenden Banknoten Reserven in Form von Edelmetallen zu halten. Eine Bankengruppe in Michigan umging diese Sicherung, in dem sie dieselben Reserven von einer Bank zur anderen transportierte. Auch zeigte man den Prüfern der Behälter Deckschichten aus Goldmünzen unter denen sich Nägel befanden.

Literatur: James B. Stewart, „Club der Diebe", 1992
Zeichnung von Karl Hubbuch (1891-1979), „Deviseneide", um 1923

2 Gedanken zu „Wie man sein Geld verliert

  1. Träume sind Schäume

    Vor der Falle warnt die Schrift
    Die heilig war und fast noch ist
    Priester, die nicht mehr verstehn
    Riefen zwei, die nicht mehr wollten gehn
    Der eine lässt die größten Schleicher
    Nur auf Kosten andrer sich bereichern
    Und vom zweiten glaubt die Priesterschaft
    Er habe Großes gar geschafft
    Einen Garten will er bereiten
    Denen, die nicht sein Verbot bestreiten
    Doch als dann mit einemmal
    Zu sparsam war das Finanzkapital
    Wollte in diesem Jammertal
    Die Frucht auch genießen das Sachkapital
    Es ging dahin der Ackerbau
    Denn er war nicht ganz so schlau
    Er gab dem Investor, seinem Gott
    Und die Viehzucht war bankrott
    Schon ergossen sich die Fluten
    Auf alle, die nicht wollten bluten
    Doch wenn die lieben Priesterlein
    Entzaubert sind vom heiligen Schein
    Dürfen aus seligen Träumen erwachen
    Alle, die dann herzlich lachen
    Denn es steht doch in der Schrift
    Was des Geldes Sinn betrifft
    Und der heilige Geist nicht schwindet
    Wenn es im Umlauf sich befindet
    So kommt die Welt erneut in Schwung
    Durch die Geldumlaufsicherung

    http://www.deweles.de/willkommen/himmel-und-hoelle.html

  2. Pingback: Auge um Auge « Memoiren eines Waldschrats

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