Sitting Duck

Krake Japan

Da sitzen wir also wieder und hoffen interaktiv, daß auch dieser Kelch an uns vorübergeht und lieber die Amerikaner oder Chinesen vergiftet werden. So gesehen war die Wahl meiner Insel ja gar nicht schlecht, denn als ich 1986 auf der Veranda saß, war ich am Geschenk aus Chernobyl wesentlich näher dran, und es bestärkte meinen Wunsch, da rauszukommen.
Trotzdem will sich keine rechte Erleichterung einstellen und kein asiatischer Fatalismus, denn die Japaner scheinen ihr selbst verschuldetes Desaster relativ ruhig hinzunehmen. Was sollen sie auch sonst tun in ihrer selbstgebastelten Falle. Das hat Tradition. Schon immer von der Größe der eigenen Kultur überzeugt, erklärte Zen-Meister Ean (1225-77), daß „bis zum Ende der letzten Generation dieses UNSER Land alle anderen Länder übertreffen wird." Selbst Hakuin (1686-1769), einer der bedeutendsten Zen-Meister, teilte diesen Ethnozentrismus: „Obwohl UNSER Land weitab liegt, ist sein Kaisertum ewig, edel sind seine Menschen. So übertrifft UNSER Land andere bei weitem … Dieses UNSER Land ist rein und göttlich". Weitgehend, möchte man voller Bewunderung einwenden, doch hat diese sehr asiatische Art, um JEDEN Preis das Gesicht zu wahren, nicht nur in Japan viel Unheilvolles erbracht.
In Sachen Umwelt- und besonders Meeresschutz kann der Ruf Japans kaum noch schlechter werden, und nun werden wir japanische Nahrungsmittel sorgfältig vermeiden. Was mit den Fischschwärmen des Pazifiks generell geschieht, wird sich noch zeigen.
Schon einmal hatte Japan die Region aus nationalem Wahn großflächig belästigt (s. Propaganda-Plakat aus WWII), und deshalb fügten sie sich so gut zu einer Achse zusammen: Japan und Großdeutschland – wobei hinter der gegenseitig beteuerten Freundschaft immer auch das Gefühl der rassischen Überlegenheit gegenüber dem Partner stand.

Doch es sollte mich freuen, wenn Du mit 70 Jahren feststellen könntest, daß nur einer von uns hereingefallen ist", schrieb mir mein Vater einst, und ich erfuhr wirklich die „Gnade der späten Geburt", wie es Helmut Kohl – viel geschmäht, aber doch wahr – ausgedrückt hatte. So blieben mir in einer überwiegend friedlichen Umwelt die tragischen Entscheidungen meiner Vorfahren erspart. Wie massiv die Verquickung von Zen-Buddhismus, der einzigen Philosophie, der ich für mein eigenes Leben gewisse Leitlinien entnehmen konnte, mit dem deutschen Faschismus und Totalitarismus allgemein war, wurde mir – trotz generell kritischer Haltung – jedoch erst im letzten Jahr bewußt. Da eröffnete ein amerikanischer Buddhist in der Online-community „Tricycle" eine Diskussion, die der Reinwaschung des größten modernen Zen-Idols D.T. Suzuki dienen sollte – stattdessen aber auf die Anschuldigungen neugierig machte, die Prof. Brian Victoria erhoben hatte. Und so stieß ich auf Victoria, der mir mitteilte, daß ich der einzige Deutsche wäre, der auf die deutsche Ausgabe seines Buches „Zen, Nationalismus und Krieg" reagiert habe. Diese Ausgabe war für Victoria schon deshalb wichtig, weil japanische Geldgeber die Veröffentlichung einiger Kapitel der Originalausgabe verhindert hatten, die aber in der deutschen Ausgabe zu finden sind. Da sich Victoria unter heftigem Beschuß empörter Buddhisten befand, suchte er nach deutschen Quellen, die die Verwicklung japanischer Buddhisten mit den Nazis und speziell Suzukis Rolle illustrierten. Seitdem fertige ich Übersetzungen für ihn an und komme aus dem Staunen über die immer größer werdende buddhistische Schlammwolke gar nicht mehr raus. Auch fing ich an, eine Serie „Masters of Confusion" in „Tricycle" zu veröffentlichen, für die ich nicht nur Bestätigung von amerikanischen Buddhisten erhielt, die dadurch auch Neues über ihre „Idole" erfuhren, sondern ich wurde dermaßen unbuddhistisch angegriffen – besonders von einen anscheinend Geisteskranken, der mich schon mehr als ein Jahr verfolgt hatte – daß ich schließlich aufgab. Die Bezeichnung „Judas" in offensichtlicher Ermangelung eines passenderen pali-Begriffs, war dabei noch das Harmloseste.

ZNK

Ein Gedanke zu „Sitting Duck

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