Angriff der Sitzklos

Parade

Oft war ich hoffnungsvoll und froh,
Und später kam es doch nicht so.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Es war ein total mißglückter Dienstag, und es hätte mich nich gewundert, wenn auch noch die Aktienkurse abgestürzt wären. Normalerweise kann ich Dienstage ganich von Mittwochen oda Donnerstagen umterscheiden, aba dieser lag signifikant daneben.
Dabei hatte ich mir alles genau aufgelistet, um strategisch erfolgreich vorgehen zu können:

Brame
Philips
Kelenteng
Batik

Soweit alles klar, doch was bedeutete „Brame“ (Ich kann meine eigene Schrift nich lesen!)? Ach so! „Brause„! Ich brauchte 1 neue Brause. 1 Brause und 3 Ausstellungen in Manado.
Nachdem ich 1 Tablette gegen Hals-Nasen-Reizungs-Allergie eingeworfen hatte, war ich bereit, mit der „Kelenteng Ban Hing Kiong“ zu beginnen, des ältesten chinesischen Tempels in Manado. Dabei wäre ich beinahe festgeklemmt, denn der Fußweg zwischen umgebendem Gitterzaun und einem geparkten Lastwagen war nur noch so breit wie ich, und ich bin nich breit – meistens nich. Kaum ein paar Schritte in dieser hohlen Gasse, als von der anderen Seite nich Landvogt Gessler sondern eine etwas breitere junge Frau eintrat. Darauf bewegte ich mich im Rückwärtsgang wieda raus, denn ich wollte ja nich wie James Franco in „127 Hours“ enden, und wartete, bis die amüsiert lächelnde Frau aus dem Klemm-Canyon trat.
Im Tempel sollte eine „pameran“ (Ausstellung) üba dessen Geschichte zu finden sein – hatte in der Zeitung gestanden – war aba nich. Es gab dort nur 1 englisch-indonesisches „Visitor Information„-Faltblatt.

Von da aus zum Fischbrötchen. Im Foyer des IT-Center fand jedoch gerade eine Handphone-Promotion statt, bei der ein bebrillter Jüngling so laut ins Mikrofon brüllte, daß die Fische sauer wurden und aus den Brötchen sprangen. Also im Obergeschoß nur schnell mit illegalen DVDs eingedeckt (u.a. „Burke & Hare„. Zum TOTlachen!) – wobei mich zum 1. Mal dieser Mann im weißen Polo-shirt ansprach – und wieda raus zum Mega Trade Center, an dem übahaupt nix mega iss, und es noch nich ma gute Fischbrötchen gibt. Dort sollte eine Batik-Ausstellung sein, war jedoch schon vorbei. Stattdessen sah ich wieda den merkwürdigen Mann im weißen Polo-shirt, dachte mir aba noch nix dabei.

Vom angeblichen Mega Trade Center in die unweit hingeklotzte Mega Mall, wo eine Austellung von neuen Philips-Lampen aufgebaut war. Ich brauche eine, denn meine geht von selbst an und aus, obwohl ich ihr nix getan hab. Dort gab es tatsächlich Lampen – eine häßlicher als die andere – mit riesigen „Philips“-Schriftzügen auf den Sockeln. Was denken sich die Designer eigentlich dabei? Würde jemand auf Mies van der Rohes „Barcelona“-Sessel sitzen wollen – Ihr wißt latürnich jetz gleich, wie der aussieht – wo riesengroß „Mies van der Rohe“ auf dem Chromgestell steht? Iss doch abawitzich! Eine, die ich gekauft hätte, gab’s nich und Daniel Düsentriebs Helferlein-Lampe auch nich.

Kidsplace-Collection

Dafür gab’s eine schockierende Parade von Sitzklos, denn der ausstellende Laden iss eigentlich ein Kloladen. Elende Varäta! Niemals vorher sind mir Klos so militärisch bedrohlich präsentiert worden. Ein offensichtlicher Putschversuch gegen die guten alten indonesischen Sitten. Und da war WIEDA diesa vadächtige, bebrillte Mann im weißen Polo-shirt, wie er sich gerade über ein „Intelligence„-Klo beugte. Wirklich! „Intelligence“ stand auf dem Rand, und es hatte merkwürdige Sitz-Sensoren und Knöpfe. Die Verkäuferin wußte nich, was an dem Klo intelligent weil sie’s selbst nich iss. Dem geheimnisvollen Mann erklärte ich, daß man seinen Kopf in die Schüssel stecken und einen der Knöpfe drücken müsse, dann würde man intelligent. Hat er aba leida nich versucht.
Das war also auch nix. Blieb nur der Supermarkt im Keller, wo das Schiff mit dem Trink-Yoghurt noch nich eingetroffen war. Als ich an der neben der Kasse gelegenen Gepäckaufbewahrung unsere Tüte mit den Schuhen meiner Frau abholen wollte – meiner Frau fehlt es imma an Schuhen – war WIEDA dieser Mann da und beklagte sich darüber, daß seine Tüte verschwunden war. Meine Frau meinte, daß er wahrscheinlich ein CIA-Agent sei (Deshalb sein Interesse an „Intelligence„-Klos?), aba ich glaube das nich, weil CIA-Agenten eher Personen verschwinden lassen als ihre Einkaufstüten.

Auf dem Rückweg noch die Brause in einem Baumarkt gekauft. Zuhause paßte sie dann nich an den Hahn.

Die Wohnung roch nach Rauch, was meine algerische Nase sofort bemerkte. Als meine Frau Mad mitgeteilt hatte, daß wir am Dienstag nich da wären, befürchtete ich gleich, daß in unserer Abwesenheit die Mäuse tanzen würden. Und richtich: Mad hatte das Reisstroh der letzten Ernte angesteckt, was ich streng verboten habe, weil es nich nur die Veranden mit Flugasche eindeckt, sondern tagelang vor sich hinkokelnd die Atemwege reizt. Hinterhältige Bande! Zur Strafe bekamen sie unsere abgelegten Matratzen, die sie begeistert abtransportierten. Wahrscheinlich haben sie noch nie auf sowas geschlafen.

Also wirkrich, ein völliger Fehlschlag dieser Dienstag.

Ein Gedanke zu „Angriff der Sitzklos

  1. Pingback: Richtich kacken | Flaschenpost

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