Ein Vorbild

Bollywood-Ashoka

Die größten modernen Lehrer des Zen verwickelt in den Faschismus – da wurde es nun etwas dünn. Wo blieb das Positive am Buddhismus? Gab es überhaupt jemals funktionierende buddhistische Staatsformen? Thailand oder Burma würde ja wohl niemand dafür heranziehen wollen, und auch die tibetische Theokratie kann mit ihrem reaktionären Weltbild keine Antworten auf moderne Fragestellungen geben. Wenn man also Grundlagen und Werte der westlichen Kultur bewahren und nicht der Beliebigkeit preisgeben will, was bleibt dann noch an überzeugenden Beispielen?
„Ashoka!" antwortete ein amerikanischer Zen-Priester in „Tricycle", der immerhin schon kritisch feststellte, daß 5 von 6 Zen-Priestern sexuelle Beziehungen zu ihren Schülern unterhalten. Ich meinte dagegen, daß der ja wohl schon etwas alt und eher märchenhaft erschiene. Das möge ich erläutern, schrieb der Priester. Na gut (Das Schöne an Bildung iss ja, daß man auf interessante Sachen stößt, wenn man sich ein bißchen Mühe gibt.):

He had a second motive in promoting peace in his kingdom: he was worried about a rebellion. He had seen small-scale revolts when he was young, and he controlled a giant kingdom – it was in his best interests to keep control.” (Wikipedia Diskussion)

Die Geschichte des Buddhismus ist eine Geschichte der Disharmonie. 100 Jahre nach Buddhas Tod kam es im buddhistischen Klerus zu ernsten Meinungsverschiedenheiten, die zu sehr heftigen Richtungskämpfen führten. Nicht nur über die Lehre besteht bis heute Uneinigkeit, sondern es wurde auch nie der Nachweis erbracht, daß sich Buddhismus in einer weltlichen Regierungsform verwirklichen läßt. Und keine Theokratie hat jemals Staats-Kunst vorgeführt. Deshalb greifen Gläubige auf die Legenden über Ashoka zurück, der mit der Aura eines chakravartin umgeben wird.
Ashoka Vardhana bestieg den Thron im Jahre 273 v.Chr. – vielleicht gewaltsam – und herrschte über ein größeres Reich, als irgendein indischer Monarch zuvor besessen hatte. Es umfaßte Afghanistan, Beludschistan und das ganze heutige Indien mit Ausnahme des äußeren Südens. Eine Zeitlang herrschte er im Geiste seines Großvaters, grausam aber gut. Nach dem Besuch des Gefängnisses „Ashokas Hölle“ soll er eine Wandlung durchgemacht haben. Er gab Weisung, das Gefängnis zu zerstören und die Strafgesetze zu mildern. Gleichzeitig empfand er Bedauern über Tausende des aufständischen Kalinga-Stammes, die er abschlachten ließ. Er befahl, die restlichen Gefangenen freizulassen, erstattete den Kalingas ihr Land zurück und sandte ihnen eine Entschuldigung. Danach trat er dem buddhistischen Orden bei, trug eine Zeitlang Mönchstracht, gab die Jagd und den Genuß von Fleisch auf.
Es ist heute unmöglich, zu sagen, wieviel daran Legende und wieviel Geschichte ist; ebensowenig ist es möglich, die Beweggründe des Königs zu erkennen. Die auf Felsen und 10 erhaltenen Säulen eingemeißelten Edikte setzen ein zukünftiges Leben voraus und zeigen damit, wie schnell der Skeptizismus Buddhas vom Glauben seiner Anhänger verdrängt worden war. Buddha wird nicht erwähnt. Dagegen leuchtet Ashokas Selbstliebe aus jedem Edikt hervor.
Diese Saulus-Paulus Geschichte ist nicht nur nebelhaft sondern auch grundsätzlich fragwürdig. Der selbstüberhebliche Ashoka überschätzte die fromme Gesinnung seiner Untertanen. Nicht nur die Brahmanen, die für sich und ihre Götter Tieropfer dargebracht hatten, sondern auch viele Tausende von Jägern und Fischern waren über die Edikte verärgert, die das Töten von Tieren strengen Einschränkungen unterwarfen; sogar die Bauern grollten über den Befehl, „die Spreu nicht gemeinsam mit den darauf befindlichen lebenden Dingen zu verbrennen“. Das halbe Reich wartete schließlich sehnsüchtig auf Ashokas Tod. Ein Reich in dieser Größe entsprechend der buddhistischen Doktrin der Gewaltlosigkeit beherrschen zu können, widerspricht jeder Wahrscheinlichkeit und hat eher den Untergang seines Imperiums beschleunigt. Um die Verschwendung von Staatsgeldern an den Klerus zu stoppen, wurde Ashoka von seinem Enkel abgesetzt und sein Einkommen gekürzt. Von seinen späten Jahren weiß man nichts, nicht einmal das Jahr seines Todes, nach dem das Reich zerfiel.
Ein Historiker des 19. Jahrhunderts meinte, den Überlieferungen nach wirke Ashoka „halb wie ein Ungeheuer, halb wie ein Schwachsinniger“. Daß der von Ashoka reichlich mit Geschenken versorgte buddhistische Klerus ihn mystifizierte, erklärt sich auch dadurch, daß er das ganze Reich in manischer Weise mit Klöstern überschwemmte und so dem Buddhismus zur Weltreligion verhalf. Wie würde man Hitler heute beurteilen, wenn er nach dem Besuch eines Konzentrationslagers zum Buddhismus konvertiert wäre?
This guy is a brutal dictator who killed hundreds of thousands of people. Then he suddenly says ‚ok everyone be a vegetarian‘.” (Wikipedia Diskussion)

Ein Gedanke zu „Ein Vorbild

  1. hm. sehr interessanter Beitrag. aber keines dieser friedvollen Gottesreiche ließ sich ja bisher verwirklichen. Die Welt tickt ganz einfach anders.

    Ich denk mal, Hitler wär in sonem Fall eingewiesen worden (H)

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