Kleine Schreikunde

singstar

Wellenartige Schwingungen, die durch einen elastischen Schreihals erzeugt werden, übertragen sich auf die Luft und treffen leida das Ohr an seiner empfindlichsten Stelle, dem Trommelfell, in dessen Nähe sich Gehörnerven befinden, die den Lärm auch noch zur vorderen Querverbindung des Schläfenlappens senden. Hier werden besonders künstliche Stimmungen als Ton empfunden, deren ungeordnete Masse bei Vorhandensein von Metrik in Musik ausartet. In der Melodie spiegelt sich das alkoholabhängig bewegte Innenleben des Minahasa wider, dessen Wirkung von Tempo, Stromversorgung, Sound-System, gesundheitlichem Allgemeinzustand des Vortragenden und dem Nachbarschaftsverhältnis abhängt. Dabei werden besonders der Schleifer, der Pralltriller und der Nachschlag ab 23:00 als störend empfunden. Bei mehreren Lärmquellen gleichzeitig spricht man von Polyphonie, bei Unterordnung der Gesamtbevölkerung unter eine Melodie mit Verzicht auf musikalische Qualität von Homo- oder auch Egophonie. Wobei die Dissonanz (Klangzweiheit) mit extremer Amplitude als charakteristisches Phänomen der modernen Karaoke-Darbietung angesehen wird. Durch Umlagerung der Leittöne (Modulation) geht die Beziehung des harmonischen Ablaufs zur Ausgangstonart meist völlich verloren. Eins der wesentlichsten formbildenden Mittel der musikalischen Kunst, die Imitation, ist dominante Methode des vor sich hinschreienden Minahasa.
Bei den mehrstimmigen Vokalformen ist die Messe eine der bedeutendsten Darbietungen. Man unterscheidet Industrie- und christliche Messen, wobei in der 12teiligen lutherischen „Deutschen Messe" in Hannover Teil 11 der wichtigste iss: die Kollekte!
Bei den reinen Instrumentalformen sei hier nur der Marsch erwähnt, den der Minahasa hauptsächlich bei traurigen Anlässen wie Beerdigungen (Marcia funebre) und Hochzeiten einsetzt, und der ernsthafte Bewegung und ein sehr bestimmtes, ununterbrochenes Metrum verlangt (UM-TATA, PFF-PFF-TSCHIE, SCHNÄDDERÄDÄNG).

Der gemeine Minahasa ist dem Blasebalg vergleichbar, der durch den Druck der aus seiner Lunge auströmenden Luft im Kehlkopf jene meist unangenehmen Töne erzeugt. Dabei produzieren die längeren Stimmlippen der Männer (durchschnittlich 20mm) tiefere Töne als die kürzeren Stimmlippen der Frauen (15mm) und Kinder (6-8mm). Die Kastraten-Tonlage, der sich der männliche Minahasa normalerweise bedient, läßt auf eine Stimmlippenlänge von nur ~10mm schließen. Die Micky-Maus-Töne der Minahasa-Frauen beruhen vermutlich auf einer unter 10mm.
Wenn Notker, der Stotterer, nich die Sequenzen in St.Gallen erfunden hätte, wäre uns die inzwischen gewaltig angeschwollene Zahl der Kirchengesänge erspart geblieben, die bereits vom Tridentiner Konzil (1545-1563) erfolglos auf 5 beschränkt wurde. Aber stattdessen sind wir heutzutage dem ständigen Wechsel zwischen schlicht-melancholischem Suff-Geheule und ungehemmter shabu-shabu-Ekstase (Kokain) ausgesetzt, und dies auch noch poly- oder hemmunglos individuell homophon. Und als gegen Ende des 16.Jahrhunderts die Hochrenaissance die letzte Stufe des Ego-Wahns erklomm, über die chorische Homophonie hinaus zum Einzelgesang überging, bekamen wir das Schlimmste übahaupt: Monodie und Karaokie, die ohrzerreißende Musikpflege des globalen Möchtegerns, nur noch übertroffen durch gymnasiale Musicalie, die schon von Richard Wagner mit den Worten kritisiert wurde, daß der Irrtum in jenem Genre darin bestehe, daß ein Mittel des Ausdrucks (die Musik) zum Zwecke, der Zweck des Ausdruckes (das Drama) aber zum Mittel gemacht werde. Achso!

Der heutige trostlose, orgelbegleitete Gemeindegesang in seiner rhythmischen Verarmung, besteht erst seit dem 17. Jahrhundert („Mein Gmüt ist mir verwirret" von Andrea Gabrieli). Neben der kulturgerechten Übasetzung von „Es ist ein Reis entsprungen" (Michel Praetorius) hat der Minahasa allerdings auch Eigenes vollbracht, in dem er grell weltlichen Pop-Songs christliche Texte verpaßte (Jesus inside). Wen soll es wundern, daß hiergegen nich mal Schwerhörigkeit hilft, wenn Musikproduzenten es selba sind (Beethoven). Und so besteht das musikalische Leben immer im gegenseitigen Austausche, im gegenseitigen Geben und Nehmen zwischen dem vortragenden Schreihals und dem Zwangshörer, der die Polizei zu rufen versucht – wenn er nich mit seiner Kabelzange hingeht. Für 2011 iss ein besorgniserregendes Versiegen des Minahasa Musiklebens zu befürchten, da das Jahr offiziell zum Anti-Sauf-Jahr erklärt wurde. Na, wolln wa ma sehn.

volle-Ekstase

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