So geht das nich

fuenfzigtausend

Karel machte mich in Manado beim Fischbrötchen-Essen im „Popeyes" an. Radio-Journalist („96,5fm"), „Doktorandus", in D studiert. Ob er mich interviewen könne? Klar. Also hielt er mir so 1 kleines Kästchen vor die Nase und stellte lauter merkwürdige Fragen. Als er es abhören wollte, war nur der Krach des IT-Centers drauf, wo an jedem Stand Höllen-Discolärm kreischt + der „Musik"-Lärm, den „Popeyes" aus den Deckenlautsprechern auf die Kunden hämmern läßt. „PFSCH-WUMM-KRSS-RUMS!" Höhen maximal, Baß maximal, Nervenzerbröselung auch.
So wurde Karel gleich akustisch veranschaulicht, was ich ihm erzählt hatte: Die Minahasa träumen vom Geld, welches sie à la Singapore und Bali aus den Touristen saugen wollen, haben aber keine Ahnung, was jene mögen. Außerdem sind sie überwiegend mit sich selbst beschäftigt, das Laden-Personal sowieso.
Daraufhin begab sich Karel ins Obergeschoß und spielte dem Center-Manager die mißglückte Aufnahme vor. Der soll beschämt gewesen sein. Geändert hat sich nix. Aber Karel wollte mich besuchen und dann das Interview wiederholen.

Normalerweise kommt der Minahasa bei einer persönlichen Einladung mit gefülltem PKW (7) oder gleich mit einem Kleinlaster und bringt auf der Ladefläche seine Verwandtschaft mit, die die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen läßt, 1 Weißen im Zoo zu beobachten. Karel kam mit seinem Radio-Boß und 1 LSM-Vertreter (Lembaga Swadaya Masyarakat). Das sind anmeldepflichtige Bürgerinitiativen, die sich um gesellschaftliche Probleme kümmern. 2 derartige „Vertreter" hatten sich mal bei der Imigrasi Bitung über mich beschwert, daß ich unser Dorf störe, indem ich darauf bestehe, nachts schlafen zu können, waren dort aber abgeblitzt, und weder die Personen noch deren Organisation konnten identifiziert werden. Außerdem war er Mitglied einer Corruption-Watch-Gruppe.
Auch diesmal wurde ich nicht recht schlau aus dem, wohin Karel eigentlich tendierte. Wieder hielt er mir son Dingsbums vor’s Gesicht: Welchen Beitrag („kontribusi") ich hier leisten wolle?
Ich war verblüfft. Einmal fängt man so kein Interview an, und wieso habe ich als Privatmann, der nach Indonesien umzieht, etwas für das Land zu leisten? Diese Idee müssen sie von den Missionaren oder missionarischen Entwicklungshelfern haben, denn das hörte ich nicht das 1. Mal. Sie wollen immer etwas von mir, am liebsten Geld oder wenigstens kostenlosen Unterricht. Wie die Aasgeier.
Nun, ich zählte ihm auf, was ich hier schon alles geleistet habe, wir kamen aber dann doch noch auf meine Sichtweise der Zu- und Mißstände. Im Grunde waren wir uns einig: KUHP = Kitap Undang-undang Hukum Pidana = Strafgesetzbuch, das leider zu wenig zur Anwendung kommt, wird im Alltag zu kasih uang – habis perkara = Geld geben – alles erledigt. So funktioniert z.B. die Polizei. Ruft man an, heißt es: Ooh, wir haben kein Benzin, Reifen platt, kein Auto, nur allein auf der Wache. Fließt Geld, läßt sich das alles beheben. So lachten wir auch über UUD = Undang-undang Dasar = Grundgesetz, das zu ujung-ujung doi wird (am Ende das Geld). Ich sollte das alles auch noch für sie aufschreiben. Sie wollten aus verschiedenen Quellen Beiträge zur Verbesserung der Situation sammeln und daraus 1 Radio-Aktion machen („No fighting!"). Sollte ich es mit Idealisten zu tun haben? Total ungewöhnlich. Ich sagte ihnen, daß ich hier niemanden erziehen will – außer in Notwehr.

Bei der Verabschiedung hatte Karel noch 1 Bitte. Er wolle es gleich ganz offen sagen: Ob meine Frau ihnen vielleicht etwas Benzin-Geld geben könne?
Zum Glück für Karel hab ich das nich mitbekommen, und meine Frau erzählte es mir erst später, weil die 30EUR für sie alltäglich sind: Man bezahlt für das Interviewt-werden, obwohl die Journalisten das offiziell dementieren. Wird zu wenig gegeben, wird nur entsprechend mickrig veröffentlicht. FUCK! Wieder verarscht! Da hatte ich mal wieder die eigene Ausbeutung mit Kaffee und Kuchen zelebriert.
WER wollte das Interview? Ich brauch keine Werbung! Reis und Ziegen verkaufen sich von selbst. Fuck die Werbung! Ich will Kultur und menschliche Beziehung. Iss das vielleicht Geschäfts-Prinzip, Karel? Wie diese Verlage, die nich am Verkauf von Büchern verdienen, sondern an eitlen Autoren, die das Drucken ihrer Werke selbst finanzieren. Oder wie all diese indonesischen „Helfer", die sich dann als Professionelle entpuppen. Man sollte 1 neuen Straftatbestand in das KUHP einfügen: Dienstleistungs-Entgelt-Erschleichung.
Das Benzin hätte etwa 7EUR gekostet.
Sie sind ALLE korrupt, und deshalb wird das hier nix.

Die Banknote zeigt den Seetempel Ulun Danau am und im Bratan-See/Bali. Der iss auch korrupt.

Ulun-Danau-Bratan-See

3 Gedanken zu „So geht das nich

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