Religiöser Import

Unterwanderung

Neben dem immer noch überall existierenden Animismus sind die ältesten religiösen Systeme in Indonesien Hinduismus und Buddhismus, die im 2. und 4.Jahrhundert aus Indien übernommen wurden. Im 14.Jahrhundert begann der Einbruch des Islam, ebenfalls aus Indien. Portugiesen brachten den Katholizismus und Holländer im 16.Jahrhundert den Protestantismus. Die Minahasa wurden erst im 19.Jahrhundert überwiegend protestantisch.

Auf den kommunistischen Putschversuch von 1965, dessen Existenz von Linken nicht akzeptiert wird, folgte die Entladung lange aufgestauter Emotionen. Bis zum durch Suharto niedergeschlagenen Putsch bestand nur die Frage, wer würde wen massakrieren: die Kommunisten (meistens Atheisten), die unter Sukarno Oberwasser hatten, die islamischen Nationalisten oder umgekehrt. Im folgenden nationalen Amok-Lauf, in dem sich die Linken überwiegend gelähmt wie das Kaninchen vor der Schlange zeigten, traten ganze Dörfer gegeneinander an. Schätzungsweise ½ Million Menschen kamen dabei gewaltsam um. Danach wurde jeder als Kommunist verdächtigt, der sich zu keiner Religion bekannte, und gezwungen, sich für eine der 5 staatlich anerkannten Religionen (Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus) zu entscheiden, was auf den Identitätskarten vermerkt wurde. Dieser Zustand hält bis heute an.
Viele derjenigen, die unter Verdacht standen, wählten christliche Gruppen, besonders auch Chinesen (meist Konfuzianisten), die pauschal als Kommunisten verdächtigt und diskriminiert wurden, so daß das Christentum in Indonesien (überwiegend auf Sumatra und den Molukken) einen signifikanten Aufschwung erhielt. Juden werden dabei Christen zugeordnet, Taoisten und Konfuzianisten dem Buddhismus. Erst nach dem Sturz Suhartos wurde den Chinesen wieder kulturelle Freiheit bewilligt, was sich auch in einem verstärkten Tempel-Bau beobachten läßt.

2007 gab es 86,1% Moslems, 5,7% Protestanten, 3% Katholiken, 3,4% Buddhisten und 1,8% Hindus (vorwiegend auf Bali). Diese Zahlen sind unzuverlässig, da sie mit denen von 2000 identisch sind, und da es starke Fluktuationen zwischen den Religionen gibt. Viele besitzen gar keine gültigen Ausweise oder gleich mehrere. Die Protestanten sind in eine Vielzahl von oft amerikanischen Sekten aufgesplittert: Lutheraner, Adventisten, Zeugen Jehovas, Pfingstler und deren zahlreiche Varianten.

Obwohl es in Indonesien verboten ist, jemanden anzumissionieren, der schon eine Religion hat, bleibt die Mission elementarer Bestandteil fanatischen Christentums. Während Katholiken und Moslems in ihren rigiden Systemen weitgehend unfähig sind zur Anpassung an die Moderne, ziehen sich die Protestanten jede Jacke an und integrieren nicht nur Pop-Musik sondern sogar Ostereier, Weihnachtsbäume und -männer als religiöse Symbole in ihren Kult. Nur der Hase hat es noch nich geschafft – vielleicht weil es hier keine gibt. Wenn man sich allein die stark voneinander abweichenden Jesus-Porträts ansieht, empfindet man das islamische Verbot der Gottesdarstellung geradezu als wohltuend und als dem christlichen Kitsch weit überlegen. Islamische Fundamentalisten beobachten argwöhnisch das aggressive Verhalten der Christen und versuchen mit allen Mitteln, den rasant fortschreitenden Kulturwandel aufzuhalten. Konkret persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung und Aggression habe ich bisher nur mit Christen in D und Indonesien.

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