House of dura

beauty

Keiner weiß, was „dura“ bedeutet, doch war es einfach ma wieda Zeit für ne Operation inner „Beauty Clinic„, obwohl sich das bei mir eigentlich nich mehr lohnt. Letztes Mal hatte mir Tommy sonen Torpedo aus dem Rücken geschnitten, jetzt sollte ein mir unbekannter Arzt einen erbsengroßen, dunkelbraunen Fleischhaufen gleich daneben entfernen, weil der mich ab und zu in den Rücken stach.
Im „House of dura“ werden vorwiegend Frauen geraspelt, geschliffen, durchgewalkt und mit verschiedenen anderen Methoden verarscht und ausgenommen. Das reichliche Personal ist von mittel- bis sehr mäßiger Schönheit und im Gegensatz zu einer Autovertretung nich einheitlich uniformiert. Vielmehr rennen sie alle gemäß ihrer Funktion gekleidet (Oberlöterin, Unterschmierglerin, Hilfsfräserin) durcheinander, verschwinden in geheimnisvollen Zimmern, sind plötzlich alle wech und dann sind se wieda da und lächeln einen schmierich an.
Zunächst mußte ich trotz Terminvereinbarung 1 Std. warten, weil man das Gerät zur Sterilisierung der Werkzeuge ersma „suchen“ mußte. Würde man solches einem Patienten in D mitteilen, leerte sich das Wartezimmer wahrscheinlich von selbst. Ich aba bin Schlimmeres gewohnt und blieb ruhig auf der Corbusier-Sofa-Imitation sitzen. Wassen Glück, daß Le Corbusier das nich mehr erlebt hat. Setzt man sich drauf, sinkt man ½m ein, und in die Rückenlehnen ham se anscheinend Sperrholzplatten geschoben. Das war hart aba nich hoffnungslos, denn nach einer Weile kam – obwohl noch ganich Ostern iss – ein schwarz gekleideter Mann, der so tat, als ob er der Arzt sei und wartete mit. Er wirkt als Evangelist, d.h. er veranstaltet Erweckungs-Discos mit voller Ekstase und ebensolcher Lautstärke. Das Netzwerk des internationalen christlichen Imperialismus organisiert nich nur Israel- sondern auch Europa-Reisen für diese Verwirrten, und deshalb fing er an, mich über D auszufragen, das er in einigen Wochen kennenlernen sollte. Welche denn die Hauptstadt von D sei, fragte er mich, und: „Liegt Frankreich im Osten oder Westen?“
„Im Westen.“
„Im Westen? Nicht im Osten?“
„Im Westen!“
„Links oder rechts?“
„Links!“ Eigentlich wollte ich sagen, daß es drauf ankäme, wie man in D stehe, aba dafür reichte mein Indonesisch nich. Jedenfalls hoffte ich, daß er wenigstens schneiden könne, wenn er sich in D schon nich medizinisch fortbilden will.
Dann sollte ich den Operationsraum entern, vor dem der schwarze Arzt und die 2 Helferinnen in unklarer Funktion und Kleidung ihre Schuhe abgestellt hatten, damit innen alles schön steril bleibt. Das bemerkte ich zu spät und latschte mit meinen Sandalen rein. Ein moslemischer Gebetsraum konnte es nich sein, denn an der Wand hing über mir ein dünnes Holzkreuz – wie damals in Adolfs Garage, wo man meinen toten Vater aufgebahrt hatte. Ich lag auch so zentriert.
Nachdem ich mich bäuchlings auf der OP-Liege ausgebreitet hatte, stellte sich heraus, daß was fehlte, und eine der Frauen ging noch ma eben zur Apotheke, die anderen wieder raus. So lauschte ich verlassen der elektronischen Gamelan-Musik aus einer jener alles-drin-Orgeln. Gott sei Dank liefen nich mehr die Gregorianischen Gesänge, denn das kann den Patienten – zusammen mit dem sterilen Kreuz – vor einer Operation leicht auf nich ganz abwegige Gedanken bringen. Angenehm war – wenn auch etwas laut – daß ich jetzt nich mehr synchron das TV-Programm im Warteraum sehen und hören mußte. Diese Dualität, oft auch Tertial- oda Multi-Phonie, erlebt man überall. Obwohl der gemeine Wilde seine Ohren nich wie meine Ziege auf Schallquellen ausrichten kann, ist er sehr wohl in der Lage, einem TV- bei gleichzeitig voll laufendem Musik-Programm und auch noch einem Gespräch zu folgen. Ich kann das nich.
Während der evangelistische Arzt oda schnippelnde Evangelist mir den Rücken aufschlitzte, erzählte er den Assistentinnen alles mögliche über Jesus, was ich aba leida nich verstand. Schaden kann sowas ja eigentlich nich. Doch begann plötzlich das hape des missionierenden Metzgers zu gröhlen: so eine Art volle-Kanne-komm-zu-Jesus-Pop-Chor. Das Schöne an Klingeltönen iss, daß man gleich auf den Geisteszustand des Angeklingelten schließen kann.
Nachdem mich der Heilige wieda zugenäht hatte, gaben sie mir mein Fleischstück, damit ich es von som Beschauer beschauen lassen kann, ob es eventuell rumkrebst, aba dazu hab ich einfach keine Lust. Imma all diese nervigen Fragen üba D und meine Religion, und dicht war das Fläschchen auch wieda nich. Um mein Fleisch-Fitzel an die Katzen zu verfüttern, isses wiederum viel zu klein. Also was mach ich nu damit?
Mit ~267EUR war die winzige Operation diesma ungewöhnlich teuer – vielleicht weil Jesus dabei war. Hätte der Schwarze beim Schnippeln auch noch gesungen, hätte ich 10% Preisnachlaß gefordert. Jedenfalls kann er sich jetz ne Europa-Karte leisten.

Schnipsel

2 Gedanken zu „House of dura

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