Geld

Paytoilet

„Geld ist eine Droge.
Geld verursacht Trennung von Arbeit und Leben.
Die Geld-Wirtschaft ist unmoralisch.
Alles Geld stellt Diebstahl dar.
Geld ist Gewalt.
Geld ist das Band zwischen Eltern und Kindern.
Das Verbrennen von Geld ist ein Akt der Liebe, ein Akt der Menschlichkeit."

Thesen & Foto aus Jerry Rubin „Do it! Scenarios für die Revolution", 1971

Meine Beziehung zu Geld Ende der 60er und noch in den 70ern entsprach hippiemäßig etwa der Martin Luthers. D.h., ich hatte und brauchte für mein Leben als Waldschrat nicht viel. Ansonsten war Reichtum von vornherein verdächtig, eine Einstellung, die ich – als überwiegend von Neidgefühlen verursacht – erst erkannte, als ich anfing meine Auswanderung zu planen. Indem ich meinen Beamtenstatus und jegliche Versicherung aufgab, mußte ich meine Versorgung selber organisieren. „So mancher Alt-68er, der früher zum Marsch durch die Institutionen blies, hat sich inzwischen voller Begeisterung in das Spiel mit dem großen Geld eingeklinkt. Sich eine Stunde pro Woche mit der Verwaltung des eigenen Vermögens zu beschäftigen, kann mindestens ebenso rentabel sein, wie 40 Stunden in der Woche dafür zu arbeiten." (Christian Fälschle, „Kursbuch Finanzen", 1994)

Beim Ausscheiden aus dem Staatsdienst wird man bei der Rentenversicherungsanstalt nachversichert und bekommt mit 65 Rente, deren Steuerabzug in D auch vom Aufenthaltsland abhängt. Was bedeutet, daß ich im Billigland Indonesien wahrscheinlich noch weniger ausgezahlt bekommen werde als ohnehin. Früher konnte man sich die Nachversicherungs-Summe auszahlen lassen, aber der Staat, der von allen immer der größte Betrüger ist, hat wohl gemerkt, daß es ihn billiger kommt, Rentner monatlich zu versorgen, die oft bald nach Rentenantritt sterben.

Zuerst war die Frage der Bank zu lösen: 1 in D, 1 im Auswanderungsland. Daß Auslandszahlungen normalerweise über die Deutsche Bank laufen, wußte ich zuerst noch nicht, die DiBa, die später von der ING gekauft wurde, hatte ein günstigeres Angebot. Mit jener klappten Überweisungen von D nach Indonesien anfangs gut, doch besitzt sie keine eigene Korrespondenzbank, und so verschwand im Jahre 2002 eine Überweisung zuerst und kam in Indonesien schließlich nur noch stark reduziert an. Die DiBa hatte die Summe an die Degussa Bank überwiesen, jene an die Chase Manhattan Bank in den USA, wobei Euro in US-Dollar umgewandelt wurden, und als die Chase Manhattan an meine indonesische Bank überwies, wurde sie dort in Rupiah eingetauscht. Auf dieser Überweisungs- und Umtausch-Odysee, deren genauer Verlauf nicht mal von der DiBa restlos aufgeklärt werden konnte, kam mir so einiges abhanden, für das die DiBa nicht haften wollte: „Zögern Sie jedoch auch zukünftig nicht, uns bei auftretenden Problemen anzusprechen. Denn nur durch einen konstruktiven Dialog mit Ihnen können wir unseren Service und unsere Angebote für Sie verbessern. So freuen wir uns auch weiterhin auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit." Ich zögerte nicht sondern sandte den Sachverhalt dem Ombudsmann der privaten Banken beim Bundesverband deutscher Banken, worauf die DiBa immerhin bereit war, mir 10USD zu erstatten. Der Schlichtungsspruch des Ombudsmannes Horst-Diether Hensen lautete auf 1.156,68€ Schadensersatz, den ich von der DiBa auch erhielt. Im November schickte sie mir dann dieses Schreiben: „… gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen … kündigen wir das oben genannte Konto zum 31.1.2003 aufgrund der fehlenden Vertrauensbasis. … Wir fordern Sie weiterhin auf, die Ihnen zur Verfügung gestellte/n Karte/n … unverzüglich entwertet an uns zurückzusenden. Die Karte/n werde/n im internationalen Verbundsystem gesperrt." Damit hatte ich gewonnen, mein deutsches Girokonto verloren und war plötzlich zahlungsunfähig. Ein neues bei einer anderen Bank hätte ich nur über ein kompliziertes Identitätsverfahren mit Beglaubigungen der Deutschen Botschaft Jakarta eröffnen können. Im ungünstigsten Fall hat man nicht mal mehr Geld und Kreditkarte zur Verfügung, um dorthin zu fliegen. Stattdessen fiel mir ein, daß ich noch in D zusammen mit einem Vermögensverwalter der Deutschen Bank eine Verwaltung für meine in pekuniären Dingen weitgehend hilflose Mutter eingerichtet hatte, der mich persönlich kannte. Ich wandte mich per Email an ihn und kam zügig zu einem neuen Girokonto.

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