Maß aller Dinge

Luzerner-Elle

Wenn Mad unseren Reis auf dem Markt verkauft, schreit er: „Hier, der beste Reis der Gegend! Könnt ihr selbst sehen!"
Das stimmt. Unser Reis ist begehrt – nicht nur weil er ungepanscht besser schmeckt, sondern auch weil die Kunden 1 Liter bekommen, wenn sie einen kaufen. Die Zwischenhändler dagegen, die mit wenig Mühe viel verdienen, benutzen oft Maßbecher mit nach innen gewölbten Rändern und Böden. Streichen sie dann den Rand noch schwungvoll mit einen Holz ab, enthält der Becher deutlich weniger als 1 Liter. Für die meisten Indonesier, die 3x täglich Reis essen, ist das durchaus bedeutungsvoll.

Schon im 13. Jahrhundert bemühten sich europäische Kommunen um Konsumentenschutz. Man wußte, daß man dem Betrug der Produzenten und Händler nur mit Festsetzung von Maßen und Kontrolle bekämpfen konnte. So wurden z.B. in Köln 1407 außerordentlich hohe Strafen für Übertretung der Brotgewichtsvorschriften eingeführt (H. Kühnel, „Alltag im Spätmittelalter"). Bäckereien konnten für ein Vierteljahr geschlossen oder der Bäcker sogar „geschupft" werden: Er wurde in einen Korb an einer Hebelstange gesetzt und eine Weile im Fluß oder Bottich angefeuchtet. In Leipzig wurde 1468 einem Bäcker wegen zu klein gebackenen Brotes das Bürgerrecht aberkannt und er aus der Stadt verbannt.
Auch wegen der von Ort zu Ort unterschiedlichen Maße- und Gewichtseinheiten begann man jene zu fixieren und sie an Rathäusern anzubringen, wo sie von jedem zum Vergleich benutzt werden konnten. So gab es Kontrolle von Größe und Qualität von Tuchen (s. Foto), von schlechtem Kalk, Zubermaß für Holzkohle, Maßformen für Ziegel und Pflastersteine, Richtmaße für Holz, geeichte Hohlmaße, Roggen- und Haferscheffel. Das Horten von Waren zur künstlichen Preissteigerung, der wucherische „Fürkauf", wurde ebenfalls durch Kaufordnungen für Korn, Salz, Kerzen, Blei und Silber bekämpft und unter schwere Strafe gestellt.

Und so schreit Mad auf dem Markt auch: „Kein gefälschtes Maß!" was er besser nicht tun sollte, um die Messer der Händler zu vermeiden, die ihn ohnehin schon belauern, ob er eventuell Dumping-Preise ansetzt. Und weil nicht genug kontrolliert wird, und die Kontrolleure im allgemeinen korrupt sind, blüht in Indonesien der Betrug. Jedoch haben wir nur selten Probleme mit vergifteten Nahrungsmitteln – weil es keiner merkt.

Beim Entwurf meines Hauses benutzte ich – erheblich abweichend von indonesischer Norm – MICH als Maß aller Dinge, denn wo ich reinpasse, paßt meine Frau allemal hinein.

Reismass

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