Das war’s

im-Zirkus

Die Frau des Regierungspräsidenten (bupati) hatte Geburtstag, wir waren persönlich eingeladen. Um 10:00 sollte es, um 12:00 ging es los. Daß ich überhaupt wider besseres Wissen hinfuhr, hatte seinen Grund in einer angekündigten Vorführung von Minahasa-Mode. Auch sonst war adat angesagt, Demonstration der alten Kultur.

Als wir gegen 13:00 am Fuß unseres Vulkans eintrafen, war der weithin hörbare multiple Gottesdienst noch nicht zuende. Ein verfetteter, glubschäugiger Clown tobte mit Mikrofon im Zirkuszelt, einen amerikanischen Gospel-Prediger imitierend. Dabei schrie und sprang er herum, fuchtelte mit den Armen, wie ich es grotesker noch nicht mal im Film gesehen hab und spielte alle Arten von Gemütsbewegungen durch. Reine Blasphemie wie dieser Kleinbürger, dem Gott die Dummheit ins Gesicht geschrieben hat, religiöse Bewegtheit vortäuschte. Ich wollte mich gleich bescheiden in die letzte Reihe verziehen, aber als Ehrengäste waren für uns 2 Plastikstühle in der ersten reserviert – 4m neben dem rechten Boxenturm. Die Anlage wie immer so eingestellt, daß man sich schon beschossen vorkommt (beschissen sowieso), wenn einer nur das Mikrofon berührt. Als der Schmierenkomödiant sein Theater beendet und Frau Bupati gesegnet hatte, setzte Musik ein. Ich verließ fluchtartig meinen Platz und ließ mich wieder nach Hause fahren. Ein Junge in künstlich gealterten Jeans, mit scharzem Glanzjäckchen und rotem deutschem Kreuz auf dem Schlips (wahrscheinlich hält er jenes für ein christliches Symbol und weiß nicht, daß in D damit Panzer geschmückt werden) hatte mir singend den Garaus gemacht. Vorher begleitete ein musikalisch sensibler Mann einen Chor mit Gitarre, dem man nachsagt, er wäre als Wahlkampf-Koordinator für das Verschwinden der Reissäcke verantwortlich, die wir für den Endkampf im 2. Wahldurchgang spendeten. Jedenfalls sind die nie an ihrem Bestimmungsort angekommen. Lehrer an einer „International School" mit Spielschulden.

Ich muß mich von diesen Banausen weder betrügen noch durchvibrieren lassen. Wenn die Minahasa überwiegend schwerhörig sind, ich bin es nicht. Und diese kranke Kultur, die ihr adat längst verloren und durch „protestantisches" Show-business ersetzt hat, brauche ich nicht. Wenn man mit einem Bankleiter verhandeln will, zeigt der einem seinen Bildschirmschoner mit dem animiert-farbchangierenden Schriftzug „HALELUYA" drauf, und Ärzte missionieren die Schwestern an, während sie operieren (Gerade wurde wieder einer dieser Heuchler wegen Unterschlagung zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt.). Sensibilität ist ein Phänomen entwickelter Zivilisation, die Minahasa haben nur Krach zu bieten. Spielen mit Sound-Technik wie Kinder mit Handphones. Deshalb war’s das. Ich bin fertig mit dieser Gesellschaft. Solange sich das soziale Leben fest im Griff christlicher Sekten befindet, werden jene Wirren ihren Wahn nicht korrigieren können. Da bleib ich lieber in meinem Dschungel – mit gelegentlichen Ausflügen in kulturell hochstehende Regionen (auch in Indonesien) als Erfrischung.

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