Auslands-Chinesen

Neujahrs-Angebot

„Ich weiß nicht, ob ich die Chinesen wegen ihrer vielen Tugenden bewundern oder wegen ihrer grellen Defekte verachten soll … Ihr Fleiß übertrifft den jeden anderen Volkes auf der Erde, sie sind arbeitsam, geduldig und frohgemut. Auf der anderen Seite sind sie korrupt, aalglatt und pedantisch, sie kriechen vor der Autorität und sind tyrannisch gegen Untergebene." James Brook (1803-68)

Vor allem stellen sie in ihren asiatischen Gastländern die reiche Oberschicht der Händler und Finanziers, nicht nur weil sie oft außergewöhnlich schlau, fleißig, sparsam und anpassungsfähig sind, sondern ihr Erfolg beruht auch auf starker Verwurzelung in ihrer Kultur und ethnischer Solidarität. Die „Juden des Ostens", wie Siams König Rama VI. sie 1910 kritisierte, dienten anfangs dazu, die Wohlfahrt ihrer Staaten zu sichern. Gelangten sie dabei zu immer mehr Macht, wurden sie von den selben Leuten diffamiert und verfolgt, denen sie zu Reichtum und Macht verholfen hatten. Die Räuber der holländischen Ostindien-Gesellschaft, die sich von chinesischen Schmugglern in ihrem Erwerbsstreben gestört fühlten, schlachteten 1740 anläßlich eines Aufstandes („Batavian Fury") mehr als 10000 Chinesen ab – unterstützt durch Indonesier – wodurch anschließend die Zuckerindustrie zusammenbrach. In San Francisco und Seattle veranstaltete man in den 80er Jahren des 19.Jahrhunderts „Pigtail Cutting Parties", bei denen chinesische Arbeiter geköpft, kastriert oder lebendig verbrannt wurden.

Im Schmugglerparadies Indonesien wurde ein Oberst Suharto 1959 wegen Schmuggels angeklagt. Statt ihn zu entlassen, beförderte man ihn später zum Brigadegeneral, und nach dem gescheiterten Kommunisten-Putsch wurde er Nachfolger Sukarnos. Die Chinesen, die die Armeeoffiziere reich machten, nennt man in Jakarta Cukong. Ein enger Freund Suhartos, der Bankier Liem Sioe Liong (alias Sudo Salim, *1915), galt als Cukong der Cukongs, und man sagt, daß ohne Leute wie ihn in Indonesien überhaupt nichts funktioniert hätte – wofür er u.a. das Mehl- und Zuckermonopol erhielt. Seine 1955 gegründete Bank Central Asia wurde eine der größten.

Henky ist unehelicher Sohn der Minahasa-Konkubine eines Chinesen. Mit seiner Mutter und deren Unterhalt gründete er einen warung, einen kleinen Laden in unserem Dorf. Wie die anderen Händler begab er sich zu Fuß zur Straße, die zu den Feldern auf den Ausläufern des Vulkans Klabat führt, wartete dort ausdauernder als andere auf die Bauern und kaufte deren Pala (Muskat) auf. Von seinem Vater bekam er nur eine jener dekorativen Messing-Waagen, Grundausstattung der Händler. Später fuhr er mit einem Fahrrad zu den Bauern, an dessen Gepäckträger er nun schon 2 Säcke anbringen konnte. Mit wachsendem Wohlstand konnte er sich ein Motorrad leisten, mit dem er die Hänge weiter hinauffuhr. Schließlich besaß er einen Pickup, gefolgt von einem LKW, gründete einen Baustoffhandel und eröffnete einen Supermarkt für seinen Sohn. Leute, die Geld für die Ausbildung oder Heirat ihrer Kinder benötigten, boten ihm ihre Grundstücke an, und so kam er zu einem Plantagen-Imperium, das er heute nicht mehr überblickt. Inzwischen unheilbar an Krebs erkrankt, konnte er es sich immerhin leisten, die Chaos-Krankenhäuser Indonesiens zu meiden und sich sorgfältig aber letztlich erfolglos in Singapore behandeln zu lassen.

Quelle: Sterling Seagrave, „Die Herren des Pazifik – Das unsichtbare Wirtschaftsimperium der Auslands-Chinesen", 1995

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