Vermögen & Unvermögen

Anlageberatung

Wie kommt man also zu Vermögen, und wie verwaltet man es? Nun, eine Möglichkeit ist, darüber einen Bestseller zu schreiben und Seminare zu veranstalten. Besser ist, erstmal einen genügend großen Zeitrahmen zu haben. Seinerzeit ging gerade die Debatte darüber los, daß die Renten in D nicht mehr gesichert wären. Banken und Investmentfirmen reagierten mit Angeboten von fonds-basierten Renten-Sparplänen. Zuerst sollte in ertragreichere Aktien-, kurz vor Erreichen des Rentenalters in sichere Anleihen-Fonds investiert und umgeschichtet werden. Das alles gemanaged von meist jungen Leuten, die weder Erfahrung noch Vermögen besitzen. Dabei investiert man monatlich kleine Mengen, egal wo die Kurse stehen. In der Baisse gut, zu Zeiten einer Hausse falsch. Sinnvoller kauft man in Crash-Situation.

Wer seinem Anlageberater traut, hat von vornherein schlechte Karten. Ein Angestellter der Commerzbank wollte mich mal über den richtigen Zeitpunkt des Verkaufs eines Zero-Bonds informieren, dessen Konstruktion ich nicht wirklich verstanden hatte. Dann brach er sich bei einem Ski-Unfall das Bein, und so wurde es auch für mich teuer. Den absoluten Tiefpunkt der Anlage-Beratung erfährt man jedoch bei provinziellen Sparkassen: Heute noch im Kuhstall, morgen Anlageberater. Im Jahre 2003 wurde meiner deutlich an Demenz leidenden 83jährigen Mutter von provisionsgierigen Mitarbeitern der Sparkasse Isernhagen eine Fonds-Vermögens-Verwaltung der Deka verkauft, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon seit 3 Jahren eine echte Vermögens-Verwaltung bei der Deutschen Bank besaß. Schon diese konnte sie nicht verstehen. Zusätzlich wurde ihr ein Deka Bond-Fonds-Depot in Luxemburg aufgeschwatzt. Diese für eine 83jährige „mittelfristige", in doppelter Hinsicht Doppelanlage mit einem Aktienanteil von bis zu 30% war finanztechnisch völlig unsinnig und ist nur durch die Skrupellosigkeit der Verkäufer zu erklären. Hier wurde deutlich gegen Richtlinien und Rechtsvorschriften verstoßen, denn Verkäufer sind verpflichtet, protokollarisch sicherzustellen, daß dem Kunden die Chance gegeben wurde, den Vertrag zu begreifen. Unmöglich, daß den Mitarbeitern der Sparkasse das Unverständnis meiner Mutter und ihre völlige Hilflosigkeit in finanziellen Angelegenheiten verborgen blieb.
Zufällig entdeckte ich 2 Jahre nach ihrem Tode, daß die „Vermögensverwaltung“ nicht sondern der mir unbekannte Fonds aufgelöst worden war, und wandte mich erneut an die Sparkasse Hannover, die sich für den inzwischen durch Kursverlust entstandenen Schaden nicht verantwortlich fühlte, sondern deren Mitarbeiter in einer versehentlich an mich gesandten internen Email noch diskutierten, wie man von mir zusätzliche Gebühren fordern könne. Am Ende der Auseinandersetzung, die ich auch ohne Anwalt gewann, mußte die Sparkasse nicht nur den Kursverlust sondern auch den Zinsverlust für 2 Jahre ausgleichen. Finanzinstitute hocken ganz still auf einem Schatz aus von Erben unentdeckten Konten.

Dagegen bekam ich bei einem Gespräch mit Vermögensverwaltern der Deutschen Bank Keks und Lob, wie gut ich mich vorbereitet hätte (Wenn ich so behandelt werde, muß ich ja klug sein.). „Der geschickte Verkäufer tut gut, zu Beginn erst einmal alles zu bejahen." (Dale Carnegie, „Wie man Freunde gewinnt"). Weder darauf fiel ich rein, noch auf die Zusicherung, jährlich ~7% zu erwirtschaften. Das schaffte ich später selbst – ohne riskanten Aktienanteil, der bei einem konservativen Depot nur dazu dient, die Verwaltungskosten zu erwirtschaften.

Cartoon: Manfred Limmroth

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