Weihnachten im Libanon

SSSBOOM

„Sie aber schrieen: Weg mit dir! und sagten: Kommt der da ganz allein als Fremdling her und will den Richter spielen! Nun, wir wollen dir Schlimmeres antun als ihnen." (1. Buch Mose 19/9)

Neuste Corporate Identity der Christen Nordsulawesis iss die SMS mit Weihnachtsbaum aus Zeichen. An der Spitze das ¥-Symbol. Dazu noch netzverstopfende Bibelzitate (800 Mio. mobile Internetnutzer in China bis 2015). Eigenartig – mir fällt dazu imma das 1. Buch Mose 19 (Untergang von Sodom und Gomorrha) ein.

Im Gegensatz zu den USA kenn ich den Libanon nur aus Filmen. Akustisch muß das dort während der Kriege wie in unserer Region sein, so daß ich mir den Gewehr-, Artillerie- und Bomben-Sound gut vorstellen kann. In den bombigen Jahren wurde Feuerwerk verboten, weil es wie immer unkontrollierbar drunter und drüber ging. Danach begann es wieder von November bis Februar, und nun haben wir es ganzjährig. Wer eine dieser Krachparties bis zum Morgengrauen veranstaltet, mag nicht mehr auf Raketen und Knaller zu jeder beliebigen Nachtstunde verzichten. Iss ja auch schön und sozial. Eigentlich wird Weihnachten nur 1 Tag gefeiert. Diesmal waren es 3, und der Krieg geht weiter. Im 2km entfernten Nachbardorf residiert eine korrupte Parlamentarierin, die uns immer wieder mit gut hörbarer Musik bis zum Morgen versorgt. Dabei wird der Gesang besoffener, scheinbar kastrierter Männer und abgewrackter Opernsängerinnen, der klingt wie tausend jaulende Höllenhunde, ab 23:00, wo wie vorgeschrieben Schluß sein soll, in der Regel erst richtich laut. Wie viele andere Angehörige der High Society schwebt diese Dame, die Jura studiert hat, über dem Gesetz. Außer der Anti-Korruptions-Behörde wagt es keiner, sich ihr entgegenzustellen. Polizei erscheint höchstens zum Mitsaufen. Nachbarn, die um 6 zur Arbeit müssen, deren Kleinkinder nich schlafen können, würden eher Steine auf’s Dach oder – noch origineller – mit Knallkörpern werfen, als dem asozialen Ruhestörer offen die Meinung zu sagen, denn das iss gefährlich – wie ich kürzlich erfahren mußte.

Anscheinend iss genuch Geld zum Verpulvern da. Kaum einer jener oft sogar verbeamteten Gesetzlosen, der nich schon versucht hat, uns anzuzapfen, wir verspüren jedoch keine Neigung, deren Exzesse auch noch zu finanzieren. Wenn die Nachricht stimmt, daß hier diesmal Knaller im Wert von 1,6Millionen € in den Handel gelangten (70min offizielles Silvester-Feuerwerk in Manado), so könnte das vielleicht für so manche mitteleuropäische Christengemeinde Anlaß sein, über ihre Spendenpraxis nachzudenken. Wie in den meisten Fällen iss nich die Armut das Problem, sondern die Dummheit und wofür das Geld verwendet wird.
Jahresende in Nordsulawesi – wie im Tollhaus. Das muß man übaleben. Ohren anlegen und durch.

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