Open Concept

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Das könnte man als traditionelle malayische Architektur in der Minahasa-Variante ansehen (aus „Sejarah & Kebudayaan Minahasa", Jessy Wenas, 2007). Erdbebensicher, gut belüftet, umsetzbar, Weichdach. Traditionelle Architektur in Malaysia (aus „Building a Malay House", Phillip Gibbs, 1987) hat im Detail wesentlich Schöneres zu bieten: mehr oder weniger reich beschnitzte Lüftungsöffnungen, Fenster und Türen.

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Das Haus, welches ich für unseren Vorarbeiter Mad entwarf und baute (eigentlich für seinen alleinstehenden Bruder, aber der zog es nach einer Weile vor, Spieler & Dieb zu bleiben), ist an diesem Konzept orientiert. Als Ersatz der schnell ruinierten Palmblattdächer hier das gebräuchliche Wellblech, das die Räume erheblich stärker aufheizt. Für Mad, der mit seiner 6-köpfigen Familie in einer erbärmlichen Bambushütte auf dem Grundstück eines ausbeuterischen Landlords gehaust hatte, war das ein Ausbruch aus Armut in gesicherte Verhältnisse von einem Tag zum anderen. Durch Bambus-Anbauten verdreifachte er die Nutzfläche und verhäßlichte die Anlage. Miete zahlt er nicht, dafür ist sein Lohn gering.

Mad's-Home Bessere Verhältnisse würde er nirgendwo finden. Deshalb sollte man annehmen, daß er das Haus zumindest pflegt oder wenigstens eine hygienische sanitäre Situation schafft. Doch wie man sieht, hat die blaue Farbe nicht weit gereicht, und auch der Versuch, die Schalung mit Öl zu schützen, hat nur den Fleck erbracht. Der Veranda-Fußboden zeigt ein Loch, obwohl Mads Schwiegervater, der sich gegen unseren Willen, nachträglich etabliert hat, Zimmermann ist. Auch fehlt 1 Fensterscheibe. Die Treppe ist bereits vergammelt.

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Die Kinder pissen rund ums Haus, die Ziegen auch darunter. Die eigentliche Kackstelle befindet sich in Deckung hinter der Palmenreihe, wahlweise im Open-air-Bad rechts am Auslauf eines Teichs, oder wo’s gerade paßt. Open concept. Man ist jedoch sehr empfindlich, wenn jemand irgendwo direkt neben den Weg kackt. Strom kommt über ein gewöhnliches Haushalts-Kabel auf Bambusstangen von der Hütte weit im Hintergrund, weil ich kein Kabel vor der Nase haben wollte. Die Töchter beklagen sich über Hautreizungen. Das Wasser, in dem sie baden, ist je nach Zustand unserer Reisfelder lehmbraun. Zusätzlich enthält es Dünger und Pestizide. Schon vor Jahren hatten wir angeraten, einen Brunnen zu graben, doch Handphone und TV sind wichtiger. Wenn Mads Töchtern der Rock der Schuluniform im Regen naß wird, gehen sie am nächsten Tag nich hin. Ein Zweitrock würde etwa so viel wie 1 Monat Handphone kosten, das zur Ausrüstung des modebewußten indonesischen Schülers gehört.

Jetzt wird die ganze infantile Bande, die sich mit zahlreicher Gorontalo-Verwandtschaft leicht auf 17 Personen vermehrt und uns immer wieder zu dominieren versucht – auch mit der Ehrlichkeit hapert es gelegentlich – mitsamt Haus außer Sichtweite umgesetzt. Durch Großzügigkeit einen funktionierenden Status Quo herstellen zu können, wie ich früher glaubte, funktioniert einfach nicht.

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