Perfekte Anpassung

Duerckheim

Ich habe keine Grundsätze – ich mache mir Anpassung an alle Dinge zum Grundsatz. (Samurai Muga-Codex)

Eine der dreistesten Figuren in der deutschen Rezeption des Zen-Buddhismus war ohne Zweifel Karlfriedrich Graf Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin (1896–1988). 1932 wurde er Professor für Psychologie. Seine Karriere im Außenministerium Ribbentrops wurde durch die Entdeckung seiner jüdischen Oma behindert. Deshalb gab man ihm die Möglichkeit, als Gesandter nach Japan zu gehen. Dort erlebte er angeblich ein erneutes satori bei einer Teezeremonie (sein 1. bei der Lektüre des Tao Te King). In dieser Zeit übte er nationalsozialistische Propaganda-Arbeit in Japan aus. Ab 1938 hatte Dürckheim erstmals Kontakt mit Zen (unter anderem mit Meister Kenzô Awa, bei dem auch Herrigel kyūjutsu gelernt hatte.). Er begeisterte sich für die „soldatische Orientierung“ des Zen-Buddhismus, für die „Erziehungs-Natur des Krieges“ im Sinne des Bushidō.
Ein Lektor für deutsche Sprache und Kultur erlebte den Grafen als fanatischen Top-Nazi: „Dürckheim ging auch in die Klöster und hat dort Meditation betrieben. Aber diese Vertiefung in das zen-buddhistische Japan war zum Teil sehr übertrieben. Vor allem wenn man sah, wie er gleichzeitig Nazi-Propaganda machte … Er hielt überall und ununterbrochen Vorträge, die auch ins Japanische übersetzt wurden. Die deutschen Texte wurden dann an sämtliche Deutsche in Japan verteilt. Beinahe täglich bekam man mit der Post irgendeinen Vortrag von Graf Dürckheim. Es war schrecklich. Er war sozusagen ein Edel-Propagandist von hohem intellektuellen Niveau, der durch das Land zog und den Nazismus und die Reichsidee predigte.“ Dürckheim war zweifellos Nazi, und offensichtlich einer von der unappetitlichen Sorte. Dies hat er, wie so viele andere, sehr schnell vergessen, ohne darüber zu reflektieren.

Sein 1961 erschienenes viel beachtetes Buch „Zen und wir“ enthält – abgesehen von der zähen, antiquierten Philosophen-Sprache – durchaus sehr zutreffende Beschreibungen des Zen, aber sein eigener „Abbau des Ichs, des machtdurstigen, geltungsbedürftigen und am Besitz haftenden Ichs, das immer ängstlich auf seinen Bestand, seinen Erfolg und seine Position bedacht ist“, steht unter dem Verdacht „der existentiellen Lüge“.
In den 60er Jahren traf sich der Graf mit dem neofaschistischen Philosophen Julius Evola zum geistigen Austausch und übernahm von diesem die spirituellen Grundlagen für seine „initiatische“ Therapie. In der Zen-Philosophie, die Dürckheim seit den 50er Jahren – neben Herrigel einer der bekanntesten Autoren – durch zahlreiche Bücher und Vorträge verbreitete, klingt immer wieder die „soldatische Orientierung“ dieser Religion durch. Die Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit faßte der deutsche Zen-Philosoph in dem Satz zusammen: „Ein Nazi war ich nicht, aber auch kein Anti-Nazi“.

manji-&-koshin

4 Gedanken zu „Perfekte Anpassung

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