Aufklärung

enlightenment

Warum in die Ferne schweifen, denn schon der englische Puritanismus hatte sich seit dem 16. Jahrhundert als Ablehnung der Spekulation und als unerschütterliches Beharren auf der Erfahrung als Grundlage allen Wissens und aller Philosophie entwickelt, selbst wenn „jeder Triumph des Wissens 100 Bekenntnisse des Nichtwissens in sich schlieβt” (Newton).

In Frankreich war die Revolution von 1787 eine Folge der Aufklärung. Hier ist besonders Voltaire (1694-1778) zu erwähnen, den man als ebenso geistreichen wie leichtsinnigen Spötter bezeichnete. Er versuchte die Vernunft auf allen Gebieten des Lebens durchzusetzen und die Menschen vom „Aberglauben” (Astrologie, Wahrsagen, okkulte Heilung) des „finsteren Mittelalters” zu befreien (Was nich geklappt hat, wie man u.a. am neusten Film „Hereafter" von Clint Eastwood erkennt.).

In Deutschland wurde „Aufklärung” ein philosophischer Begriff des 18. Jahrhunderts (nicht „enlightenment” im buddhistischen Sinne, sondern „by reason”). Der bedeutendste Vertreter war Immanuel Kant (1724-1804), den man auch den „Urheber des Geistes der Gründlichkeit” nannte. Für ihn sollte kritische Anlyse, die zu reiner Erkenntnis führt, sogar unabhängig von Erfahrung erstellt werden. Berühmt ist sein Grund-Gesetz der praktischen Vernunft, der kategorische Imperativ: „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne." 1793 wurde ihm vom König verboten, über religiöse Themen zu schreiben.

Schon für den griechischen Stoizismus war die Sentimentalität der Feind, nicht das Gefühl. Das pathetische Verhalten kann Liebe und Mitgefühl sogar hinderlich werden. Die „A-pathie” des Distanzierten ist nicht apathisch im modernen Sinne, sondern nur nicht pathetisch auf Grund vernünftigen Verhaltens. Einfacher ausgedrückt: Der eine glaubt überall auf der Welt eingreifen und verbessern zu müssen, der andere weiβ aus der Einsicht in die Natur des Menschen, das jenes Illusion ist. Der eine verschmiert die Welt mit Honig, der andere sagt, was er denkt und schafft Klarheit.

Kant setzte auf die Rationalität, die mit René Descartes (1596-1650; „cogito ergo sum" = Ich denke, also bin ich.) begann, der erkannte: „es ist weit wahrscheinlicher, daβ ein Mensch allein sie [die Wahrheit] findet, als ein ganzes Volk; deshalb konnte ich mir niemanden wählen, dessen Überzeugungen mir einen Vorzug vor anderen zu verdienen schienen, und fand mich gleichsam gezwungen, es selbst zu übernehmen, mich zu leiten.” Er war davon überzeugt, die erste Aufgabe des Philosophen bestehe darin, sich von allen Vorurteilen zu befreien und alles zu bezweifeln, was sich nur bezweifeln läβt. Seine skeptischen Zweifel beschrieb er in einer Schrift, die er „Meditation” nante.

Was man dagegen in buddhistischen Kreisen erleben kann, ist das Verschleiern der Wirkungslosigkeit und das sich Verlieren in Mystifikation bis hin zu rauschartiger Halluzination. Eben das Gegenteil von „Aufklärung”. Gläubige müssen sich gegen Vernunft mit allen Mitteln wehren, denn ihre kindlichen Phantasie-Konstruktionen sind dadurch bedroht und die damit erworbene scheinbare Sicherheit im Leben. Ich mußte es in „Tricycle" erfahren, wie heftig emotional allein schon auf das Zusammentragen von Fakten reagiert wird.

Die Aufklärung konnte weder die Guillotine in Frankreich noch Wounded Knee, Auschwitz, My Lai oder Fukushima verhindern, und auch die Zukunft erscheint eher radioaktiv strahlend.

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