Tourismus-Jahr 2010 zuende

down

„Guten Morgen so wie geht’s? prima oder? was machn die dann? zu Hauze oder anderen Planet? Ok viel Glueck AG Ruli"

Wegen des gehobenen Finanzbedarfs ist ein vorweihnachtlicher Brauch das Entreißen von Handtaschen vom Motorrad aus (gegebenenfalls mit Aufschlitzen des Arms und Abhacken von Fingern). Zum Abschluß des Tourismus-Jahrs (Manado = Welt-Tourismus-Stadt = Flop) wurde dort noch einer niedergestochen. Sowas kann mir auch passieren, und die Entscheidung, geh ich wieder hin und stürm die Krach-Party oder nich, ist eventuell eine auf Leben oder Tod.

Als ich von Bali zurückkehrte, hatte ich alles vergessen. Sogar Erik, den Schmächtigen, der mich geschlagen hatte. Erst als mich gleich bei meiner Ankunft im Lorong Jerman die Subwoofer begrüßten, fiel mir die Gerichts-Verhandlung wieder ein: Nachdem Erik u.a. sogar seinen Opa angegriffen hatte, war er diesmal an den Falschen geraten.

Ich hatte keine Ahnung, wie er eigentlich aussah, als ich die Eingangshalle des Gerichtsgebäudes betrat, vermutete aber gleich, daß jener kleine, dünne Mann ganz in Schwarz, der ängstlich an den begleitenden Polizisten ranrückte – dabei überaus nervös kettenrauchend, jeden Blickkontakt vermeidend – jener hasenfüßige Verwirrte sein mußte, der nächtens erfolglos versucht hatte, mich niederzuschlagen. Mein Anzeige-Protokoll wurde extra nochmal geändert, weil Erik bei der polizeilichen Vernehmung protestierte, er hätte mir den Fausthieb nicht von hinten sondern von der Seite verpaßt. Wenn ich von hinten geschlagen worden sei, müsse es jemand anderes gewesen sein. Auch noch raffiniert, das Luder! So machten wir daraus: Da er mich von der Seite angegriffen habe, hätte ich ihn beim Umdrehen noch gesehen. Tatsächlich sah ich nur 1 die Bergstraße runterwetzendes Männlein in völlig anderer Kleidung. Aber es gab genug Zeugen, die wußten, wer es war und dies unter gewissem körperlichen Druck auch ausgesagt hatten. Nein, hier wird niemand gefoltert, man muß nur manchmal etwas beim Erinnern helfen. Maxi, den Hausherrn mit seinem krummen, bei 3 Motorrad-Unfällen gebrochenen Bein, der bekannt ist für seine Aggressivität im Suff, erkannte ich wieder und schüttelte schließlich seine zur Entschuldigung gereichte feuchte Hand.
In der Halle schlurften gegen 9:15 unvorschriftsmäßig schlampig Angezogene hin und her, die ich für Kriminelle, Kläger oder Zeugen hielt. Es handelte sich jedoch um die Justiz-Angestellten, denn es war Freitag, an dem vormittags Sport getrieben wird, und danach muß man ersma essen, was 1 zusätzliche Stunde dauerte. Dabei wurde zum sehr lauten TV-Programm in der üblichen Eunuchen-Tonlage der Männer sehr laut mitgesungen. Eigentlich war ich wegen Ruhestörung da.
Dann zog man sich nach und nach um, und so mancher, der wie ein Fahrer gewirkt hatte, trug nun gegen 11:00 die blutroten Streifen eines Richters auf dem schwarzen Talar und schlenderte gemächlich zum Verhandlungsraum, wo Erik (21, ~1,60m) wirkte, als ob er gleich sterben würde. Ganz anders als seinerzeit „Crazy Judge" (diesmal war ich ja nich angeklagt) versuchte der Richter nicht mich zu verunsichern, sondern ließ sich den Tathergang gleich von meiner Frau schildern.

Tatort

Natürlich war Erik weitgehend sprachlos und kaum zu hören, und natürlich wußte er auch nicht, warum er mich geschlagen hatte. Wieso er auf dem Fest überhaupt anwesend gewesen wäre, beantworte er damit, daß er beim Aufladen der Stühle geholfen habe.
„Und warum hast du ihn angegriffen? Nicht mal der Hausherr hat geschlagen."
„—."
„Das weißt du also nicht?"
„—."
„Hast du getrunken?"
„Ja-ah." Auch wegen des noch im Gerichtssaal vernehmbaren TV-Programms war das kaum zu verstehen.
Ob er sich schon bei mir entschuldigt hätte, fragte der Richter, bevor er Erik zu 1 Monat Gefängnis mit 2 Monaten Bewährung verurteilte. Seine Oma hatte 3x von uns unbemerkt vor dem Tor gestanden, denn Erik traute sich nicht, weil er fürchtete, von mir zusammengeschlagen zu werden. Doch hatte er schon geplant, mir nach moslemischer Sitte die Füße zu küssen. Danach sah es sogar für einen Moment aus, als er sich nun zögernd durch die Schwingtür schob, die den Zuschauerbereich abtrennte und sich bei mir und meiner Frau entschuldigte. Der Bursche war völlig fertig, die Verhandlung schon nach ½ Stunde – ohne Korruption.
1000Rupiah Gerichtskosten (~10Cent) hatte Erik zu zahlen. Das nächste Mal bekommt er 3 Monate. Hoffentlich spricht sich das rum.

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