„JESUS LOVE PAPUA"

Asmat-Kruzifix

Tempo", aus dem ich dieses Foto geklaut hab, ist ein dem „Spiegel" vergleichbares indonesisches Journal, mit deutlichen Grenzen der kritischen Möglichkeiten. So wird z.B. in einem Artikel über die Christianisierung Papuas die offizielle Regierungslinie bestärkt und mit keinem Wort der Konflikt erwähnt, der dort weitgehend unter Ausschluß der Weltöffentlichkeit stattfindet.
Das eigentliche Geheimnis sind die Rohstoffe Holz, Kupfer, Gold und Erdöl. Deshalb zogen die Holländer erst 1962 ab, und Indonesien annektierte das Land 1969 nach einer „einstimmigen" Scheinabstimmung durch von der Regierung bestimmte Wahlmänner. Zusätzlich wurden die indigenen Stämme in Folge der Transmigrasi-Politik zu Minderheiten in ihrem eigenen Land. Seitdem existiert eine Widerstands-Bewegung, mit der das indonesische Militär bisher nicht fertiggeworden ist, und die für die Unabhängigkeit Westpapuas kämpft.
Ikonoklastische Missionare wirkten in Ostindonesien schon für die Holländer als Speerspitze der Kolonialisierung. Als erstes wurden immer die Kultobjekte zerstört oder als wertvolle Trophäen gestohlen. Und so staunten einst Besucher aus Papua-Neuguinea über den Fundus des Missionswerkes der Evangelisch-lutherischen Kirche in Neuendettelsau/Bayern, der aus Stücken bestand, die in Neuguinea schon nicht mehr vorhanden waren (allein 1 Steinskulptur im Wert von seinerzeit 100000DM). Der „Tempo"-Artikel versucht nun Geschichte auf den Kopf zu stellen, in dem er suggeriert, daß es heutzutage gerade die Missionare sind, die die alte Kultur bewahren und nicht die Touristen, durch die z.B. die Schnitzereien der Asmat zu teuer gehandelten Kunstobjekten wurden.
Die anfangs geringen Missionserfolge erforderten strategisches Umdenken, und so begann man, den Papuas Jesus als den lang ersehnten Gott einzureden, verbunden mit dem Cargo-Kult, dessen Inhalt ein erhoffter Waren-Strom mythischen Ursprungs ist. Als Folge entstand für eine Kirche in Agats dieser „schwarze" Christus aus Mangrovenholz, dessen Genitalität dem amerikanischen Pater wahrscheinlich sowieso besser gefällt als eine Marien-Schnitzerei. Und wenn die faszinierenden traditionellen Motive der Asmat, ein Stamm, der so indonesisch ist wie ich – wobei die noch nich mal Indonesier werden wollen – nach und nach durch Christen-Kitsch ersetzt sind, hat man nicht nur die räumliche sondern auch die geistige Eingemeindung erreicht.

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